Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 59, Nummer 9 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 131
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VutßeraneSS
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Vom Geben für Christi Reich.
5. Wofür soll in Christi Reich gegeben werden?
Eigentlich stellt X. Y. Z. seine fünfte und letzte Frage so:
„Wem soll gegeben werden?“ Aber ich glaube, er hat damit
gemeint, wofür und für welche Zwecke in Christi Reich
gegeben werden soll. Jedenfalls, lieber X. Y. Z., mußt du mir
es nicht übel nehmen, wenn ich deine Frage so verstehe, oder drehe
und wende.
Aber halt! Am Ende sagt X. Y. Z.: „Wenn ich eine Frage
auf eine gewisse Weise stelle, so werde ich wohl wissen, was ich
thue. Ich frage: wem gegeben werden soll, wenn für Christi
Reich gegeben wird. Und du solltest auf diese Frage antworten
und nicht an ihr herumdrehen.“
Nun, Lieber, sei nur ruhig. Ich will denn zuerst auf die
Frage antworten, gerade wie du sie stellst. Wenn ich dann nach⸗
her auch noch auf die Frage antworte, wie ich sie auffasse, so
wirst du wohl nichts dagegen haben.
Also wenn gefragt wird, wem man geben soll, wenn man
für Christi Reich gibt, so antworte ich: Dem HErrn IEsu Christo
selbst. Der sitzt immer, wenn auch unsichtbar, am Gotteskasten;
der hält durch die Hände der Vorsteher die Körbe oder Teller an
den Kirchthüren und in den Bänken herum; der ist es eigent⸗
lich, der alle Gaben, die für sein Reich gesammelt werden, ent⸗
gegennimmt. Der HErr JIéEsus Christus sieht alles, was für
sein Reich gegeben wird, so an, als ob es ihm selber und für
ihn selber gegeben wäre. Darum, wenn du etwas für Christi
Reich gibst, einlegst, unterschreibst, versprichst, so sollst du immer
so sagen: „Mein lieber guter Heiland IEsu Christe, das gebe
ich dir.“
Jetzt willst du gewiß aus der Bibel, dem Worte JEsu,
bewiesen haben, daß ich auch recht gesagt habe.
Der HErr JEsus sagt, daß am jüngsten Gerichte der König
— das ist er selbst — zu denen zur Rechten sagen werde: „Wahr⸗
lich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem un⸗
ter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt
ihr mir gethan“; und zu denen zur Linken: „Wahrlich, ich
sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter
diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht ge⸗
than“, Matth. 25, 40. 45.
Nun, habe ich nicht recht gesagt?
Ich weiß aber auch ein Sprüchlein aus dem Alten Testa⸗
mente, welches auch Christi Wort, das er durch die Propheten
geredet hat, ist. Das lautet so: „Wer sich des Armen er⸗
barmet, der leihet dem HErrn“, Spr. 19, 17.
Und ich weiß noch einen Spruch, den du nach den vorigen
wohl verstehen wirst. Er lautet: „Denn Gott ist nicht un⸗
gerecht, daß er vergesse eures Werks und Arbeit
der Liebe, die ihr beweiset habt an seinem Namen, da
ihr den Heiligen dienetet und noch dienet“, Hebr.
6, 10. „An seinem Namen“, das ist: ihm, dem HErrn selbst.
Ja, wer das recht inne ist, daß er alles, was er für Christi
Reich gibt, dem HErrn Christo selbst in die Hand, dem HErrn
Christo selber gibt, der wird kein schlechter Geber sein.
Merke dir dies also, lieber Christ, denn so ist es, so will
der HErr es haben. —
Jetzt will ich aber die Frage beantworten, wie ich sie ver⸗
stehe, oder auch meinetwegen drehe.
Woür soll in Christi Reich gegeben werden?
Es gibt in Christi Reich manches und verschiedenes, wofür
gegeben werden soll.
Und ich kann nicht unternehmen, alles aufzuzählen und zu
besprechen.
Was ich versuchen will zu thun, ist dies: ich will dir die
hauptsächlichsten Stücke zeigen, für welche in Christi Reich ge⸗
geben werden soll, und zwar will ich sie dir in der Ordnung und
Reihenfolge ihrer Vornehmlichkeit und Wichtigkeit zeigen. Wo⸗
für vor allen Dingen und zuerst gegeben werden soll, das will ich
zuerst zeigen; wofür darnach gegeben werden soll, das will ich
darnach zeigen; und so weiter.
Zuerst und vor allen Dingen, lieber Christ, sollst du dafür
geben, danß in der Gemeinde, zu welcher du gehörst, Wort und
Sacrament ordentlich im Schwange gehe.
Das ist der Platz, an welchen Gott dich gestellt hat. Und
wo gibt ein Feuer am meisten Wärme? An dem Platz, an wel⸗
chem es brennt. An dem Platz — in der Gemeinde also, zu
welcher du gehörst, da zuerst und vor allen Dingen soll deine Liebe
sich beweisen. Da sollst du zuerst und vor allen Dingen geben,
damit da Wort und Sacrament ordentlich im Schwange gehe und
Christi Reich komme und bleibe und wachse.
Laß mich das etwas näher darlegen.
Der Heilige Geist sagt: „Lasset das Wort Christi
unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit“,
Col. 3, 16.
Damit das geschehen kann, ist Prediger und Lehrer, Kirche
und Schule nöthig.
Ihr habt, liebe Christen, nicht eine kostbare prachtvolle Kirche
und Schule nöthig. Aber ihr sollt eine Kirche und Schule haben,
wie es sich für eure Verhältnisse paßt. — Es wäre eine Schande
für euch, wenn viele von euch in schönen Häusern wohnten, und
eure Kirche und eure Schule erbärmliche und baufällige Baracken
wären.
Es ist nicht nöthig, daß ihr eurem Pastor und eurem Lehrer
oder euren Lehrern großartige Gehälter gebt. Aber ihr sollt
eurem Pastor und eurem Lehrer oder euren Lehrern so viel geben,
wie es euren Verhältnissen angemessen ist. — Es wäre eine
Schande für euch, wenn gutgestellte und wohlhabende, ja, reiche
Leute unter euch wären, und euer Pastor und euer Lehrer oder
eure Lehrer mit Nahrungssorgen kämpfen müßten. Und wie
würde es sich ausnehmen, wenn es in einer Gemeinde, in der
wenigstens eine Anzahl wohlhabende Glieder sind, dahin käme,
daß dem Pastor und dem Lehrer oder den Lehrern die dürftigen
Gehälter auch noch heruntergesetzt würden, weil — nicht genug
zusammenkommt? — Was sagt Christus seinen Predigern und
Lehrern? Er sagt: „In demselbigen Hause“ (wir sagen
hier: Gemeinde; die ist doch noch mehr als Ein Haus) „aber
bleibet, esset und trinket, was sie haben. Denn
ein Arbeiter ist seines Lohnes werth“, Luc. 10, 7.
Also Prediger und Lehrer sollen mit ihrer Nahrung den Verhält⸗
nissen der Gemeinde gemäß gestellt sein. Und ihres Lohnes sind
sie werth, denn sie sind Arbeiter, Arbeiter im Reiche Gottes, euch
Gemeindegliedern zum ewigen Besten.
In dieser Weise, lieber Christ, sollst du zuerst und vor allen
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