Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 133

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ö

Ihaus und konnten einen gesegneten Gottesdienst feiern.
e ehrt und preist ihren Schöpfer, denn dazu ist sie ge⸗

Ungehorsam.
Abfall und Ungehorsam zu sühnen, Gott seine Ehre für uns zu

8Der 2„TutheranedS

133

sim vorigen Jahre, und die Krippe, die uns in diesem Jahre
lieben Missionsfreunden in America geschickt worden, trugen
twenig dazu bei, die Aufmerksamkeit zu fesseln und somit die
Feier zu erhöhen.
Am eersten Feiertag hatten wir wiederum ein volles Gottes⸗
Ich
legte der Gemeinde den Lobgesang der Engel aus: Die ganze

ö chaffen. Nur der Mensch verunehrt ihn durch seinen Abfall und

Darum ist er verloren und verdammt. Diesen

geben und somit den Fluch und die Verdammniß von uns zu

nehmen, ist Christus geboren. In ihm und durch ihn sollen und
II können auch wir wiederum Gott ehren. Darum „Ehre sei Gott

in der Höhe“! Durch die Sünde herrscht Feindschaft zwischen
Gott und den Menschen, Feindschaft der Menschen auch unter
einander. Aber um Frieden zu stiften zwischen Gott und Men⸗
schen und unter den Menschen, dazu ist Christus geboren. Wir
können und sollen nun im Glauben diesen Frieden empfangen
und sollen auch unter einander Frieden halten. Darum „Friede
auf Erden“! Gott ist gut und heilig. Darum kann er kein
Wohlgefallen an Sündern haben, sondern muß seinen Zorn und
Fluch über sie ausschütten. Der Heiland aber ist dazu geboren,
diesen Zorn zu stillen, diesen Fluch zu tragen, Gottes Wohl⸗
gefallen uns zu erwerben. Darum heißt es jetzt: „Und den

Mienschen ein Wohlgefallen.“ Singen so die Engel, für die der
Heiland doch nicht geboren ist, wie viel mehr sollen wir, denen

er geboren ist, ihn preisen mit Herzen, Mund und Wandel. —
Nach der Aufmerksamkeit zu urtheilen, ist die selige Weihnachts⸗
botschaft mit empfänglichen Herzen aufgenommen worden.
Nachmittags um 4 Uhr feierten wir in Sanankuppam. Auch
hier war das Schullocal gedrängt voll. Ich hatte die Kinder
aus Alankuppam hierher bestellt, weil ich an vier Posten nicht
gut eine Weihnachtsfeier veranstalten konnte. So hatten wir
35 Schulkinder, zu denen sich noch eine Menge anderer Kinder

gesellte. Außerdem hatten sich so viele Erwachsene, Männer und

Frauen, in den Schulraum hineingezwängt, als nur irgend Platz
finden konnten. Vor den Fenstern und der Thüre standen noch
wenigstens 30 bis 40 Menschen, die innen leider nicht Platz
fanden. Auch hier verlief die Feier ähnlich wie in Ambur. Ich
wies die Zuhörer besonders auf das himmlische Licht hin, das
uns in unserer Sünden⸗ und Todesfinsterniß aufgegangen ist.
Bei der Schilderung ihrer heidnischen Finsterniß und Unwissen⸗
heit erscholl hin und wieder laute Zustimmung von Seiten der
Erwachsenen. In IEsu allein ist Hoffnung des ewigen Lebens.
Diese uns zu erwerben und zu schenken, ist er geboren.

Am zweiten Feiertag hielt ich die Weihnachtsfeier in Perian⸗
kuppam. Hatte ich es in Ambur und Sanankuppam mit armen
Parias zu thun, so waren es hier in Periankuppam lauter
udras, Brahminen und Muhammedaner, die sich versammelt
tten. Das hätte auch ein Uneingeweihter auf den ersten Blick
annt, wenn er mit mir nach Periankuppam gekommen wäre.
ich ankam, war ich überrascht, wie hübsch sie die Schule ge⸗
ückt hatten. Als ich vorne über dem mit Guirlanden ge⸗
mückten Eingang die Inschrift: „Welcome!'' prangen sah,
unwillkürlich in meinem Herzen der Seufzer auf: „Wenn
doch nicht mir gälte, sondern meinem HErrn und Heilande!“

