Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 132
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 132
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeinſchaft 3 · Gemeinſchaft 5 · Jugend 5 · Welt 8
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Welt wird niemals das Christenthum für ein kostbares Gut halten
lernen, wenn die Christen selbst lieber mit Ungläubigen als mit
ihren Brüdern und Schwestern verkehren.
Solcher Verkehr mit der Welt sollte aber auch wegen der
damit verbundenen Seelengefahr nicht gepflogen werden.
Bei einem solchen Verkehr kann niemand beten: „Führe uns nicht
in Versuchung“, denn man begibt sich da ja selbst in die Ver⸗
suchung hinein, und das deutsche Sprüchwort: „Sage mir, mit
wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist“, hat eine
gewisse Berechtigung. Desgleichen auch das andere Sprüchwort:
„Wer Pech angreift, besudelt sich.“ ů
Umgang und Verkehr sollen die Christen allerdings
pflegen, aber nicht mit den Ungläubigen und Weltkindern, son⸗
dern unter einander. Was kann es auch Lieblicheres
geben als einen solchen Verkehr? Die Christen sind ja durch die
innigsten Bande mit einander verbunden, die es auf Erden geben
kann. Sie sind Glieder Eines Leibes, dessen Haupt Christus
ist; sie sind Bürger Einer Stadt, nämlich der Vaterstadt Gottes
im Himmel; sie sind Reisegefährten der gleichen Pilgrimschaft
auf Erden; sie haben Einen Vater im Himmel und sind unter
einander Brüder und Schwestern. Sie haben gemeinsame In⸗
teressen und ein gemeinsames Ziel vor Augen. Ein Verkehr der
Christen unter einander ist daher auch etwas ganz Natürliches.
Sie sind in ihren Gesprächen keineswegs auf die Dinge des all⸗
täglichen Lebens beschränkt, sondern sie können auch mit einander
reden von den Dingen, die sie am meisten bewegen, die ihnen
die köstlichsten sein sollten, nämlich von ihrem Glauben, vom
Wohl und Wehe ihrer Ortsgemeinde und des Reiches Gottes im
Ganzen, vom Werke der Mission und von den Liebeswerken der
Christen. Von einem solchen Verkehr haben die Christen auch
einen thatsächlichen Gewinn. Gott hat die Gaben verschieden
ausgetheilt. Auch im Verkehr unter einander sollen sich die Gaben
erzeigen zum gemeinen Nutzen. Berichten zum Beispiel ältere Chri⸗
sten aus den reichen Erfahrungen ihres Christenlebens, so haben
ihre Zuhörer gewiß einen großen Segen davon. Kurz, der Segen
einer rechten christlichen Gemeinschaft ist ein überaus großer.
Auf einen Punkt in Bezug auf den Verkehr meine ich aber
hier noch besonders hinweisen zu müssen. Das ist der Verkehr
unserer Jugend. Unsere Kinder haben freilich vor den Kindern
der Weltleute, ja, auch vor denen der meisten andern Kirchen⸗
gemeinschaften einen unvergleichlich großen Vortheil, nämlich
den Unterricht in unserntchristlichen Gemeindeschulen. Während
jenen schon in der Schule die falsche Weisheit dieser Welt und
der verkehrte Grundsatz eingeprägt wird: „Thue recht und scheue
niemand“, so lernen unsere Kinder von früher Jugend an den
rechten Weg zur Seligkeit. Während jene meist von ungläubigen
oder falschgläubigen Lehrern unterrichtet werden, so sind unsere
Kinder in den Händen von Lehrern, die unsere Glaubensgenossen,
unsere Brüder sind, denen wir sie getrost anvertrauen können.
