Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 136
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 136
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 5. Gebot 23 · Anhang 8 · Taufe 74
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erkennen will, ob eine bestimmte Lehre richtig ist, so nehme ich alle
die Bibelsprüche zur Hand, die von dieser Lehre handeln, die geben
mir Licht genug, und ich menge keine andern Sprüche ein, die von
dieser Lehre nichts sagen, sondern von ganz andern Dingen reden;
denn wenn ich das thäte, so würde ich bald die ganze Schrift, die ganze
christliche Lehre, um mit Luther zu reden, „in einen unendlichen und
ungewissen wüsten Haufen zusammenwerfen“. — Es wurde zuletzt noch
vereinbart, im Spätsommer des nächsten Jahres wieder eine freie Con⸗
ferenz abzuhalten, und zwar in Fort Wayne, Ind., und da die Schrift⸗
lehre von der Gnadenwahl zu besprechen. G. St.
Gleichzeitig mit der intersynodalen Conferenz in Detroit
fand auch eine Versammlung von Gliedern anderer lutherischer Syno⸗
den, nämlich des Generalconcils, der Generalsynode und der Ver⸗
einigten Synode des Südens, in Pittsburg, Pa., statt. Eine Reihe
von Vorträgen wurde gehalten, über die dann auch debattirt wurde;
doch handelten die meisten Vorträge nicht über die Lehre, und es ist
überhaupt nicht der Zweck dieser Conferenz, Einigkeit in der Lehre
zwischen den drei genannten Kirchenkörpern, die 45 einzelne Synoden
repräsentiren, zu erzielen, sondern, wie Prof. Dr. Jacobs vom theolo⸗
gischen Seminar des Generalconcils in der Eröffnungsansprache sagte,
„einander verstehen zu lernen; nicht vergangene Streitigkeiten wieder
aufzunehmen und als theologische Kämpfer zu fechten, bis die eine oder
die andere Seite sich als überwunden erkennt, sondern ruhig und leiden⸗
schaftslos von den großen zu Grunde liegenden Principien zu handeln,
die sich in unserm gemeinsamen Bekenntniß finden“. Die Haupt⸗
debatte rief ein Vortrag des Dr. J. A. W. Haas, des neuerwählten
Präsidenten des Mühlenberg⸗College in Allentown, Pa., hervor über
„die Stellung der lutherischen Kirche zur heiligen Schrift“. Aus dem
Bericht im Lutheran geht hervor, daß Dr. Haas nicht die altluthe⸗
rische, biblische Lehre von der Verbalinspiration, das heißt, der gött⸗
lichen Eingebung eines jeden Wortes der heiligen Schrift, bekannte,
sondern in modern⸗theologischer Weise die Schrift nur für die Ur⸗
kunde ansah, die Gottes Wort enthält, nicht Wort für Wort Gottes
Wort ist. Deshalb behauptete er auch, daß die Schrift nur in der
Heilswahrheit unfehlbar und irrthumslos sei, folglich in so⸗
genannten Nebendingen auch Irrthümer enthalten könnte. Und ob⸗
wohl ihm von einem Gliede der Conferenz widersprochen wurde, scheint
doch die Mehrzahl ihm zugestimmt zu haben. Thatsache ist, daß in neue⸗
ster Zeit auch andere Theologen des Generalconcils, wie Dr. Jacobs
und P. Stump, in Büchern und Zeitschriften die völlige Irrthums⸗
losigkeit und Unfehlbarkeit der heiligen Schrift preisgegeben haben,
und die Nummer des Lutheran, der wir diese Nachrichten entnehmen,
meint geradezu, daß die Frage, was Verbalinspiration sei und in
welchem Sinne sie geglaubt werden müsse, erst noch entschieden werden
müsse. So wird in den genannten Kreisen an diesem Hauptartikel
der biblisch⸗lutherischen Lehre von der heiligen Schrift gerüttelt, und
alle Entschuldigungen und Beschönigungen können dies nicht verhüllen.
Die Schrift zeugt von sich selbst: „Dein Wort ist nichts denn Wahr⸗
heit“, Ps. 119, 160. Alle Schrift, von Gott eingegeben“,
2 Tim. 3, 16. „Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche
menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der
Heilige Geist lehret“, 1 Cor. 2, 13. L. F.
