Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 59, Nummer 9 › Seite 132

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. April 1903, Seite 132

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8 Tutheranet

Dingen dafür geben, daß in der Gemeinde, zu welcher du ge⸗
hörst, Wort und Sacrament ordentlich im Schwange gehe. Und
zwar — das vergiß nicht! — sollst du in Liebe, nach deinem Ver⸗
mögen, nicht kärglich, sondern reichlich, willig, fröhlich, einfältig
geben, was nöthig ist.

Ich denke, es ist am besten, wenn ich gleich hier die Armen
erwähne, die in deiner Gemeinde sind.

Ich meine natürlich die Armen, welche rechte Arme sind,
nicht faule Leute, die nicht arbeiten wollen.

Diese rechten Armen läßt Gott auch dazu arm sein, damit
deine und deiner Mitchristen Liebe sich an ihnen beweise.

Diesen Armen gib in folgender Weise, nach den folgenden
Regeln.

Wenn du in deiner Verwandtschaft Arme hast, so versorge
die, wenn es irgend in deinen Kräften steht, selbst und laß die Ge⸗
meinde nicht beschwert werden. Die Gemeinde wird wohl noch
genug andere Arme haben, die verlassen sind und keine Verwand⸗
ten haben, die sie versorgen können. Und wenn die Gemeinde
auch noch die Armen deiner Verwandtschaft versorgen sollte, so
möchten jene andern Armen nicht genug kriegen. Der Heilige
Geist sagt: „So aber ein Gläubiger oder Gläubigin
(arme) Wittwen hat, der versorge dieselbigen, und
lasse die Gemeinde nicht beschweret werden, auf
daß die, so rechte Wittwen sind, mögen genug
haben“, 1 Tim. 5, 16.

Sodann überhaupt, wenn du Arme siehst in deiner Ge⸗
meinde, die Noth leiden, so hilf ihnen nach besten Kräften. Sie
sind ja dein Fleisch, das heißt, deine Brüder und Schwestern,
wenn sie auch nicht blutsverwandt mit dir sind. Hilf ihnen und
warte nicht erst darauf, daß andere helfen. Der Heilige Geist
sagt: „Brich dem Hungrigen dein Brod, und die, so
im Elend sind, führe ins Haus; so du einen nackend
siehest, so kleide ihn, und entzeuch dich nicht von
deinem Fleisch“, Jes. 58, 7.

Endlich hilf aber auch, daß die Armenkasse deiner Ge⸗
meinde immer wohl gefüllt ist. Wie die Armenkasse der ersten
Gemeinde zu Jerusalem gefüllt war, das habe ich ja schon gesagt.
Du kannst es Apost. 2, 44. 45. und 4, 34—37. lesen. Und wie
und mit welcher Sorgfalt sie verwaltet wurde, das kannst du
Apost. 6, 1—6. lesen. Damals waren in Jerusalem freilich,
wie erwähnt, besondere Nothzeiten, und da bewies sich denn die
Liebe in ganz besonderer Weise. Bei dir, bei euch beweise sich die
Liebe nach der Noth, die in eurer Gemeinde vorhanden ist.

In Summa, was die Armen in deiner Gemeinde anlangt,
so merke dir das Wort Gottes, das 1 Joh. 3, 17. 18. geschrieben
steht und so lautet: „Wenn aber jemand dieser Welt
Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und
schließt sein Herz vor ihm zu: wie bleibet die Liebe
Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht
lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern
mit der That und mit der Wahrheit.“ C. M. Z.

„Wollen wir sicher wandeln, so lasset uns an das halten,
das uns Gottes Wort vorbildet, und Gott selbst will, daß wir
wissen sollen. Das andere aber alles, so im Wort nicht ange⸗
zeigt ist, sollen wir fahren lassen.“ (Luther.)

Ein Bericht über die Mission des California⸗
und Nevada⸗Districts.

II.

