Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 130

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 130

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Maria 5 · Papſttum 140 · Papſttum 6 · Papſttum 4 · Papſttum 12

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Collegium der Cardinäle. Unter diesem sind die Erzbischöfe.
Unter diesen sind die Bischöfe. Unter diesen sind die Priester.
Von dieser einheitlichen und gewaltigen — wie sollen wir sagen?
— Kirchenmaschine wird das Volk, das katholische Kirchenvolk,
geleitet. Die Organisation der römisch-katholischen Kirche ist
pyramidal! Wie eine Pyramide wird sie von der obersten Spitze
aus nach unten zu immer breiter, immer wuchtiger; sie breitet
sich schier über die ganze Erde aus. Der Pabst befiehlt; und
wie ein elektrischer Funke fährt sein Befehl, sein Gebot, seine
Satzung durch Cardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester macht⸗
voll aufs Volk. Mönchsorden und andere Einrichtungen hat man
zur Hand, zur Hülfe; sie sind gleichsam der Mörtel, der Kitt
dieser gewaltigen Regierungspyramide. — Es ist großartig! Es
ist ohne Gleichen! Man sollte so etwas nicht für möglich halten!
Aber es ist da. Man hat's vor Augen. So ist's immer gewesen.
So ist's heute. So wird's bleiben bis an den jüngsten Tag.

Die römisch-katholische Kirche ist eine gewaltige Macht, hat
eine gewaltige Macht. Und sie macht sich alles unterthan. Sie
macht sich unterthan die großen Geister der Beredtsamkeit, der
Schriftstellerei, der Staatskunst, ja, und der Selbstverleugnung
und des rastlosen Eifers; und sie macht sich unterthan die Mächte
des Thrones, des Ansehens, des Geldes, der großen Volksmenge.
— Es gibt, auch heute noch, nichts auf Erden, was mächtiger,
oder auch nur annähernd so mächtig ist wie die römisch-katho—
lische Kirche.

Und betrachte ihre Ceremonien, ihre gottesdienstlichen For⸗
men und Gebräuche. Auch diese sind uralt und prächtig und
blendend. Alles, was schön und herrlich ist auf Erden, hat sie
zur Verschönerung und Verherrlichung ihres gottesdienstlichen
Wesens sich nutzbar gemacht: die Baukunst, die Bildhauerei, die
Malerei, die Farbenpracht, die Musik, den Gesang und anderes
mehr.

Ja, die römisch-katholische Kirche steht in all den genannten
Dingen einzigartig und unvergleichlich da.

Aber die Hauptfrage, die Frage, auf die alles ankommt, ist:
Zeigt die römisch-katholische Kirche aus Gottes
Wort den rechten Weg zur Seligkeit?

Kann auf diese Frage nicht mit Ja geantwortet werden,
hat die römisch-katholische Kirche nicht auch diesen Ruhm,
so ist all ihr anderer Ruhm nichts, ja, so ist all ihr anderer
Ruhm trügerisch, irreführend, verblendend, schädlich und seelen⸗
verderblich.

Wie ist es denn nun? Zeigt die römisch-katholische Kirche
oder zeigt sie nicht den rechten Weg zur Seligkeit aus Gottes Wort?
Wir wollen ganz säuberlich und gewissenhaft zusehen.

Die römisch-katholische Kirche bekennt sich laut öffentlich zu
den drei Hauptsymbolen der christlichen Kirche: zum apostolischen,
zum nicänischen und zum athanasianischen Glaubensbekenntniß,
wie du diese Glaubensbekenntnisse hinten in deinem Gesangbuche
hast. Die römisch-katholische Kirche bekennt die heilige Dreieinig⸗
keit Gottes. Sie bekennt die wahre Gottheit und Menschheit un⸗
sers HErrn und Heilandes IEsu Christi. Sie bekennt, daß
Christus für uns sündige und verlorene Menschen gelitten hat,
gekreuzigt, gestorben, begraben, am dritten Tage auferstanden,
gen Himmel gefahren ist und zur Rechten Gottes, des allmächti⸗
gen Vaters, sitzt, von dannen er kommen wird, zu richten die
Lebendigen und die Todten. Sie bekennt, daß der Heilige Geist

eine heilige christliche Kirche sammelt und erhält, daß die Sün⸗
den vergeben werden, daß es eine Auferstehung des Fleisches
und ein ewiges Leben gibt.

