Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 4 › Seite 57
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1904, Seite 57
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wort Gottes 4
8SNer 2„Tutherancts
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Diese Worte drangen dem Jüngling so ins Herz, daß er von
tund an aller Lustbarkeit der Welt entsagte und lieber sterben wollte,
8 den noch einmal betrüben, der für uns den bitteren Tod des
reuzes aus Liebe erduldet hat.
Er hat dann später selbst IEsus⸗
eder gedichtet.
Auch der fünfte Vers hat mindestens Einen Menschen vor Ver⸗
ugnung bewahrt und in der Treue gegen den Gekreuzigten gestärkt.
r lautet so:
Der am Kreuz ist meine Liebe:
Drum, Tyrann, nun foltre, stoß!
Hunger, Blöße, Henkershiebe,
Nichts macht mich von IEsu los,
Nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm,
Engel nicht, kein Fürstenthum.
Der am Kreuz ist meine Liebe,
Weil ich mich im Glauben übe.
An einem Abend des Jahres 1815 nämlich wurde der deutsche
ungling Joh. Kullen in Frankreich durch die schlüpfrigen Gespräche
iner Stubengenossen am Einschlafen gehindert. Um womöglich ihre
Vorte gar nicht zu hören, sagte er früher auswendig gelernte Bibel⸗
zrüche und Gesänge für sich her, und so kam ihm auch unser Lied in
en Sinn.
heiland kälter geworden war. Eine Stimme in ihm sagte:
Vorte des Liedes gehen dich an.“ Er dagegen fragte sich: „Was
zillst du denn? Willst du ein fündliches Leben führen wie diese?
Nochtest du Reichthum haben in der Welt oder Ehre? Möchtest du
in Officier sein?“ Und er kam durch Gottes Gnade schließlich zu der
(utwort: „Ich möchte nur dich haben, lieber Heiland!“ „Nun“, hieß
wieder in ihm, „so geht es dich an: „Der am Kreuz ist meine Liebe.“
ö nd der Gekreuzigte mit seiner Liebe behielt den Sieg im Herzen dieses
Rannes. Er entsagte weltlichen Ehren, Gütern und Genüssen.
Der letzte Vers endlich sollte sich besonders an dem Dichter unsers
iedes selber bewähren. Nachdem dieser noch am Gründonnerstag und
Zharfreitag 1748 das Wort von IEsu dem Gekreuzigten mit heiligem
iebesfeuer verkündigt hatte, ging er schnell und leicht, Tags darnach,
m Ostersamstag, durch einen seligen Tod „ins himmlische Vaterhaus“.
auch an uns dann sich bewähre der Schlußvers unsers Liedes:
Der am Kreuz ist meine Liebe:
Komm, Tod, komm, mein bester Freund!
Wenn ich wie ein Staub zerstiebe,
Wird mein IEsus mir vereint;
Da, da schau ich Gottes Lamm,
Meiner Seelen Bräutigam.
Der am Kreuz ist meine Liebe,
Weil ich mich im Glauben übe.
„Für mich.“
Die „Marieliese“, ein schönes, neues Segelschiff, befand sich auf
hrer ersten Reise von Bremen nach Valparaiso in Chili. Alles war
isher günstig verlaufen und fast die Hälfte der Fahrt zurückgelegt.
Über eine dunkle Wolke lagerte über der „Marieliese“: Peter Jensen,
er Capitän, lag seit einigen Tagen schwer krank in seiner Koje, und
8 schien, als sollte er den Hafen nicht erreichen. Aechzend und stöhnend
alb besinnungslos da. Etwas schien den Kranken zu quälen und zu
erfolgen. Eines Tages sagte er zu dem neben ihm stehenden ersten
Steuermann, der an seiner Stelle das Commando hatte übernehmen
aüssen: „Mit mir geht's zu Ende; ich weiß, ich werde den Hafen
icht mehr erreichen. Aber wie komme ich wohl zum andern Hafen
Dabei wurde es ihm klar, daß er in der Liebe zu seinem
„Die
harf er sich im hohen Fieber hin und her oder lag dazwischen hinein
— droben? Ach, helfen Sie mir doch!“ Der Kranke richtete sich jäh
auf und packte mit angsterfülltem Blick den Arm des Steuermanns:
„Helfen Sie mir, sagen Sie mir, wie ich es machen soll, daß ich nicht
verloren gehe.“ „Capitän“, erwiderte der Steuermann, „das weiß
ich selbst nicht, habe selbst nie daran gedacht. Ich habe immer recht⸗
schaffen gelebt (2) und meine Pflicht gethan (2) und mich nicht um Gott
oder göttliche Dinge bekümmert.“ „So schicken Sie mir den zweiten
Steuermann“, befahl der Capitän. Der zweite Steuermann kam, aber
auch er konnte ebensowenig wie der erste die Seelenangst des Capitäns
beschwichtigen. Ein Mann der Besatzung um den andern wurde ge⸗
rufen, aber keiner konnte dem Sterbenden den Weg des Heils weisen.