Die Kinder waren alle in festlichen Kleidern erschienen und saßen
wohlgeordnet auf ihren Bänken da. Auch Erwachsene hatten
sich in großer Anzahl eingefunden. Es ging alles so ruhig und
anständig zu, wie man es sich nur wünschen kann. Wie wohl⸗
thuend das einen berührt, der von Feiern mit armen Parias
kommt! Gesang gab es hier freilich nicht, denn ich war allein
unter lauter Heiden und Muhammedanern. Nachdem ich Trans⸗
parent und Krippe aufgestellt hatte, verlas ich das Weihnachts⸗
evangelium und predigte denen ohne Hoffnung die Hoffnung
des ewigen Lebens. Wir alle sind von Natur ohne Hoffnung,
keiner weiß den Weg zum Himmel, denn keiner ist jemals da⸗
gewesen, auch die größten Weisen wissen ihn nicht. Ja, wir
können auch gar nicht dahin kommen, denn wir sind Sünder.
In JEsu Christo aber, dem Heilande nicht nur der Christen,
sondern aller Welt, ist uns der Himmel eröffnet und der Weg
gewiesen worden. Christus allein weiß den Weg, denn er allein
ist vom Himmel gekommen. Er ist der Weg. Darum ist der
Tag seiner Geburt ein Tag der Freude nicht nur für die Christen,
sondern für alle Welt. — Vor Christen, und wären es auch die
allerschwächsten und ärmsten, spricht es sich nun freilich leichter
von dem theuren Weihnachtsevangelium als vor lauter Heiden.
Der Wiederhall fehlt. Indessen fehlte es hier nicht an ruhigster
und anständigster Aufmerksamkeit.

Hierauf wurden die kleinen Geschenke, Schreib- und Bilder⸗
büchlein, Blei⸗- und Schieferstifte, unter die mehr als hundert
Kinder vertheilt. Es waren dies mit Ausnahme der Schiefer⸗
stifte sämmtlich Geschenke aus der Weihnachtskiste, die uns von
lieben Christenhänden in America so freundlich zubereitet und
rechtzeitig geschickt wurde. Ich hätte ohne diese inhaltsreiche
Kiste in der That nicht gewußt, was ich all den Kindern, beson⸗
ders in Periankuppam, schenken sollte. Sie sind genau wie die
Kinder zu Hause, eine Kleinigkeit macht ihnen Freude. Ein
kleiner Junge, für den kein Bleistift übrig blieb, weinte bitterlich,
bis ein großer Junge den einen von den beiden, die er erhalten
hatte, bis auf Weiteres abtreten mußte. Der headmaster (Ober⸗
lehrer), ein Brahmine, ließ seinen kleinen siebenjährigen Sohn,
als dieser seine kleinen Geschenke in Empfang nahm, die Ver⸗
kündigung des Engels und den Engellobgesang aufsagen. Es
geschah mir zu Ehren. Wenn es doch dem zur Ehre geschähe,
dem sie gebührt! Er kann aber auch Brahminen-, Sudra- und
Muhammedanerherzen bekehren, für die er ja auch geboren ist.
Etwas Wichtiges hätte ich jedoch beinahe vergessen! Vor der Be⸗
scherung wurde mir beschert; um meinen Hals schlangen sie eine
mächtige Blumenguirlande, an deren Gewicht ich ordentlich zu
tragen hatte, um meine Handgelenke legten sie Blumenfesseln
und auch in die Hand gaben sie mir noch einen Blumenstrauß.
Sodann wurde ich mit allerlei wunderbaren Figuren, die ein
Periankuppamer Zuckerbäckerkünstler zubereitet hatte, beschenkt.

So verlief die Feier überall ohne jeglichen Mißklang. Die
selige Weihnachtsbotschaft konnte Alten und Jungen, Christen,
Heiden und Türken verkündigt werden. Sollte sie keine Frucht
bringen? Das wäre ja wider Gottes Verheißung, Jes. 55, 11.

Meinen Christen konnte ich am dritten Feiertag oder viel⸗
mehr am Sonntag nach Weihnachten noch das Beispiel der Hirten
und der Maria ans Herz legen. Um nicht wie die Heiden Feste
zu feiern, denen zugleich mit dem Feste auch die Freude ver⸗
schwindet, weil sie nur äußerlicher Art ist, sondern um dauernd

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