Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 139

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 139

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Reine Lehre

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A.

Der V.„Tuthieranenes

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Im Geringsten tren.

Ein armer, lahmer, schwachsinniger Mann hatte seine Beschäf⸗
ung in einem engen, heißen Zimmer, wo er zwölf Stunden täglich
3 Sattlergehülfe nähen mußte. Er hatte sagen hören, daß auch die
wöhnlichste Arbeit zu einem rechten Gottesdienst werden kann, und
tte die Bedeutung dieser Worte kaum fassen können. Eines Tages
ickte er zum Fenster hinaus, und siehe, ein wildes Pferd raste daher,
inen Wagen ziehend, in welchem eine vor Schrecken blasse Frau mit

ücklich die Zäume und hielt, trotzdem er mitgeschleift wurde, so lange

st, bis das Pferd ermüdet stand, und Mutter und Kind gerettet
waren. Da stieg der Gedanke im Sinne des armen Gesellen auf: Wie,
wenn die Zäume an jenem Pferd nicht gut genäht gewesen wären oder
schlechter Zwirn gebraucht worden wäre? Dann hätte der Riemen
von dem Gewicht des Mannes reißen müssen und drei Menschen
wären unglücklich geworden. Wer weiß, ob ich nicht jene Zäume so
zusammengeheftet habe? Durchdrungen von diesem Gedanken, voll⸗
führte er forthin seine Arbeit mit besonderem Fleiß und hingeben⸗
der Treue.

ihrem Kinde sich befand. Ein Mann sprang vom Seitenweg, erfaßte

* den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der
ihn gesandt hat.“ Joh. 5, 23.

Der rechtgläubige Bischof Amphilochius von Lykaonien hatte dem

schristlichen Kaiser Theodosius dem Großen (1 395) schon oft vorge⸗
halten, daß er gegen die Leugner der Gottheit Christi, die Arianer, so
gleichgültig sei und sie falschen Gottesdienst in der Kirche halten lasse.
Er bekam aber stets abschlägige Antwort. Da beschloß er, den Kaiser
auf eine andere Weise zu gewinnen. Als er nämlich bald darauf in
den kaiserlichen Palast kam, that er dem Kaiser die gewöhnliche Ehren⸗
bezeugung; allein des Kaisers Sohn, dem Arcadius, der kurz vorher
zum Mitregenten und künftigen Thronfolger erwählt worden war,
that er keine Ehre, sondern ging zu ihm, klopfte ihn freundlich auf den
Kopf und sagte: „Gott grüße dich auch, mein Sohn!“ Der Kaiser
Theodosius meinte zuerst, Amphilochius kenne die Hofmanier nicht
und thue dies aus Einfalt, ließ ihn auch erinnern, er solle doch dem
neuerwählten Kaiser gebührende Huldigung und Achtung erweisen.
Als aber Amphilochius antwortete, solchem Knaben dürfe man nicht
anders kommen, wurde der Kaiser zornig, ließ dem Bischof die Thüre
weisen und sagte, er solle heimgehen und bessere Aufführung lernen.
Als nun Amphilochius nach diesem Befehle von den Dienern hinaus⸗
geführt wurde, kehrte er sich an der Thür noch einmal um und sagte:
„Liebster Kaiser, du kannst nicht einen leiden, der deinem Sohne nicht
die gebührende Ehre erweist, und kannst doch so viele Tausende leiden,
die dem Sohne Gottes die gebührende Ehre abschneiden? Geht dir
der deinem Sohne erwiesene Schimpf so nahe, und bist doch nur ein
ensch: was meinest du, wie nahe muß es dem allmächtigen Gott
einetwegen gehen, daß du die Ehrenschänder seines eingeborenen
ohnes wie giftige Nattern in deinem Busen hegst.“ Darüber ging
er Kaiser in sich, rief ihn freundlich zurück und ertheilte ihm eine
mädige Zusicherung, daß er hinfort solche falsche Lehre in der Kirche
icht dulden wolle.

ei Testamente eines Fürsten aus verschiedener Zeit.