Gehen wir nun ein wenig südlich und besuchen das Missions⸗
feld P. Hagists. Kurz vor seinem Wegzuge nach Lodi äußerte
er sich darüber wie folgt: „Das Feld, das ich seit 15 Monaten
bediene, umfaßt die Counties Solano, Sutter und Butte. Die
Hauptplätze sind Dixon, mein Wohnort, mit einer Einwohnerzahl
von 800, Cordelia mit 300, Biggs mit 1000 und Nicolaus mit
etwa 200 Einwohnern. In Dirxon ist die Durchschnittszahl der
erwachsenen Zuhörer etwa 12 bis 15, obwohl genug Deutsche in
der Umgegend wohnen, so daß die Kirche, die Sitzplatz für etwa
200 bietet, fast gefüllt sein könnte. Dieser schwache Kirchen⸗
besuch ist ein Zeichen der erschrecklichen Gleichgültigkeit gegen
Gott und sein Wort. Ganze Familien gibt es hier, von denen
kein einziges Kind getauft ist, und trotz aller Bemühungen ist es
mir nicht gelungen, hier auch nur eine Sonntagsschule ins Leben
zu rufen. Es ist schon einige Jahre her, seit die letzten Kinder in
Dixon confirmirt wurden; die Confirmation ist ihnen etwas ganz
Ueberflüssiges. Letztes Frühjahr wurden Kinder aus dem Nach⸗
barstädtchen Vacaville confirmirt, nachdem sie hier im Hause des
Missionars aus unserm Synodalkatechismus unterrichtet worden
waren. Schwer, sehr schwer hält es, die Leute, die doch zum
Theil sehr reich und wohlhabend sind, dahin zu bringen, daß sie
von ihrem Uebrigen etwas hergeben, um den Prediger zu erhalten.
So sieht es leider in Dixon aus.

„In Cordelia, ebenfalls in Solano County, 27 Meilen
südlich von hier, steht die Sache besser. Hier wurde bis jetzt ein⸗
mal im Monat deutscher und englischer Gottesdienst abgehalten.
Durchschnittlich finden sich beim deutschen Gottesdienste etwa
30 erwachsene Zuhörer ein. Die englischen Gottesdienste werden
etwas weniger gut besucht. Es besteht eine englische Sonntags⸗
schule mit etwa 24 Kindern, von denen aber leider auch etliche
noch die Sonntagsschule der Methodisten allsonntäglich besuchen,
und eine deutsche Sonntagsschule mit 12 Kindern. Sechs Kinder
werden auf die Confirmation vorbereitet. Beiträge von einzel⸗
nen Gliedern und die Collecten zeigen, daß die Leute ein Herz für
Gottes Reich haben. — In Nicolaus, Sutter Co., werden die
Gottesdienste, namentlich die englischen, recht gut besucht, doch
sind die meisten Leute noch sehr schwach in der Erkenntniß. Die
Kinder unserer Lutheraner daselbst sind meist alle erwachsen, und
so haben wir dort nur sechs bis acht Kinder in der englischen
Sonntagsschule. ö

„Das Städtchen Biggs liegt in Butte County, fast 100
Meilen nördlich von hier. Hier konnte der großen Entfernung
und des Zeitmangels wegen nur etwa viermal des Jahres Gottes⸗
dienst abgehalten werden. Auch hier wurde um öfteren Gottes⸗
dienst gebeten und namentlich wurde dabei der armen Kinder ge⸗
dacht, die fast ohne Unterricht in Gottes Wort aufwachsen. Bei
meinem letzten Besuch daselbst wurde fast eine ganze Familie ge⸗
tauft, darunter auch zwei Erwachsene confirmirt, nachdem sie eine
Prüfung nach unserem Kleinen Katechismus bestanden hatten.

Dieses Feld ist ein vielversprechendes, aber es mangelt an der —

nöthigen Kraft, es zu bearbeiten; es fehlt an Arbeitern. Es sei
noch bemerkt, daß Biggs nur 18 Meilen von Marysville, einer

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