Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 59, Nummer 9 › Seite 135
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 135
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in Wisconsin.
Es wird wohl den Lesern des „Lutheraner“ allgemein be⸗
kannt sein, daß unsere Mission unter den Stockbridge⸗Indianern
nach Gottes Rath und Willen ein schwerer Verlust betroffen hat,
indem unser lieber Lehrer Volkert von seinem HErrn heimgerufen
worden ist. Es ist der Missionscommission bisher auch noch nicht
gelungen, für ihn wieder dauernden Ersatz zu erlangen. Da noch
keine Wohnung für einen Lehrer vorhanden ist, sondern dieser
noch bei dem Missionar wohnen muß, so kann vor der Hand nur
ein solcher Lehrer berufen werden, der noch keine Familie hat.
Im Uebrigen hat das Werk des HErrn unter den Stock⸗
bridge⸗Indianern durch Gottes Gnade ruhig seinen Fortgang ge⸗
nommen. Im Allgemeinen kommen diese Indianer fleißig zum
Hause Gottes und hören Gottes Wort. Arbeit gibt es freilich
für den Missionar viel, so viel, daß nur wenige sich das recht vor⸗
stellen können. Die Stockbridge⸗Indianer wohnen in der Süd⸗
westecke der Reservation. Ihre Niederlassung nimmt einen ver⸗
hältnißmäßig kleinen Raum ein. Mit der genannten Reservation
ist eine andere verbunden, welche von Menomonee⸗Indianern be⸗
wohnt wird, die viel größer ist. Auf dieser Reservation wohnen
etwa 1400 Indianer, von denen zwei Drittel sich zur römisch⸗
katholischen Kirche halten, ein Drittel aber noch Heiden sind. Die
meisten dieser heidnischen Indianer wohnen im nordwestlichen
Theile dieser Reservation, besonders in dem sogenannten Waias⸗
kesit⸗Settlement, etwa 18 bis 20 Meilen von Stockbridge ent⸗
fernt. Unser Missionar Kretzmann unternahm schon im letzten
Herbst dorthin eine Missionsreise, und später ist er noch mehrere
Male dort gewesen. Er hat sechs Stunden dorthin zu fahren.
Der Weg führt durch eine große Wildniß, und nur selten trifft
man unterwegs eine Indianerhütte an. Das Ergebniß seiner
Reise war ein recht erfreuliches. Die Indianer wünschen, daß
wir dort eine Schule beginnen möchten; sie wollen dann ihre
Kinder in diese schicken. Besonders ist ihr Häuptling für diese
Sache. Er brachte einen Enkelsohn nach Stockbridge, der dort
den Winter über schon längere Zeit sich im Missionshause auf⸗
gehalten hat.
Die Indianermissionscommission hat nun auch diese An⸗
gelegenheit öfters berathen und glaubt, daß Gott selbst uns diese
Thür aufgethan hat. Wollen wir uns aber dieser heidnischen
Indianer annehmen, so geht das gar nicht anders, als so, daß
dann dort die nöthigen Gebäude errichtet werden. Der Missio⸗
nar kann die Indianer wohl aufsuchen und in ihren Hütten mit
ihnen reden, aber ohne ein eigenes Gebäude kann er keine Ver⸗
sammlung, keinen Gottesdienst, keine Schule halten. So hat
denn die Commission beschlossen, wenn irgend möglich, diesen
Heiden auch das Evangelium von Christo zu bringen und die
nöthigen Vorkehrungen dazu zu treffen. Sie wandte sich zunächst
an die Regierung in Washington und bat um Ablassung eines
Stück Landes von zehn Ackern, um eine Schule darauf zu er⸗
richten und unter jenen Heiden das Werk der Mission zu be⸗
treiben. Anfangs machte man in Washington Schwierigkeiten,
ja, man schlug unsere Bitte gänzlich ab. Als wir aber weiter
vorstellig wurden, sah man ein, daß man das, was man den
Römischen drei⸗ bis viermal gewährt habe, den Lutheranern doch
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Einige Mittheilungen aus unserer Jndianermission nicht wohl versagen könne, und gewährte unsere Bitte. Das
Land ist bereits vermessen.
