Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 4 › Seite 55
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Februar 1904, Seite 55
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe · Faſten 2 · Theater 5
55
Zur kirchlichen Chronik.
Ameriea.
Bisitation in Brasilien. Die letzte Delegatensynode sprach sich
ahin aus, daß so bald als möglich durch die Allgemeine Missions⸗
ommission eine Visitation in Brasilien vorgenommen werden möchte.
Dieser Beschluß der Delegatensynode wird, will's Gott, dieses Jahr
usgeführt werden. Herr P. L. Lochner von Chicago, ein Glied der
ommission, ist mit dem amtlichen Besuch unserer Brüder in Brasilien
„eauftragt worden. Auch hat die von Herrn P. Lochner bediente
Hemeinde aus Liebe zum Reiche Gottes die Erlaubniß gegeben, daß
Uhr Pastor den ihm gewordenen Auftrag ausrichten kann. So wird
henn, will's Gott, Herr P. Lochner am 5. April von New Vork nach
Brasilien abreisen. F. P.
Brasilien. Das vom Ehrw. Präsidium des Südlichen Districts
einer Zeit angeordnete Colloquium mit P. August Zander in Serro
Braneo bei Rincao Sao Pedro, der sich zur Aufnahme in unsere
Synode gemeldet hatte, ist am 13. November vorigen Jahres durch die
Hastoren Mahler, Wittrock und Harder in Gegenwart der Pastoren
Rern und Möller abgehalten worden. Die völlige Uebereinstimmung
b. Zanders mit unserer Synode in Lehre und Praxis konnte am
Schluß des Colloquiums constatirt werden. L. L.
Die große Weltausstellung in St. Louis wird am 30. April
röffnet und voraussichtlich auch von vielen Lutheranern besucht werden.
„Wiederholt sind schon Anfragen namentlich aus der Synodalconferenz,
ber auch aus andern lutherischen Kreisen, selbst aus Europa, hier
eingelaufen, ob nicht für die die Ausstellung besuchenden Lutheraner
hassende Quartiere genannt werden könnten. Wir glauben deshalb
vielen Lesern des „Lutheraner“ einen Dienst zu thun, wenn wir ihnen
chon jetzt mittheilen, daß aus unsern hiesigen Gemeinden zwei Glieder
weckentsprechende und bequemgelegene Herbergen für lutherische Welt⸗
usstellungsbesucher einrichten. Die eine befindet sich nur vier Blocks
pom Weltausstellungsplatz entfernt, ist ein neues, permanentes Ge⸗
päude und bietet Raum für 180 Gäste. Wegen näherer Auskunft wende
nan sich an den Eigenthümer, Mr. Eckhard Wind, c. o. Mr. H. C.
Ichenbach, 1704 Market St., St. Louis, Mo. Die andere Her⸗
Herge befindet sich mehr im Centrum der Stadt, etwa zwanzig Minuten
Wegs mit der Straßenbahn vom Weltausstellungsplatz entfernt, und
pietet Raum für 60 Gäste. Wegen Auskunft wende man sich an
Mr. Wm. Tepe, 2723—2725 Laclede Ave, St. Louis, Mo. Einen
halben Block östlich vom hiesigen Centralbahnhof (Union Station)
entfernt, in der Apotheke eines andern Lutheraners, des schon genann⸗
ten Herrn H. C. Achenbach, hat unsere hiesige lutherische Stadtmission
ein Informationsbureau eröffnet, in welchem jeder Glaubensbruder
sich Auskunft über Lage der Herbergen, über Kirchen, Straßenbahnen
Rund sonstige Ortsverhältnisse der Stadt holen kann. L. F.
Die Ameriranische Bibelgesellschaft hat im vergangenen Jahre
2,058,298 Bibeln gedruckt oder angekauft, und seit ihrer Gründung
im Ganzen 72,000,000 Bibeln ausgegeben. Von den mehr als 2 Mil⸗
lionen Bibeln des letzten Jahres wurden in den Vereinigten Staaten
45,423 verbreitet, und zwar kommen davon allein auf New York
225,735, auf Pennsylvania 135,938, auf Illinois 62,878, auf Wyo⸗
ning und Arizona nur 56 und 87. Nach den Philippinen wurden
½%11,774 Exemplare gesandt, aber auch Cuba wurde mit 20,398 nicht
vergessen, während Africa 6725, China 1425 und Canada 218 er⸗
hielten. — Das sind große Zahlen, sagst du, und dazu kommen noch
die ungezählten Tausende, die von andern Gesellschaften und Drucke⸗
ien ausgegeben werden. Aber was nützt die Bibel im Hause, wenn
e nicht auch gelesen wird? Und daran fehlt es vor allem.
L. F.
2755‚6
hat schwere Brandwunden davongetragen.
