Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 140
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140 8 Der V„Tutfieranesse
neigung gegen die Religion sind ebensowenig auf eine genaue Unter⸗
suchung der Wahrheit derselben als auf eine regelmäßige Prüfung der
Zweifel, so man gegen dieselbe macht, gegründet gewesen. Sie sind
entstanden, wie es wohl in den meisten Fällen geschieht: allgemeine
und seichte Kenntniß von der Religion auf der einen Seite, und auf
der andern viele Neigung, die Vorschriften derselben nicht befolgen zu
dürfen, verbunden mit einer großen Bereitwilligkeit, alle Zweifel an⸗
zunehmen, welche ich gegen dieselbe fand. Mein Wille war, wo nicht
fest entschlossen, doch heimlich sehr geneigt, meinen Glauben so zu be⸗
stimmen, daß ich nicht genöthigt sein möchte, meine Lieblingsneigungen
dabei aufzuopfern.“
Zeichen der Zeit.
Kürzlich las ich: „Warum opfern die Menschen unserer Tage
den besten Theil ihrer Kraft und ihre ganze Energie dem Erwerb auf?
Ist der Erwerb der Zweck des Lebens? Warum verbittern sie einander
das Dasein in dem rastlosen Kampfe um die Tische des Lebens? Ist
der materielle Genuß der Zweck ihres Lebens? Warum sammeln sie
Vermögen an, die sie nicht aufbrauchen können, und entziehen andern
das, was diese nothwendig haben müssen? Ist der Besitz der Zweck
des Lebens? Warum führen sie Kriege mit einander, rauben Länder
und unterdrücken fremde Völker, die ihnen nie zu nahe getreten sind?
Warum belügen und betrügen sie sich gegenseitig? Warum hasten,
rennen, jagen sie durchs Leben, als ob der Zweck des Lebens ein Wett⸗
rennen wäre?“ — Und die Antwort auf all diese Fragen? Die Welt
liegt im Argen.
irdisch gesinnt, entfremdet von Gott. Er hat Lust zur Sünde und
hängt mit allen Fasern seines Daseins an dieser Welt. Darin sucht
er sein Glück, seine Befriedigung, seine Genüge. Erst wenn der
Mensch durch Gottes Gnade wahrhaft bekehrt ist, lernt er die Welt
und die Dinge dieser Welt mit andern Augen ansehen. Er lebt wohl
in der Welt, aber er ist nicht von der Welt. Sein Sinnen und
Trachten ist nicht mehr auf das Irdische, sondern auf das Himmlische
gerichtet. Und das zeigt sich in einem Wandel, der das gerade Ge⸗
gentheil ist von dem der verderbten und ungläubigen Welt.
*., F . ie: .
Todesanzeigen.
Im jugendlichen Alter von 23 Jahren, 1 Monat und 21 Tagen
starb im Glauben an seinen Heiland P. Hugo Bischoff. Derselbe
war im August 1902, nachdem er seine Studien in unserm Seminar
zu St. Louis vollendet hatte, als Pastor der Gemeinden bei Wausa
und in Osmond, Nebr., eingeführt worden, sah sich jedoch genöthigt,
schon zu Ostern des folgenden Jahres sein Amt niederzulegen, da er
an der Schwindsucht erkrankt war. Obwohl er sich, Genesung suchend,
längere Zeit in Denver und Colorado Springs, Colo., aufhielt, ver⸗
schlimmerte sich sein Leiden doch je länger je mehr. Der HErr hatte
in seinem wunderbaren Rathe beschlossen, diesen jugendlichen Arbeiter
in seinem Weinberge schon nach kaum begonnener Arbeit zum ewigen
Feierabend zu rufen und ihm seinen Gnadenlohn zu geben. Todes⸗
krank und siech kehrte er unter Gottes gnädigem Schutze in das ge⸗
liebte Elternhaus nach Fort Wayne, Ind., zurück, aber schon nach
wenigen Tagen, am 2. März, rief ihn der HErr heim. Seine ver⸗
blichene Hülle wurde am 4. März, nach einem Trauergottesdienste, der
von dem Unterzeichneten im Hause abgehalten wurde, christlich zur
Erde bestattet. Aug. Lange.
P. Ludwig Jakob Huber, welcher vor etwa zwei Jahren
krankheitshalber sein Amt (in Medford, Oreg.) niederlegen mußte und
seither in der Nähe von Los Angeles, Cal., wohnte, ist am 5. April
Der natürliche Mensch ist ganz und gar verderbt,
in einem Alter von 57 Jahren und 23 Tagen durch einen seligen Tod
eingegangen in die Ruhe, die noch vorhanden ist dem Volke Gottes,
und am 7. April in Colegrove christlich beerdigt worden. Gott tröste
die Hinterbliebenen mit seinem göttlichen Trost!
