Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 134

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 134

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Paſtor

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die unvergängliche Weihnachtsfreude zu genießen, gilt es, mit
den Hirten das Kindlein im Stalle zu Bethlehem eilends zu be⸗
sehen — mit Glaubensaugen, denn mit irdischen Augen es zu
sehen bringt wenig Nutzen —, vor allem seine Armuth, durch
welche es uns reich macht und himmlischen Reichthum bringt,
seine Liebe zu uns armen Sündern und seine allmächtige Gott⸗
heit, von der die engelischen Heerschaaren, seine Diener, zeugen
und vermöge deren er uns helfen kann an Leib und Seele. So⸗
dann gilt es, von ihm zu zeugen, wie die Hirten von ihm zeugten.
Wer von ihm schweigt und ihn verleugnet, von dem weicht die
Weihnachtsfreude. Mit Maria sollen wir die Weihnachtsbot—
schaft in unsern Herzen bewegen. Unser Herz soll darin leben.
So werden wir auch endlich mit den Hirten Gott preisen hier auf
Erden mit Herzen, Mund und Wandel und endlich im seligen
Lichte der Ewigkeit, wo die Freude uns ganz durchdringen und
erfüllen wird, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen
und ewig bei ihm bleiben und wohnen werden.
F. Mohn.

Die Ausbildung von Lehrern und Predigern.

Ueber dieses wichtige Geschäft der christlichen Kirche heißt
es in der Synodalrede des Ehrw. Präses des Mittleren Districts:

In der Ausbildung und Aussendung von Männern, die aus⸗

gerüstet sind, dies herrliche Amt (das Predigtamt) in gottgewollter
Weise zu führen, soll die Kirche allezeit den größten Ernst und
Eifer beweisen. Auf dies Werk soll sie allezeit alle Mühe und
Arbeit verwenden. Denn wie es mit dem Predigtamt in der
Kirche steht, so steht es auch mit der Kirche selbst. Ist es mit dem
Predigtamt schlecht bestellt, sind die ausgesandten Boten nicht
befähigt, das wichtige Amt in rechter Weise zu verwalten, oder
fehlt und mangelt es an genügend ausgerüsteten Boten des
Evangeliums, so muß die Kirche Schaden leiden und unsterbliche
Seelen müssen in ihrem geistlichen und leiblichen Elend unrett⸗
bar verloren sein.

Wie steht es nun in dieser Beziehung in unserm Synodal⸗
verband? Was zuerst die Ausbildung der jungen Männer an⸗
langt, die das verantwortliche Amt in Kirche und Schule in
unserer Gemeinschaft übernehmen, so müssen wir zur Ehre unsers
Gottes bekennen, daß sie wohl ausgerüstet sind zur Ausrichtung
ihres herrlichen Berufs. Sie sind im Stande, das Wort Gottes
rein, vollständig und geordnet zu predigen. Sie sind befähigt,
das Wort Gottes auch recht zu theilen und als treue und kluge
Haushalter jedem zu rechter Zeit seine Gebühr zu geben. Sie
sind auch in den Stand gesetzt, die ihnen anvertraute Heerde
gegen falsche Lehrer zu vertheidigen und mit der Waffe des
Wortes Gottes den Irrthum siegreich zu bekämpfen. Endlich
haben sie auch herrschender Weise die rechte Gesinnung, sind
genügsam und aufopfernd und erfüllt mit Eifer, die ihnen an⸗
vertraute Heerde zum Genuß der durch den Sohn Gottes er—
worbenen Erlösung zu bringen. Das wollen wir zur Ehre unsers
Gottes bekennen und rühmen. Denn das ist eine unverdiente
Gnade unsers Gottes und eine Erscheinung, die in der Geschichte
der Kirche eine Seltenheit ist.

