Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 4 › Seite 56

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1904, Seite 56

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 9 · Theater 2 · Theater 5 · Papſttum 6 · Geſang

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wurde, wird gesagt, daß es inhaltlich sonst unanstößig gewesen sei.
Mag sein; wir kennen es nicht, wissen aber, daß vieles als unanstößig
bezeichnet wird, an dem ein zartes, christliches Gewissen gerechten An⸗
stoß nimmt. Daß aber die Aufführung nicht unanstößig war, zeigt
ein Vorfall. Eine der Schauspielerinnen, die eben ihren Theil beendet
hatte und von der Bühne abgetreten war, wurde aufgefordert, schnell
auf die Straße zu fliehen, um ihr Leben zu retten. „Was? In diesem
Costüm?“ sagte sie. „Ich will fast lieber verbrennen, als mich so auf
der Straße zeigen.“ Sie war ohne Zweifel in unzüchtiger Kleidung,
wie es auf der Bühne gewöhnlich Brauch ist, vor 2000 Jungen und
Alten aufgetreten. Sie schämte sich aber, auf der Straße in solchem
Aufputz zu erscheinen. — Wir können nur nochmals an das Schrift⸗

wort erinnern, das wie kein anderes auf diesen Vorfall paßt: „Habt
nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. . . . Die Welt vergehet
mit ihrer Lust“, 1 Joh. 2, 15. ff. L. F.

Unter der Zahl der in dem furchtbaren Chicagoer Unglück
Umgekommenen, welche nahezu 600 beträgt, befanden sich 39 Lehre⸗
rinnen der öffentlichen Schulen und 102 Schulkinder.
Diese Zahlen zeigen deutlich, welcher Geist und Sinn unter denen
herrscht, welchen man fast allgemein, auch von Seiten der Christen,
die Ausbildung und Gestaltung des Charakters der heutigen Jugend
anvertraut. Von dem „Geist und Gemüth bildenden und erhebenden“
Einfluß des Theaters erfüllt, ja, davon begeistert, ist es ganz natürlich,
daß sie diesen Sinn übertragen auf die ihnen Befohlenen. Und mit

welchem Erfolge das geschieht, beweist die Zahl der in jenem Theater

gegenwärtig gewesenen Kinder. Sollte ein Christ nicht auch hieraus
aufs neue lernen, daß er seine Kinder andern Leuten zur Erziehung
und zum Unterricht anzuvertrauen hat als solchen blinden Leitern?
Sollen deine Kinder für den Theaterbesuch erzogen werden? Wenn
nicht, so sende sie in die christliche Schule. — Einige Zeit nach
der entsetzlichen Katastrophe hielt man in Chicago eine Feier ab, in
welcher insonderheit der im Theater umgekommenen Lehrer und
Schüler gedacht ward. Dabei sagte eine Lehrerin unter anderem in
ihrer Rede: „Der HErr rief: „Lasset die Kindlein zu mir kommen
und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes“ — und
sie kamen!“ Das ist eine ganz schändliche Lästerung des heiligen
Gotteswortes. Wundern wir uns noch, daß aller Respect vor Gottes
Wort fast gänzlich schwindet, ja, auch alles natürliche Verständniß
und Gefühl für dasselbe in unserm Volke beinahe völlig erstirbt?
Hier hast du eine Erklärung dafür. Andere Erklärungen finden wir
in dem greulichen Mißbrauch der Schrift von Seiten so vieler Secten⸗
prediger, desgleichen fast aller Zeitungen, in dem leichtfertigen und
spöttischen Anführen von Bibelworten in Gesprächen und dergleichen
mehr. Wird es nicht auch hier wieder klar, wo dein Kind nicht hin⸗
gehört und wo es hingehört? Oder foll dein Kind auch da an⸗
kommen, wo die meisten, welche obige Lästerung hörten oder lasen,
schon angelangt sind, nämlich bei dem unchristlichen Urtheil: O wie
schön!? * Fd. S.

Der am Kreuz ist meine Liebe.

