Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 9 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 26. April 1904, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: m · Geben 7 · Heilige
138 8Der 2„Lutheranetss
französischen Katholiken und ihre gegenwärtigen Schwierigkeiten“, in
der sich dieser gegen Mißbräuche in seiner eigenen Kirche wendet. Als
ein Beispiel solcher Mißbräuche führt er unter anderm Folgendes aus
dem Februarheft des französischen Josephsblattes vom Jahre 1899 an:
„Eine arme Nonne, die von ihrem Pfarrer belästigt wurde, wandte
sich an den heiligen Joseph und bat ihn, dem heiligen Manne eine
vortheilhafte Versetzung zu verschaffen, damit sie von einer unerträg⸗
lich gewordenen Tyrannei befreit werde. Die Sache war schwierig,
da der Pfarrer gerade nicht zu denen gehörte, um die sich die Pfarreien
streiten. Der gute heilige Joseph faßte die Sache anders an: es kam
plötzlich eine hüͤbsche Bronchienentzündung, der Pfarrer verzog, nachdem
er eine gute Beichte abgelegt, in die andere Welt, und Schwester Clara
verfehlt, wenn sie ihren Rosenkranz für ihn streicht, nie, nach jedem
Gesetze zuzufügen: „Meinem guten heiligen Joseph besten Dank!““
Chaine versichert, daß mehrere Dutzend von Blättern ihren nach Mil⸗
lionen zählenden Lesern solche Sachen bieten, und kommt zu dem
Schluß: „Weg mit diesem Handel zur Erreichung zeitlicher Vortheile,
die man von dem oder dem Heiligen, der im Paradies eine bevorzugte
Stellung einnehmen soll, gegen klingende Münze verlangt!“ Aber
wenn Chaine auch einzelne besonders schändliche Mißbräuche erkennt
und bekämpft, so will er doch Katholik bleiben, weil er eben den Haupt⸗
greuel des Pabstthums, den Abfall von Gottes Wort und vom Evan⸗
gelium der Gerechtigkeit durch Christi Verdienst, nicht erkannt hat.
L. F.
Fröhliche Geber.
Unter dieser Ueberschrift theilt der in Boston erscheinende „Zeuge
und Anzeiger“ folgende zwei Erfahrungen aus dem Christenleben mit,
die auch unsere Leser mit Nutzen und Segen lesen werden. In der
Nummer vom 13. März heißt es:
„Zuweilen drängt sich selbst dem Christen der Gedanke auf, daß
die Collecten manchmal recht unpassend kommen. So ging es auch
einem jungen Mädchen in einer Gemeinde. Nicht daß sie geizig ge⸗
wesen wäre — aber das Geben wurde ihr zum Ueberdruß und bereitete
ihr Verdruß, weil es sich immer so traf, daß sie nicht bei Kasse war;
so konnte sie entweder nur einen ganz geringen Beitrag geben oder gar
nichts. Das befriedigte sie aber nicht. An einem Sonntag⸗Nach⸗
mittag bekommt sie Besuch von einigen Freundinnen. Es währt nicht
lange und sie klagt diesen ihr Leid. Mit Schrecken hört sie nun, daß
der von der Gemeinde ernannte Collector diesmal auch die ledigen
jungen Leute um Gaben anspreche. Also noch eine besondere größere
Gabe, und sie hatte doch ihr Geld alles ausgegeben. Da sagte eine
ihrer Freundinnen: „Mir macht dies keine solche Noth.“ Darüber
verwunderten sich die andern, denn dieses Mädchen hatte einen ge⸗
ringeren Verdienst als sie. Gefragt, wie sie das nur fertig brächte,
erzählte sie dann, wie es ihr einst auch viele Sorgen bereitet habe,
wenn besondere Beisteuern zum Werke des HErrn erhoben worden
seien. Da habe sie eines Abends den Rath Pauli 1 Cor. 16, 2. ge⸗
lesen und sich gemerkt: Auf je der Sabbather einen lege bei sich selbst
ein jeglicher unter euch und sammle, was ihn gut dünkt, auf daß nicht,
wenn ich komme, dann allererst die Steuer zu sammeln sei. „Seither“,
sagte sie, habe ich an jedem Zahltage so viel von meinem Lohn, als
ich in der betreffenden Woche erübrigen konnte, in eine Sparbüchse
gethan. Manchmal war es recht wenig, oft nicht mehr als 5 oder
10 Cents. Ich sagte mir dann: mit dem, was in jener Büchse ist,
hast du nicht mehr zu rechnen, wenn du an deine Ausgaben denkst.
