Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 4 › Seite 53

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1904, Seite 53

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche · Kirche 30 · Lehre. — Falſche Lehrer 13 · Uuion

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geringsten falschen Lehre und vor jedem Anfang und Ansatz
vselben warnt, will er dann nicht, daß eine rechtgläubige Kirche

er Mitte Lehrzucht übt? Und wenn er befiehlt, daß jeder
rediger „halte ob dem Wort, das gewiß ist und
ehren kann, auf daß er mächtig sei, zu ermahnen
urch die heilsame Lehre, und zu strafen die Wider⸗
orecher“, Tit. 1, 9., will er dann nicht, daß die rechtgläubige

Wie? Meinst du,
ich zu hart redes Kannst 25 das mreinen, wenn du liest, daß
aulus durch den Heiligen Geist schreibt: „Aber so auch wir,
der ein Engel vom Himmel, euch würde Evan⸗
elium predigen anders, denn das wir euch gepre⸗
liget haben, der sei verflucht“? Ja, damit jeder er⸗
enne, daß er wirklich aus dem Heiligen Geist, und nicht etwa in

Wie wir jetzt gesagt haben, so sagen wir auch aber⸗
AIal: So jemand euch Evangeliumprediget anders,
gusenn das ihr empfangen habt, der sei verflucht“,
Zal. 1, 8. 9.
Und wenn der Apostel durch den Heiligen Geist sagt: „Ich

rmahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr auf⸗
ehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß
nrichten, neben der Lehre,
fl nd weichet von denselbigen“, Röm. 16, 17.; und wenn er sagt:
%sEinen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal
Ind abermal ermahnet ist“, Tit. 3, 10.; und wenn ein
nderer Apostel durch denselben Heiligen Geist schreibt: „So
emand zu euch kommt, und bringet diese Lehre
icht, den nehmet nicht zu Hause, und grüßet ihn nuch nicht;
enn wer ihn grüßet, der macht sich theilhaftig
üuhlleiner bösen Werke“, 2 Joh. 10. 11. — will dann der

ich, was alle Kirchengemeinschaft anlangt, von den falschgläu—

hm igen Kirchen absondere?

liEi, mein Leser, wenn du meinst, daß ich zu viel gesagt habe, so

lalh ib doch der Schrift schuld; denn ich habe nur gesagt, was die sagt.
Unnd das von Gott geforderte Bekenntniß zum Worte

0 Worte Christi Lecht bekennen, wenn sie nicht die Hurhengenein
chaft aufhübe mit denen, die dem Worte Christi widersprechen?
hUN einst du, daß eine rechtgläubige Kirche eine rechte Bekennerin
her Wahrheit sein kann, wenn sie in kirchlicher Gemeinschaft mit
enen sich zeigt, die die Wahrheit verleugnen und bekämpfen?
IUnd wenn eine rechtgläubige Kirche in irgend einer Weise
tRH it falschgläubigen Kirchen Kirchengemeinschaft hat, so gibt sie
schweres Aergerniß. Sie schwächt dadurch ihr sonstiges Zeug—
+ riß für die Wahrheit ab. Sie bestärkt dadurch die Falschgläu⸗
higen i in ihrem Irrthum. Sie fördert dadurch den so weit ver⸗
50 hreiteten und so schädlichen kirchlichen Indifferentismus, das
eißt, die Gleichgültigkeit, in welcher so viele sprechen: „Es ist

die ihr gelernet habt,

einerlei, zu welcher Kirche man gehört, wenn es nur nicht die
römisch-katholische ist.“ Also das göttliche Verbot, Aergerniß
zu geben, muß eine rechtgläubige Kirche bewegen, sich in ange⸗
zeigter Weise von falschgläubigen Kirchen zu trennen.

Und endlich: Gott will haben, daß es eine rechtgläubige Kirche
gebe und daß sie für die Wahrheit Zeugniß ablege. Gott will also
haben, daß eine rechtgläubige Kirche ganz ernstlich auf ihre Selbst⸗
erhaltung bedacht sei. Aber nimmermehr wird eine rechtgläubige
Kirche erhalten bleiben, wenn sie sich von den falschgläubigen
Kirchen nicht getrennt hält. Durch irgend welche Kirchengemein⸗
schaft mit falschgläubigen Kirchen wird eine rechtgläubige Kirche
anfaulen, und das schnell, wie ein guter Apfel schnell anfault,
wenn er unter angefaulten liegt. Also auch die in diesem Falle
so heilige und gottgefällige Selbsterhaltung fordert ge⸗
bieterisch, daß eine rechtgläubige Kirche sich in angezeigter
von falschgläubigen Kirchen trenne.

Die Hauptsache aber ist und bleibt immer das, daß Gott
will und in seinem Worte gebietet, daß eine rechtgläu⸗
bige Kirche sich von falschgläubigen Kirchen trenne. Da gilt es,
ohne Bedenken und Dreinreden zu gehorchen. C. M. Z.

Aus Hamburg, Mecklenburg und Schleswig⸗Holstein.

I.

„Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch
nahm und säete es auf seinen Acker. Welches das kleinste ist
unter allen Samen; wenn es aber erwächst, so ist es das größeste
unter dem Kohl, und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem
Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen“, Matth. 13,
31. f. Als der HErr IEsus einst vor nun fast 1900 Jahren
dies Gleichniß dem Volke Israel vorlegte, war es ein wahres
Wort; denn es kam aus dem Munde der ewigen Wahrheit.
Aber die Kirche aller Zeiten hat dies Wort ihres HErrn und
Meisters auch herrlich bestätigt gefunden. Die Kirche des alten
Bundes, die Synagoge, aus welch bescheidenen Anfängen ist sie
herausgewachsen! Da waren die Patriarchen, die da predigten
von des HErrn Namen; da war Moses, der ihnen das Gesetz,
das Wort des Mundes Gottes, gab und den Samen der himm⸗
lischen Wahrheit ins Herz pflanzte. Und wie gering und un⸗
scheinbar war die Schaar der Jünger des HErrn, die den Grund—
stock der neutestamentlichen Kirche bildeten; aber wir sehen sie
nach der Ausgießung des Heiligen Geistes als Zeugen JIEsu zu
Jerusalem und in ganz Judäag und Samaria und bis an das
Ende der Erde, und überall, wohin sie ihren Fuß setzten, blühte
die Kirche IEsu Christi, des auferstandenen Siegesfürsten, mächtig
empor. Wie armselig und verachtet war jener Mönch in Witten⸗
berg, der das unter dem Schutt römischer Irrlehre vergrabene
Bibelbuch wieder hervorholte und zu Ehren brachte. Aber
Luthers Hammerschläge an die Schloßkirche, begleitet von der
Stimme des Engels: „Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre!“
hallten wieder in der ganzen Welt, in den Herzen Tausender und
Abertausender von Kindern Gottes. Die Missouri-Synode, die
wie ein Wunderbau vor unsern Augen dasteht, begann so ärmlich
und dürftig, daß die Feinde wohl lächelnd fragen mochten: „Was,
meinest du, will aus dem Kindlein werden?“ Die evangelisch—
lutherische Freikirche Deutschlands, der niemand im Hinblick auf

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