Dieses schöne Passionslied (No. 71) ist von Joh. Ernst Greding

(4 1748 als Pfarrer zu Altheim bei Hanau) gedichtet worden nach
dem Wahlspruch des frommen Märtyrers Ignatius: „Meines Herzens
Liebe ist am Kreuze gestorben.“ Diesen Wahlspruch hat Ignatius,
der wegen seines christlichen Bekenntnisses hochangesehene Bischof von
Antiochien in Syrien, bis zu seinem Tode festgehalten. Als er näm⸗
lich um das Jahr 107 in Rom den wilden Thieren vorgeworfen wurde,
hat er auf dem Wege zur Marter immer die Worte gesagt: „Ei, du
süßer Name IEsus!“ Und auf die Frage, weshalb er immer diese

Worte wiederhole, hat er geantwortet: „Dieser Name ist mir ins Herz

hineingegraben, ich kann ihn nicht vergessen, und so oft ich ihn nenne,
fühlt mein Herz neuen Trost.“

Der bekannte fromme Liederdichter Valerius Herberger hat diese
Geschichte vom heiligen Ignatius sehr gern gehört. In gleicher Liebe
zu dem gekreuzigten Gottessohn singt er in seinem schönen Sterbelied
(No. 426):

In meines Herzens Grunde
Dein Nam und Kreuz allein
Funkelt all Zeit und Stunde,
Drauf kann ich fröhlich sein. ö‚
Erschein mir in dem Bilde
Zum Trost in meiner Noth,
Wie du, HErr Christ, so milde 6
Dich hast geblut zu Tod!

Auch Greding, der Verfasser unsers Liedes, bezeugt mit seinem
Gesang, daß ihm IEsus der Gekreuzigte über alles ging. Obwohl
er mit dem kaiserlichen Dichterlorbeer geschmückt war, so hat er doch
um „den ewigen Kranz“ sein armes Leben dem HErrn Christo ganz
ergeben. Und wie von dem Leibe des gläubigen Zeugen Chrisi
Ströme lebendigen Wassers fließen, Joh. 7, 38., so hat auch dieses
Lied in manches Menschen Herzen die Liebe Christi erweckt oder gestärkt

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde der fromme Minister
v. Seckendorf von Herzog Karl von Württemberg zu einem Hofba

befohlen. Der Minister erbat sich die Gnade, das erste Musiksti
auswählen zu dürfen, und da die Bitte gewährt wurde, so ertönte
als der Tanz beginnen sollte, durch den Saal die Weise unsers Lieder

Der am Kreuz ist meine Liebe, ö
Meine Lieb ist IEsus Christ. ö
Weg, ihr argen Seelendiebe,
Satan, Welt und Fleischeslist!
Eure Lieb ist nicht von Gott,

Eure Lieb ist gar der Tod;

Der am Kreuz ist meine Liebe,

Weil ich mich im Glauben übe.

Der am Kreuz ist meine Liebe:
Frevler, was befremdet dich,

Daß ich mich im Glauben übe?
IEsus gab sich selbst für mich:
So ward er mein Friedeschild,
Aber auch mein Lebensbild.

Der am Kreuz ist meine Liebe,
Weil ich mich im Glauben übe.

Der Herzog forderte seinen Minister nicht mehr zum Tanze auf,
und dieser hatte hinfort Ruhe vor dergleichen Zumuthungen, die Liebe
zu Christo zu verletzen.

Abgeschreckt von der Weltliebe und erweckt zur Liebe gegen de
Gekreuzigten wurde im Jahre 1775 ein 17jähriger Jüngling in Al
dorf, als man in der Charwoche dieses Lied in der Kirche sang, be
sonders durch den dritten und vierten Vers:

Der am Kreuz ist meine Liebe:
Sünde, du verlierst den Sturm.
Weh mir, wenn ich den betrübe,
Der statt meiner ward ein Wurm!
Kreuzigt ich nicht Gottes Sohn?
Trät ich nicht sein Blut mit Hohn?
Der am Kreuz ist meine Liebe,

Weil ich mich im Glauben übe. ö ö

Der am Kreuz ist meine Liebe:
Schweig, Gewissen! niemand mahnt;
Gott preist seine Liebestriebe,

Wenn mir von der Handschrift ahnt.
Schau, wie mein Halsbürge zahlt;
Gottes Blut hat sie durchmalt.

Der am Kreuz ist meine Liebe,

Weil ich mich im Glauben übe.

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