Das gehört dem HErrn. Ist dann eine Collecte, oder handelt es sich
um den Kirchenbeitrag, so öffne ich jene Sparbüchse und lange mit
Freuden hinein. Ich theile dann aus von dem, was dem HErrn ge⸗
weiht ist. Auch brauche ich nun nie mehr mich mit solch spärlichen
Gaben blicken zu lassen. Es ist immer ein schöner Vorrath da. Die
andern Mädchen nahmen sich vor, künftig diesem Beispiele zu folgen.
Nach Jahresfrist trafen sie sich wieder, und die Rede kam auch auf dies
ihr Experiment. Alle waren mit dem Resultate recht zufrieden, sie
haben Freude am Geben gehabt und haben sonst auch keine Noth
leiden müssen.
„Ist dir, lieber Leser, vielleicht mit dieser Geschichte ein Dienst
geleistet? Ich bin überzeugt, daß sich unter uns viel mehr fröhliche
Geber finden würden, wenn man den Rath Pauli 1 Cor. 16, 2. mehr
beachtete.“
In seiner Nummer vom 27. März konnte dann der Heraus⸗
geber des genannten Blattes von einer Leserin folgenden Brief ver⸗
öffentlichen:
„Lieber „Zeuge und Anzeiger“!
„Deinen Artikel „Fröhliche Geber vom 13. März habe ich ge⸗
lesen und mich gefreut, daß auch andere Christen das Wort des Apostels
1 Cor. 16, 2. in Anwendung bringen. Als ich vor ungefähr 53 Jahren
auf diesen Spruch von einem Freunde aufmerksam gemacht wurde,
und zwar aus der englischen Bibel: Upon the first day of the week
let every one of you lay by him in store as God Haινν νοενhοεeα
Him', da dachte ich, das mußt du auch thun. Und da ich ein Geschäft
habe und nicht jede Woche berechnen kann, wie viel Profit ich mache,
so bin ich zu dem Entschluß gekommen, einen bestimmten Procentsatz
von meinen Einnahmen jede Woche für den lieben Gott bei Seite zu
legen und dann je nach Bedürfniß wöchentlich oder monatlich an die
verschiedenen Kassen der Gemeinde und Synode zu vertheilen. Nun
bin ich schon fünfzehn Jahre im Geschäft, habe die ersten neun Jahre,
ehe ich diese Anordnung traf, hie und da, wie ich meinte, etwas
Ordentliches aus meinem Ersparten für Gottes Reich gegeben, im
Durchschnitt 8140.00 per Jahr. Aber als ich nach St. Pauli Rath:
as God hath prospered you', jeden Sonntag 5 Cents von jedem
Dollar, den ich während der vorhergehenden Woche einnahm, bei
Seite legte, da stellte es sich am Ende des Jahres heraus, daß ich
5322.75 für den lieben Gott beigelegt hatte. Ich habe dies seitdem
fortgesetzt, und die Einnahmen in meinem Geschäft haben jedes Jahr
zugenommen, so daß ich letztes Jahr 5375.00 für Gottes Reich geben
konnte und in den letzten fünf Jahren und vier Monaten zusammen
51900.00, während ich in den ersten neun Jahren und vier Monaten,
ehe ich diese Anordnung traf, nur §1300.00 gab.
„Als mein Sohn alt genug wurde und Arbeit bekam, ermunterte
ich ihn, an jedem Zahltag von seinem Verdienst eine bestimmte Summe
für Gottes Reich zu geben. Ich sagte ihm, der liebe Gott hätte den
Kindern Israel geboten, den Zehnten von allem an die Priester und
Leviten abzugeben; obwohl wir nun nicht mehr unter dem Gesetz sind,
sondern unter der Gnade, so meine ich, sollten wir aus Liebe und
Dank gegen Gott, den Geber aller guten Gaben, jetzt auch den Zehnten
und noch mehr geben zur Ausbreitung seines Reiches, wie Abraham
that, der ja auch nicht unter dem Gesetz war. Mein Sohn befolgte
diesen Rath, und seine „Opfere Gott Dank⸗Kasse“ ist immer im Stande
gewesen, für Gottes Reich etwas zu geben. Er sagte mir, seine „Opfere
Gott Dank-Kasse“ sei immer am besten bestellt. Ich theile dies nur
mit, um meine Glaubensbrüder und -Schwestern aufzumuntern, für
Gottes Reich systematisch zu geben, da man durch regelmäßiges Geben
reichlicher gibt, als wenn man nur hie und da etwas für Gottes
Reich thut.“
Der Herausgeber des Blattes bemerkt dazu: „Die liebe Schrei⸗
berin will ihren Namen nicht bekannt gemacht haben; Gott aber, der
ins Verborgene sieht, kennt sie und wird ihr's einst vergelten öffentlich,
Matth. 6, 3. 4.“ ö
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