Während jene gewärtig sein müssen, in der öffentlichen Schule
mit Juden und Ungläubigen umzugehen, so sind die Genossen
unserer Kinder in der Schule auch Christenkinder. Trotzdem ist
es unmöglich, sie von ungläubigen und falschgläubigen Kindern
gänzlich abzuschließen. Sie kommen mit den Nachbarkindern zu⸗
sammen und treffen zuerst bei den Spielen oder später bei der
Arbeit mit den Kindern Ungläubiger zusammen. Und sie haben
auch das böse Fleisch an sich, das sich gegen die Lehren des
Christenthums auflehnt. Gerade bei der Jugend geschieht es
darum gar leicht, daß materialistische Anschauungen, die dem
Fleische wohlgefallen, im Herzen Eingang finden. Deshalb liegt
in einem freundschaftlichen Verkehr der Kinder und der heran⸗
wachsenden Jugend mit ungläubigen Altersgenossen eine um so
größere Gefahr. Es ist daher die heilige Pflicht aller Eltern,
auf den Verkehr ihrer Kinder, auch wenn diese herangewachsen
sind, ein aufmerksames, wachsames Auge zu haben und mit allen
ihnen zu Gebote stehenden Mitteln sie von einem vertrauten Um⸗
gange mit weltlichgesinnten Jünglingen und Jungfrauen zurück⸗
zuhalten. Leider zeigen gar viele Beispiele, sonderlich in unsern
großen Städten, welch unselige Früchte ein solcher Umgang un⸗
serer Jugend mit Weltkindern bringt. Möchten wir doch die
hierin liegende Gefahr ja nicht unterschätzen und, wenn Gott der
HErr uns Kinder geschenkt hat, an diesen unsers Elternamtes
auch treulich warten. Gerade die materialistischen Anschauungen
sind es, deren sich der Teufel in unserer Zeit so gern bedient, um
uns zum Abfall zu bewegen. Es ist aber gewiß ein schlauer Griff
von ihm, diese Lehren durch freundschaftlichen Umgang und Ver⸗
kehr in die Christenherzen hineinzubringen. R. v. N.
Unsere ostindische Mission.
Weihnachtsfeier auf Missionar Mohns Missionsgebiet.“)
Das diesjährige Weihnachtsfest bildete einen Höhepunkt in
unserer Missionsarbeit. Die Feier desselben begann am heili⸗
gen Abend in der hiesigen Amburschule. Meine Lehrer hatten
sie schön geschmückt, und sie war so dicht besetzt von Kindern und
Erwachsenen, daß sie dicht gedrängt an einander saßen. Zum
Beginn unserer Feier sang der Lehrer Devarokkam mit seinen
Schulkindern ein tamulisches Weihnachtslied, das er auf der ihm
vor nicht langer Zeit von lieben Missionsfreunden in Deutschland
geschenkten Geige begleitete. Nach einem Eingangsgebet, Ver⸗
lesung des Weihnachtsevangeliums und dem gemeinsamen Ge⸗
sange der Weihnachtslieder: „O du fröhliche“, „Ihr Kinderlein,
kommet“ und „Herbei, o ihr Gläubigen“ legte ich den Kindern
und Erwachsenen die Worte des Engels aus: „Fürchtet euch
nicht“ ꝛc., indem ich ihnen zeigte, daß wir um der Sünde willen
in ständiger Todesfurcht schweben müssen, daß wir aber durch
die Geburt Christi von solcher Furcht erlöst sind, da er eben durch
seine Geburt uns die Pforten des Paradieses und ewigen Lebens
eröffnet hat. Diese Freude gilt nicht nur den Hirten, nicht nur
den Christen, sondern auch den Heiden. Denn Gott läßt uns ja
durch den Engel sagen, daß diese Freude allem Volk widerfah⸗
ren soll, da der Heiland für alle geboren ist. Darum sollen wir
alle nicht im Schatten der Sünde und des Todes sitzen bleiben,
sondern zum hellen Lichte unsers Heilandes kommen und unsere
Herzen mit unvergänglicher Freude erfüllen lassen. — Unter laut⸗
loser Stille hörten alle, Kinder und Erwachsene, zu. Und das
will bei mehr als 50 Pariakindern und über 30 Erwachsenen
etwas sagen. Ich habe hier noch keine auch äußerlich so würdige
Weihnachtsfeier erlebt.
Hierauf erfolgte die Vertheilung der kleinen Geschenke an
die Kinder und unsere Leute. Das schöne Transparent, das
) Dieser Artikel ist schon länger in unsern Händen, konnte aber wegen
Mangels an Raum nicht früher gebracht werden. Die Redaction.
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