Aber —

Ja, jetzt kommt ein Aber.

Aber die römisch-katholische Kirche lehrt, daß man Maria
und andere verstorbene sogenannte Heilige anrufen, verehren,
anbeten, das Vertrauen auf sie setzen soll.

Gott sagt: „Du sollst anbeten Gott, deinen
HErrn, und ihm allein dienen“, Matth. 4, 10. Gott
läßt sein Volk sagen: „Bist du doch unser Vater. Denn
Abraham weiß von uns nicht, und Israel kennet
uns nicht. Du aber, HErr, bist unser Vater und
unser Erlöser; von Alters her ist das dein Name“,
Jes. 63, 16.

Aber die römisch-katholische Kirche lehrt, daß man Maria
und andere verstorbene sogenannte Heilige anrufen, verehren,
anbeten, das Vertrauen auf sie setzen soll.

Sie hat das immer gelehrt. Sie lehrt es heute noch. Vor
uns liegt eine römisch-katholische Zeitschrift vom October 1902,
in welcher auf unglaublich grobe Weise der Marien⸗ und Hei⸗
ligendienst gelehrt wird.

Die römisch-katholische Kirche lehrt also Abgötterei.

Und die römisch-katholische Kirche lehrt zwar, daß man, um

vor Gott gerecht und selig zu werden, glauben, das heißt, die

christlichen und kirchlichen Lehren für recht und wahr halten und
sich ihnen unterwerfen soll. Aber sie lehrt, daß man durchaus
nicht allein durch den Glauben vor Gott gerecht und selig wird;
sie lehrt, daß man erst dann vor Gott gerecht und selig wird,
wenn eigenes Werk und Verdienst zum Glauben hinzukommt.

Der Heilige Geist sagt: „Es ist hie kein Unterschied;
sie sindallzumal Sünder, und mangeln des Ruhms,
den sie an Gott haben sollten, und werden ohne
Verdienst gerecht aus seiner Gnade, durch die Er⸗
lösung, so durch Christum IEsum geschehen ist,
welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl,
durch den Glauben in seinem Blut.“ Und der Heilige
Geist lehrt die Christenheit sagen: „So halten wir es nun,
daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke,
allein durch den Glauben“, Röm. 3, 23—25. 28.

Aber die römisch-katholische Kirche verflucht feierlich und
öffentlich die Lehre, daß man vor Gott gerecht und selig wird
allein durch den Glauben und durch das Vertrauen auf die
Gnade Gottes und auf die Erlösung, so durch Christum IEsum
geschehen ist, ohne des Gesetzes Werke; sie lehrt, wie gesagt, im
Gegentheil, daß man erst dann vor Gott gerecht und selig wird,
wenn eigenes Werk und Verdienst zum Glauben hinzukommt.
In den Beschlüssen des Tridentinischen Concils, des Haupt⸗
bekenntnisses der römischen Kirche, heißt es ausdrücklich: „Wenn
jemand sagt, die Menschen werden gerechtfertigt entweder allein
durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi, oder allein durch
die Vergebung der Sünden, mit Ausschluß der Gnade und Liebe,
die in ihren Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen wird,
und ihnen innehaftet; oder auch, daß die Gnade, durch welche
wir gerechtfertigt werden, nur eine Gunst Gottes sei, der s
verflucht.“ Und abermals heißt es dort: „Wenn jema
sagt, der rechtfertigende Glaube sei nichts anderes als ein Ve

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