Kindertaufe und Kinderreichthum. Aus den Kreisen der deut⸗
schen Baptisten, die die Kindertaufe verwerfen, kommt die Behauptung,
daß die Taufe an Kindern in unserm Lande immer weniger vollzogen
werde. Und viele Eltern, die ihre Kinder noch taufen ließen, thäten
dies nicht in der Ueberzeugung, daß die Schrift die Kindertaufe for⸗
dere, sondern weil sie nicht mit der alten Sitte brechen wollten. Da⸗
gegen bemerken Blätter anderer Kirchengemeinschaften, daß die Ursache
der geringer werdenden Zahl von Kindertaufen nicht hauptsächlich
darin liege, daß man die Kindertaufe für schriftwidrig halte oder doch
dern der Hauptgrund des Rückgangs sei der, daß es überhaupt
ger Kinder gebe, die getauft werden könnten. Und daß dies der
ist, weiß jeder, der die Augen offen hält, zumal diese Sache auch, s
dem Präsident Roosevelt sein bekanntes Wort von race suicide“
geredet hat, fortwährend in der Presse behandelt und durch statistische
Erhebungen genauer festgestellt wird. Besonders die großen und vor⸗
nehmen städtischen Gemeinden sind arm an Kindern, zum Theil fast
kinderlos. Erst vor Kurzem theilte ein presbyterianisches Blatt mit,
daß im letzten Jahre in der großen und reichen Presbyterianerkirche
an der 5. Avenue in New Vork, die 1775 communicirende Glieder
zählt, nur sechs Kinder getauft worden seien, und in einer and
Kirche, die 805 Glieder zählt, nur drei. In der letzten Nummer
Independent finden sich zwei ausführliche Artikel über die überhand⸗
nehmende Kinderlosigkeit, deren einer als Ueberschrift die Frage stellt:
„Ist die kleine Familie das americanische Ideal geworden?“
Nachfragen bei Hausbewohnern, Hausbesitzern und Aerzten hat die
Schreiberin ein reiches statistisches Material über die Stadt New ork
gesammelt, hat zum Beispiel sich bei 485 in besseren Verhältnissen
lebenden Familien erkundigt und in diesen allen nur 54 Kinder gefun⸗
den, durchschnittlich ein Kind auf 9 Familien. Viele Hausbesitzer
nehmen grundsätzlich keine Miethsleute auf, die überhaupt ein Kit
haben, und von den 38 Aerzten, die die Schreiberin befragt hat,
sprachen es 30 als ihre Meinung aus, daß die ideale americanische
Familie aus zwei Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, be⸗
stehe; 6 beschränkten die Zahl auf ein Kind, und einer meinte, da
Ideal sei, überhaupt keine Kinder zu haben. Kinderreiche Familier
würden verachtet und verspottet. Dagegen wendet sich aber der Re⸗
dacteur des Independent und führt in einem besonderen zweiten Ar
tikel aus, daß eine große Familie etwas Schönes ist, der Selbstsucht
und Genußsucht wehrt und den Eltern im Alter reichen Segen bringt.
— Die Schrift sagt: „Kinder sind eine Gabe des HErrn, und Leibes⸗
frucht ist ein Geschenk. Wie die Pfeile in der Hand eines Starken,
also gerathen die jungen Knaben. Wohl dem, der seinen Köcher der
selben voll hat“, Ps. 127, 3. ff. Daß das Bestreben, eine möglichst
kleine Familie zu haben und die Naturordnung Gottes zu verkehren,
oft zu scheußlichen Sünden und Schanden führt, ist bekannt genug
Und daß auch in unsern Kreisen die kinderreichen Familien seltener wer⸗
den, daß die Zahl der Getauften, der Schulkinder und der Confirmir
ten nicht gleichen Schritt hält mit dem Wachsthum der Synode, zeigen
immer wieder auch die Angaben des „Statistischen Jahrbuchs“, und
ist eine Thatsache, über die einmal bei anderer Gelegenheit beson
gehandelt werden soll. L. F.
Die Mormonen, auf die seit einigen Monaten in Folge
bekannten Senatsuntersuchung die Aufmerksamkeit des ganzen Lan
gerichtet worden ist, haben wieder von sich hören lassen. Am 6. A
hat ihr Präsident, Joseph F. Smith, der seinem eigenen Geständni
zufolge fünf Frauen hat, aufs neue ein Gebot gegen die Vielwei
ergehen lassen und jeden, der eine zweite Frau nimmt oder eine solche
Trauung vollzieht, mit Ausschluß aus ihrer Gemeinschaft bedroht.
Das war zwar schon in dem Manifest des Mormonenpräsidenten
Woodruff vom Jahre 1890 mit Berufung auf das Landesgesetz
fohlen, aber die genannte Untersuchung hat gezeigt, daß man sich m
äußerlich darnach gerichtet hat. Die ganze Mormonengemeinschaft
hat nun durch ihre Vertreter dieses Gebot ihres Präsidenten zu dem
ihrigen gemacht, aber dasselbe war auch schon im Jahre 1890 ge⸗
schehen und hat doch nur äußerlich die Vielweiberei gehindert. W
sie, ohne Aufsehen zu erregen, ins Werk gesetzt werden kann, geschieh
es. Dies kann nicht Wunder nehmen, da die Vielweiberei ein Stu
der Mormonenreligion ist und die Lehren ihrer früheren Lügen
propheten darüber nie widerrufen sind. Die Mormonen halten au
gering schätze, obwohl dies auch mancherorts der Fall sein .
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