Churfürst Friedrich dem Weisen gibt Lutherus in der Leichen⸗
igt, die er ihm gehalten, das Lob, daß er ein sonderlicher Lieb⸗
des heiligen Wortes gewesen, viel darüber erlitten, auch seinen
n an seinem letzten Ende mit viel schönen Reden und Worten

ihn wie seinen Vater.

bewiesen habe. Die große Veränderung, welche durch den aus Lutheri
Büchern und Briefen geschöpften Unterricht in dem Verstande und
Herzen dieses Herrn vorgegangen, kann man nicht deutlicher erkennen
als aus dem verschiedenen Inhalt seiner zwei Testamente, die er ge⸗
macht. Das erste war den 4. October 1517 (und also noch vorher, ehe
Luther auf den Kampfplatz hervorgetreten) verfertigt. Darin befahl
er seine Seele nicht nur dem dreieinigen Gott, sondern auch der Für⸗
bitte der Mutter Gottes, St. Bartholomäi, seines Patrons, seines
Schutzengels und aller Heiligen und ordnete, daß man einen ganzen
Monat täglich 50 Seelmessen für ihn sollte halten und alle Wochen
ein Seelbad für die Armen ꝛc. In seinem letzten Testament aber,
welches er 1525 auf seinem Todtenbette dietiret, wurde von diesem allen
nichts gedacht, sondern er fing dasselbe sehr beweglich also an: „Erst⸗
lich bitte ich den allmächtigen Gott durch das heilige und einige Ver⸗
dienst seines lieben Sohnes, daß er mir alle meine Sünden und Ge⸗
brechen vergeben wolle; denn ich nicht zweifele, daß ich durch das theure
Blut meines allerliebsten HErrn und Heilandes IEsu Christi erlöset sei.
Demnach befehle ich meine Seele, sie seliglich zu behalten, seiner uner⸗
forschlichen, ewigen und unendlichen Gnade und Barmherzigkeit und
in seine allmächtigen Hände. Ich vergebe auch allen, die mir was zu
Leide gethan, bitte dagegen alle um Gottes willen, daß sie mir um
Gottes willen und aus christlicher Liebe von Herzen alles, was ich
ihnen zu Leid gethan, verzeihen wollen.“ (J. J. Rambach.)

Wie theuer ist die reine Lehre?

Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg (geboren 1497) war
einer der Fürsten, welche auf dem Reichstag zu Augsburg die Augs⸗
burgische Confession unterschrieben. Er hatte sich von der Stadt Augs⸗
burg einen gelehrten Theologen, Dr. Urban Rhegius, auf zwei Jahre
erbeten, um Kirchen und Klöster in seinem Lande zu reformiren und
die evangelische Lehre daselbst zu befestigen, machte ihn auch zu seinem
Hofprediger und Generalsuperintendenten des Fürstenthums und liebte
Als seine Hofleute nach seiner Rückkehr vom
Reichstag ihn fragten, was er wohl Neues und Kostbares von Augs⸗
burg mitgebracht habe, antwortete er: „Einen unvergleichlichen Schatz
für das ganze Fürstenthum, einen Mann von großer Gelehrsamkeit
und Treue, den ich höher achte als aller Fürsten Kostbarkeiten. All
das Geld und die Unkosten, so auf die schwere Reise gegangen sind,
gereuen mich nicht, weil ich diesen vornehmen, theuren Mann daselbst
bekommen.“ Nach zwei Jahren wurde Rhegius nach Augsburg zurück⸗
berufen, aber der Herzog wollte ihn nicht ziehen lassen, sondern zeigte
auf seine Augen und sprach: „Ich weiß nicht, ob ich lieber ein Auge
oder Urbanum Rhegium missen möchte. Habe ich doch zwei Augen,
aber nur Einen Rhegium.“ — „Lieber Herr“, sprach er darauf zu
diesem, „bleibet bei uns; Ihr möget wohl Leute finden, die Euch mehr
Geld geben, aber Ihr könnt keine solchen Zuhörer finden, die Eure
Predigten lieber hören denn ich.“

Ein Bekenntniß.

Der im Jahre 1772 wegen Majestätsverbrechens hingerichtete
dänische Minister Struensee, ein deutscher Pfarrerssohn aus Halle,
bekam in den letzten Wochen vor seiner Hinrichtung als Gefangener
die Erlaubniß zum Schreiben und benutzte diese, um der Nachwelt
etwas von seiner Bekehrung mitzutheilen. Er hielt das für seine
Pflicht Gott und Menschen gegenüber. Mit einem Bekenntniß fängt
er an, welches Tausende, um nicht zu sagen Millionen, auch heute
noch ablegen müßten, wenn sie nicht in völliger Gedankenlosigkeit
dahinlebten. „Mein Unglaube“, schreibt Struensee, „und meine Ab⸗

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