Allein, so viel Ursache wir haben, uns über die Ausbildung
derer zu freuen, die die selige Arbeit des hohen Amtes in Kirche

und Schule in unserm Verband übernehmen, so viel Ursache
haben wir, die Augen beschämt niederzuschlagen, wenn wir auf
die Zahl der Arbeiter sehen, die uns alljährlich zur Verfügung
steht. Seit mehreren Jahren konnte bei der alljährlichen so⸗
genannten Vertheilung der Candidaten für Kirchen- und Schul⸗
amt eine große Anzahl von eingelaufenen Berufen nicht berück⸗
sichtigt werden, weil die Zahl der verfügbaren Candidaten so
klein war. Aus dem Norden und Süden, aus dem Osten und
Westen unsers Landes, aus der Inneren Mission, der Neger⸗
mission, der Heidenmission und der Taubstummenmission, aus
Deutschland, England und Dänemark, aus Brasilien, Australien
und Neuseeland kamen dringende Bittgesuche um Prediger und
Lehrer mit dem reinen Evangelium, der alten unverfälschten
Lutherlehre, aber zum großen Theil konnte den Gesuchen nicht
willfahrt werden, weil es an Männern fehlte, die gesandt werden
konnten. Nach dem Brod und Wasser des Lebens hungernde
und dürstende Seelen riefen: Kommt und helft uns in unserm
Elend! und in vielen Fällen mußte ihnen geantwortet werden:
Wir können nicht; es fehlt uns an Boten, die wir senden können.
Das ist der Stand der Dinge in unserer Synode. Es
mangelt unter uns in handgreiflicher Weise an Predigern und
Lehrern, die wir aussenden können, unsterbliche Seelen vom
ewigen Tod zu erretten. Woran liegt das? Der Grund dieser
traurigen Thatsache ist nicht schwer zu erkennen. Es ist dieser;
Die Zahl der auf unsern Lehranstalten Studirenden hat nicht
Schritt gehalten mit dem Wachsthum unserer Synode. Ja, in
einem Fall liegt sogar ein merklicher Rückschritt vor. Sehen
wir einmal-unsern Mittleren Distriet an. Schon vor Jahren
hatten wir 100 und mehr Schüler auf unserm Gymnasium in
Fort Wayne, Ind.; im letzten Jahre hatten wir genau 60.
Was sollen wir Angesichts dieser ernsten und bedenklichen
Sachlage thun? Wir müssen ohne Verzug und mit Ernst und
Ausdauer daran gehen, eine größere Zahl Schüler für unsere
Lehranstalten zu gewinnen. Und gerade in unserm Distriet muß
das geschehen. Wir haben durch Gottes Gnade eine schöne Zahl
guter Gemeindeschulen, in denen sich ohne Zweifel viele fromme
Knaben mit den nöthigen Gaben zum Studium finden. Sollte
es nicht möglich sein, diesen und jenen jungen Christen zu be⸗
wegen, sich zum Predigt- oder Schulamt in den Dienst des HErrn
aller Herren zu stellen? Stellen wir nur die große geistliche Noth
mit eindringlichen Worten unsern lieben Christen immer wieder
vor. Rühmen wir nur getrost das Amt, durch welches das Reich
der Finsterniß zerstört und der Himmel aufgethan wird, wodurch
unsterbliche, durch Gottes Blut theuer erkaufte Seelen aus dem
Rachen der Hölle gerissen, aus dem ewigen Verderben errettet,
zu Gott zurückgeführt und ewig selig gemacht werden. Rufen
wir nur den Vätern und Müttern solcher jungen Christen ohne
Zagen zu: „Der HErr bedarf ihrer.“ Was gilt's, sie werden
dem HErrn ihre Söhne lassen.
So weit die Synodalrede, die Herr Präses Niemann zur Er
öffnung der letztjährigen Synode des Mittleren Districts verlas.
Im Herbst des letzten Jahres hat sich nun die Zahl der Schüler a
dem Mittleren District schon beträchtlich gemehrt. Fort Way
hat letztes Jahr 73 neue Schüler aufgenommen. Gott wird
Gnaden weiter helfen, wenn wir die Pflicht der Kirche, für
Ausbildung von Lehrern und Predigern zu sorgen, treu und flei
und unablässig aus Gottes Wort einschärfen. F. P.

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