In der römischen Kirche werden jetzt wieder die üblichen Fasten⸗
briefe erlassen, und derjenige des Erzbischofs von St. Louis liegt vor
uns. Zuerst wird darin das Fasten für alle Tage der Fastenzeit mit
Ausnahme der Sonntage geboten; nur Eine volle Mahlzeit wird ge⸗
stattet. Dann werden aber gleich wieder so viele Ausnahmen gemacht,
daß es nicht allzuschwer sein wird, die Fasten zu halten. Einmal
brauchen diejenigen, die unter 21 Jahren sind, und diejenigen, denen
das Fasten gesundheitsschädlich sein könnte, überhaupt nicht zu fasten.
Sodann wird der Genuß von Fleisch bei der Hauptmahlzeit an allen
Tagen gestattet außer Mittwochs und Freitags, an denen aber Fisch
gegessen werden darf. Ferner darf Morgens Kaffee, Thee oder dunne
Chocolade genossen werden und Abends ein Essen, das nicht den vierten
Theil einer gewöhnlichen Mahlzeit übersteigt. Bei diesem Abendessen
ist nur Fleisch verboten, Butter, Eier, Käse, Milch dürfen aus beson⸗
derer Vergünstigung des Pabstes genossen werden. Auch darf ge⸗
wechselt und die Hauptmahlzeit Abends gehalten werden. Und endlich
gibt es noch eine Vergünstigung des Pabstes, die seit 1895 in Kraft
ist und zehn Jahre gilt, vermöge welcher Arbeiterfamilien alle Tage
außer Freitags und einigen besonderen Tagen Fleisch genießen dürfen.
Dafür werden sie ermahnt, aus Dankbarkeit eine andere „Kreuzigung“
des Fleisches zu vollziehen, z. B. keine alkoholhaltigen Getränke zu ge⸗
nießen. — Das Reich Gottes besteht nicht in Essen und Trinken,
Röm. 14, 17. Wir sollen uns aber auch nach Pauli Wort kein Ge⸗
wissen machen lassen über Speise oder über Trank, Col. 2, 16. Die
Fastengebote, wie die römische Kirche sie alljährlich erläßt, sind
Menschengebote, die einer rechten Feier der Passionszeit nur schaden,
indem sie die Gewissen irre führen. Die rechte Feier der Passionszeit
besteht darin, daß wir uns mit bußfertig gläubigem Herzen in Christi
Leiden und Sterben versenken, auf daß wir zur Erkenntniß unserer
Sünden und zu dem gewissen Glauben gelangen, daß der Heiland um
unserer Missethat willen gelitten hat und gestorben ist, und daß wir
nun mit Gott versöhnt sind. Durch solchen wahren Glauben an Chri⸗
stum, aber nicht durch Fasten, Menschenwerk und Ceremonien, haben
wir Frieden mit Gott und das ewige Leben. E. F.
Aus Welt und Zeit.
Der schreckliche Theaterbrand in Chirago ist in der kirchlichen
wie weltlichen Presse viel besprochen worden. Darunter finden sich
auch Aussprachen, die das heutige Theater richtig beurtheilen. Ein
Blatt, 5²e Lpꝛoorthii Herald, sagt nach einer längeren Ausführung:
„Wir würden durchaus unsere Pflicht versäumen, wenn wir nicht wie⸗
der, wie wir schon oft zuvor gethan haben, die jungen Leute dringend
bäten, das Theater zu meiden. Das thun wir nicht wegen der mög⸗
lichen Gefahr einer Panik oder eines Feuers, sondern wegen des mora⸗
lischen Schadens, der sicherlich folgt. Theaterleben und Christenleben
sind Gegensätze; sie können nicht Hand in Hand gehen. Das eine
gewinnt auf Kosten des andern.“ — Bei dem Unglück hat auch ein
Prediger der Methodistenkirche sein Leben verloren und ein anderer
Das Blatt, dem wir dies
entnehmen, theilt noch mit: „Es kamen auch viele christliche Leute um,
die nur auf Besuch oder in Geschäften in Chicago anwesend waren,
die ungekannt und unbekannt glaubten das Schauspielhaus besuchen
zu können. In ihren Heimathsgemeinden ahnte niemand, daß sie in
ihren sittlichen Ansichten so locker seien.“ Damit wird eine Wahr⸗
nehmung ausgesprochen, die auch sonst oft zutrifft. Gar viele, die
den Christennamen tragen und sich in ihrer Heimath vor etwas Ver⸗
werflichem scheuen würden, thun es ungescheut, wenn sie in der Fremde
sind. Als ob der Allwissende und Allgegenwärtige sie nicht sähe und
kennte! — Von dem Schauspiel, das gerade bei dem Brande aufgeführt
English translation
Not yet translated.