Geo. Runkel.
Es hat Gott gefallen, zur himmlischen Herrlichkeitz ahglirufen
P. em. J. A. Hügli in Detroit, Mich. Er starb am 12ʃApril kurz
vor Mitternacht im Alter von 73 Jahren, 2 Monaten und 19 Tagen.
Am 15. April wurde seine Leiche in die Kirche der St. Trinitatis⸗
Gemeinde, deren Pastor der Entschlafene über 40 Jahre gewesen ist, ge⸗
bracht, wo sie aufgebahrt stehen blieb bis zum Begräbniß am 16. April.
Der Verstorbene hinterläßt seine betrübte Wittwe, 3 Söhne, 5 Töchter
und 22 Enkel. Möge das Wort, welches der Heimgegangene in den
vielen Jahren seiner Amtswirksamkeit gepredigt hat, auch noch nach
seinem Tode viel Frucht schaffen zum ewigen Leben!
H. C. F. Otte.
Am 13. April starb im Glauben an seinen Heiland Karl De⸗
karske, Student der Theologie aus St. Louis, Mo., an Herzschwäche
im Alter von 20 Jahren. Er stammte aus Potter, Wis., und war vor
einigen Monaten wegen eines Lungenleidens nach Denver, Colo., ge⸗
kommen. J. F. S. Her.
NUene Drucksachen.
Achtunddreißigster Synodalbericht des Mittleren Districts der
deutschen ev.⸗luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St.
1903. St. Louis, Mo. Concordia Publishing House.
72 Seiten 946. Preis: 15 Cts.
Die Synodalrede erinnert an die Thatsache, daß es unter uns „in hand⸗
greiflicher Weise an Predigern und Lehrern mangelt, die wir aussenden
können, unsterbliche Seelen vom ewigen Tod zu erretten“, und ist ihrem 13—
inhalt nach eine herzliche und dringende Ermunterung, daß wir als kirchlich
Körperschaft in der Ausbildung von Lehrern und Predigern noch größer
Eifer beweisen müssen als bisher. Das Synodalreferat hat zum Gegenstand
„Die englische Frage“ oder „Die Pflichten einer deutschen christlichen Orts⸗
gemeinde gegen ihre sich anglisirenden Glieder“. Das Referat geht von der
Thatsache aus, „daß in vielen Familien unserer deutsch⸗lutherischen Gemein⸗
den ein Sprachenwechsel vom Deutschen zum Englischen sich anbahnt, be⸗
ziehungsweise sich schon vollzogen hat“. Es schärft sodann aus Gottes Wort
die Pflicht ein, allen alles zu werden auch in sprachlicher Beziehung, das heißt,
den englisch gewordenen Gliedern Gottes Wort in englischer Sprache zu
bieten. Was über die beste Art und Weise der Ausführung gesagt ist, ist nur
zur Prüfung dargeboten. Z. B., ob deutsch englische Gemeinden einzurichten
oder besondere englische Gemeinden zu bilden seien, wird sich nach den ört⸗
lichen Umständen richten. Der Bericht zieht die erstere Weise vor, drückt sich
aber vorsichtig so aus: „Rufen wir, der Regel nach, keine Gemeinden
ins Leben, welche nur englisch arbeiten.“ Ueber die „Innere Mission“ des
Districts heißt es im Bericht der Commission: „Zwar ist die Mission unsers
Districts nicht so groß und erfolgreich wie die mancher andern Districte, jedoch
ist sie groß und erfolgreich genug, um Gott herzlich zu loben und zu danken
für den Segen, womit er sie gekrönt hat. Durch den Dienst unserer Mission
sind im Laufe der Jahre 13 Gemeinden selbständig geworden, die nun da⸗
stehen als durch uns gepflanzte oder gepflegte Lebensbäume.“ F. P.
Schulpredigt, gehalten in der ev.⸗luth. St. Lucas⸗Kirche zu Mil⸗
waukee, Wis., von B. P. Nommensen, ev.⸗luth. Paftr
16 Seiten 674 4. Zu beziehen vom Northwestern Pub⸗
lisbing House, Milwaukee, Wis., oder vom Verfasser.
Preis: 5 Cts.; 25 Exemplare 50 Cts. und 7 Cts. Porto.
Eine lehrreiche Schulpredigt, die auf Grund von 1 Tim. 4, 8. zeig
„wie nöthig uns unsere christliche Gemeindeschule ist, damit unsere Kind
Gottseligkeit lernen“, und die sich auch als Tractat Über diese Sache gut b
nutzen läßt. L. F.
English translation
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