Nur der Schiffsjunge war noch nicht in der Kajüte des Capitäns ge⸗
wesen, aber auch ihn ließ der Kranke rufen. Wie ein Ertrinkender sich
an den letzten Strohhalm klammert, so hafteten des Capitäns Blicke an
dem Jungen, als dieser eintrat.
„Karl Müller, hast du eine Mutter zu Hause, ist sie eine fromme
Frau, hat sie dich beten gelehrt?“ „Ja, Capitän, das hat sie und sie
hat mir, als ich von Hause abreiste, eine Bibel geschenkt und“ —
„Hast du die Bibel hier, Junge?“ unterbrach ihn der Capitän. „Ja,
Capitän, und ich habe meiner Mutter versprechen müssen, täglich darin
zu lesen.“ „Hol sie her und lies mir etwas vor, das beim Sterben
hilft.“ Karl holte seine Bibel und fragte: „Was soll ich denn auf⸗
schlagen, Capitän, soll ich das lesen, was ich beim Abschied mit meiner
Mutter zusammen gelesen habe?“ „Ja, ja, fang nur an.“ Da schlug
Karl das 53. Capitel des Propheten Jesaias auf und las es vor; als
er aber an den fünften Vers kam, stockte er. „Capitän“, fragte er,
„soll ich den Vers so lesen, wie ihn mich meine Mutter lesen lehrte?“
Da las denn Karl weiter: „Aber er ist um Karl Müllers Missethat
willen verwundet und um Karl Müllers Sünde willen zerschlagen.
Die Strafe liegt auf ihm, auf daß Karl Müller Friede hätte, und durch
seine Wunden ist Karl Müller geheilet.“ Da richtete sich der Kranke
plötzlich auf: „Halt“, rief er, „das ist's ja, was ich brauche; lies den
Vers noch einmal, Junge, aber setze meinen Namen statt des deinigen.“
Da las Karl den Bibelvers noch einmal langsam und deutlich vor.
Und als er geendet hatte: „Die Strafe liegt auf ihm, auf daß Peter
Jensen Friede hätte, und durch seine Wunden ist Peter Jensen ge⸗
heilet“, da athmete der Kranke tief auf und sprach leise vor sich hin:
„Da habe ich, was ich so lange gesucht habe; das gibt Ruhe und Trost.“
Von diesem Tage an wurde Karl Müller noch manchesmal in die
Kajüte des Capitäns gerufen und mußte diesem aus seiner Bibel vor⸗
lesen. Immer wieder aber wollte der Sterbende, mit dem es rasch zu
Ende ging, die Worte hören: „durch seine Wunden ist Peter Jensen
geheilet“. Mit diesem Troste auf den Lippen und im Herzen ging
Peter noch in der elften Stunde in den himmlischen Friedenshafen ein.
Er trug unsere Krankheit.
Die Juden nahmen Christum darum allein nicht an, daß sie ihre
eigene Gerechtigkeit ihnen nicht wollten genommen noch gestraft haben,
so doch Christus deshalb ins Fleisch kommen und Mensch worden ist,
daß wir, die wir Kinder des Zorns und zur Verdammniß verurtheilt
waren, durch seine Gerechtigkeit selig und erhalten würden. Darum
soll man vornehmlich das Wort: unsere Krankheit und unsere
Schmerzen sich wohl einbilden. Denn durch das Wort unser wird
uns das selige, heilsame Leiden Christi zugerechnet und mitgetheilt, ja,
es wird sogar unser eigen, als hätten wir's selbst erborben. Denn so
er hat getragen meine Schmerzen und meine Krankheit, so ist's gewiß,
daß ich auch ganz frei bin, nicht allein von aller meiner Schuld, sondern
auch von meiner wohlverdienten Strafe, und darf deshalb auch nichts
(Luther.)
fürchten noch verzagen vor dem ernsten Gerichte Gottes.
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