Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 11 › Seite 161

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Mai 1904, Seite 161

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: ECheſcheidung · Pfingſten

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ausgegeben von der Deutschen Coangelish⸗ eutherischen Synode von Missouri, Ghio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

O. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 24. Mai 1904.

No. 11.

Zum heiligen Pfingstfeste.

Groß sind die Werke des HErrn; wer ihrer achtet, der hat
Lust daran, Ps. 111, 2. Gilt dieses Psalmwort schon in
zug auf die Schöpfung und Erhaltung aller Creaturen, so in
noch viel höherem Maße in Bezug auf die Werke Gottes, die er

han hat und noch thut, um die Menschen selig zu machen.

m Fleisch“, 1 Tim. 3, 16. Kündlich groß ist der Ostertriumph:
Es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda“,
Offenb. 5, 5. Kündlich groß ist das Pfingstwunder: „Sie wur⸗
den alle voll des Heiligen Geistes“, Apost. 2, 4. Achten wir
nit gläubigem Herzen auf die großen Thaten Gottes, die wir an

u drei höchsten Festen betrachten, so müssen wir anbetend aus⸗
sen: „O welch eine Tiefe des Reichthums!“ Röm. 11, 33. Ja,
lige Lust und Freude muß unsere Herzen bewegen, wenn wir
f die Werke Gottes schauen, im Rathe der Ewigkeit beschlossen,
Zeit ausgeführt, um die Sünder selig zu machen. Der
e Gott, der auch ohne die Menschen vollkommen selig ist, läßt
sich alles kosten, um die Sünder wieder in seine Gemeinschaft
ziehen. Er selbst tritt ins Mittel, er selbst zerbricht die Scheide⸗
ind, ja, er selbst thut alles, um Himmel und Erde wieder zu
d Theil. Gott der Vater hat die Welt also
t, daß er seinen eingeborenen Sohn gab; Gott der Sohn ist
unserer Sünde willen dahingegeben und um unserer Ge⸗
ztigkeit willen auferwecket; Gott der Heilige Geist eignet den
chen zu, was Christus vollbracht hat. Sa wichtig die Weih⸗
otschaft, so wichtig Charfreitag und Ostern, ebenso wichtig
uch die Pfingstwahrheit. Ja, erst dann sind wir überhaupt
tande, die großen Werke Gottes zu verstehen und mit seliger
ihrer zu ergötzen, wenn der Pfingstgeist über uns gekom⸗
und uns ein neues Herz und erleuchtete Augen geschenkt hat.
s liegt also alles daran, die Bedeutung des Pfingstfestes
u erfassen. rn wollen wir im Volgenden kurd dus

et fort.
ündlich groß ist das gottselige Geheimniß: Gott ist offenbaret

einmüthig bei einander.

Pfingstepistel.

Und an diesem großen Werke hat die ganze hoch⸗

ein weltüberwindender Glaube!

Amt und Werk des Heiligen Geistes zeigen und erkennen, wie er
dieses einst am ersten Pfingstfeste und seitdem fortlaufend durch

alle Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag ausgerichtet hat.

Denn während die großen Thaten Gottes, von denen wir Weih⸗
nachten, Charfreitag und Ostern singen und sagen, nur einmal
geschehen sind, geschieht des Heiligen Geistes Werk fort und
Wir können aber bei dieser Betrachtung nicht auf alle
Aemter des Heiligen Geistes eingehen — das würde uns zu weit
führen —, sondern wollen uns nur sein vornehmstes Amt ver⸗
gegenwärtigen, das der Heiland in den Worten ausspricht: „Der⸗
selbige — der Heilige Geist — wird mich verklären“, Joh. 16, 14.

„Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle
Und es geschah schnell ein Brausen vom
Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze
Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zer⸗
theilet, als wären sie sfeurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen
unter ihnen. Und wurden alle voll des Heiligen Geistes und
fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist
ihnen gab auszusprechen“, Apost. 2, 1—4. So erzählt uns die
In den folgenden Versen hören wir dann, wie
Petrus mit den Elfen seine erste Pfingstpredigt hält, die den Zu⸗
hörern durch Herz und Gewissen geht. Und nun vergleiche dies
Auftreten der Jünger am fünfzigsten Tage nach Ostern mit ihrem
früheren Benehmen und Verhalten — welch ein Unterschied!
Zuvor so furchtsam, jetzt so muthig und unerschrocken; zuvor so
kleinmüthig, jetzt so heldenhaft; zuvor so wankelmüthig und un⸗
beständig, jetzt ihrer Sache so gewiß; zuvor so kleingläubig, jetzt
Wir kennen die Jünger kaum
In Gethsemane waren sie geflohen, nach Christi Tod

wieder.

verbargen sie sich hinter verschlossenen Thüren; jetzt treten sie
auf, und weder Spott noch Gewalt kann sie einschüchtern oder

zum Schweigen bringen.

Wie war solcher Umschlag, solche Veränderung möglich ge⸗
worden? Ihr geliebter HErr und Meister hatte seine Verheißung
wahr gemacht: „Der Heilige Geist wird mich (in euch) verklären.“

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