So ist nun der erste Schritt zur Eröffnung dieses neuen
Misfionspostens gethan. Ihr lieben Mitchristen, laßt uns un⸗
serem Gott, der uns hier so freundlich grüßt, auch danken. Diese
heidnischen Indianer sind sowohl in leiblicher als auch in geist⸗
licher Hinsicht so arm, wie man sie sich nur denken kann. Ihr
Land hat man ihnen öfters genommen; habsüchtige Weiße haben
sie zur Trunksucht und zu andern Sunden und Lastern verführt.
Kurz, ihr Elend ist groß. Uns aber hat der barmherzige Gott so
überaus reichlich gesegnet. Besonders hat er uns mit dem Evan⸗
gelium von Christo begnadigt, welches allein den Sünder in Zeit
und Ewigkeit selig machen kann. O laßt es uns auch diesen
armen Indianern bringen. Schließt darum auch diese Mission
mit in euer Vater⸗Unser ein. Und hat der gütige Gott euch auch
die Hand mit einer irdischen Gabe gefüllt, dann vergeßt auch die
Mission unter den Indianern in Wisconsin nicht.
Im Auftrage der Commission
P. H. Dicke.
Zur Erinnerung an weiland P. G. F. Potratz.
Am 8. October vorigen Jahres waren sechs Pastoren bei
einer Leichenfeier in Hillsboro, N. Dak., versammelt. Das ist
hier im fernen Norden etwas Seltenes, ja, das war etwas bisher
noch nicht Dagewesenes. Die Leichenfeier war besonderer Art.
Es galt, nicht nur einem in Christo entschlafenen Mitchristen,
sondern in demselben auch einem treubewährten Diener im Wein⸗
berg des HErrn das Ehrengeleite zu geben. Es war dies weiland
P. Gotthard Johann Friedrich Potratz. „Das Gedächt⸗
niß der Gerechten bleibt im Segen“, Spr. 10, 7. So möge auch
diesem entschlafenen treuen Diener seines HErrn an dieser Stelle
ein kurzes Wort ehrenden Gedenkens gewidmet sein.
Des HErrn Wege sind wunderbar, aber er führt alles herr⸗
lich hinaus. Das offenbart sich auch in dem Lebenslauf des Ver⸗
storbenen. Am 10. Januar 1851 in Klein⸗Vorbeck, Kreis Kol⸗
berg, Pommern, als zweitältester Sohn von Martin und Charlotte
Potratz geboren, besuchte er vom seche ten bis zum vierzehnten
Lebensjahre die Dorfschule zu Schwedt. Nach der Confirmation
besuchte er die Präparandenschule in Schellin, wo er neben an⸗
derem besonders Zeichnen und Fracturarbeit erlernte. In diesen
Fächern, besonders in der Fractur (Druckschrift), leistete er Be⸗
deutendes. Die später von ihm während seiner Amtszeit aus⸗
gestellten Tauf⸗, Confirmations⸗ und Trauscheine legen deutliches
Zeugniß von seiner Begabung in dieser Hinsicht ab. Später be⸗
suchte er zwei Jahre die Königliche Oekonomieschule zu Schellin;
ein Jahr später bestand er das Lehrerexamen in Krockow, West⸗
preußen. Da er ein Glied der lutherischen Kirche in Preußen,
ein sogenannter Breslauer, war, nahm er gewissenshalber keine
Stellung als Lehrer in der unirten Landeskirche an. Im Jahr
1872 finden wir ihn als Freiwilligen im neumärkischen Dragoner⸗
regiment zu Treptow an der Rega. In Folge eines Sturzes mit
dem Pferde und der dadurch erhaltenen Körperverletzung wurde
er im zweiten Jahre entlassen. Ein Jahr später wurde er noch⸗
mals zum Militär eingezogen, doch bald wurde er wieder ent⸗
lassen. Hierauf war er einige Jahre als Schreiber und Rechnungs⸗
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