Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 11 › Seite 164

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Mai 1904, Seite 164

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aus Brooklyn, N. Y., der viele Jahre lang Präses des Districts
war, und der Gang der Lehrbesprechung war etwa folgender:

Durch den Betrug des Teufels hatten die Menschen ihre
Gerechtigkeit, Heiligkeit und Seligkeit verloren, und sie wären
eine sichere Beute der Hölle geblieben, wenn nicht Gott selber sich
ihrer erbarmt hätte; Gott aber gab die Verheißung vom Weibes⸗
samen, der der höllischen Schlange den Kopf zertreten sollte, und
nun hatten die Menschen einen Heiland, so daß sie, die Sünder,
wieder Gottes Kinder werden konnten. Doch schon damals hatte
der Unglaube eine Stätte auf Erden gefunden; Kain war ein Un⸗
gläubiger, der sich um die göttliche Verheißung nicht kümmerte,
und seine Nachkommen waren um nichts besser. Das Straf⸗
gericht der Sündfluth brach herein und brachte alle um, Noah
und die Seinen ausgenommen. Später waren die Menschen
auch nicht besser, denn wegen ihrer Gottlosigkeit verwirrte Gott
ihre Sprache. Nun zerstreuten sie sich, nahmen aber ihre Gott⸗
losigkeit mit, so daß es selbst von Abrams Vater, Tharah, heißt,
er habe den Götzen gedient. Aus lauter Gnade erbarmte sich
Gott Abrams, als er ihm befahl: „Gehe aus deinem Vaterland
und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in
ein Land, das ich dir zeigen will.“ Gott forderte Schweres von
Abram, und noch schwerer war, der Verheißung zu glauben,
die Gott dem 75jährigen kinderlosen Abram gab, er wolle ihn
hochberühmt und zum Vater eines großen Volks machen, er solle
ein Segen für seine Mitmenschen sein, ja, von ihm solle der
verheißene Schlangentreter, der Heiland der Welt, abstammen.
Sicherlich tauchten in Abrams Seele allerlei Zweifel und Be⸗
denken auf, aber Gott gab ihm die Kraft, daß er der Verheißung
glaͤubte und dann den göttlichen Befehl ausführte; er tritt die
beschwerliche, gefährliche Reise an, zieht in die Fremde und muß
sich manchen Hohn und Spott gefallen lassen. — An Abram
sollen alle Christen denken. Auch sie befinden sich hier in der
Fremde, denn die Erde ist nicht ihre wahre Heimath; in der
Fremde fehlt es nicht an Beschwerden, Gefahren, Spott und
Hohn; aber Gott tritt zur rechten Zeit für sie ein; er weiß, wo
die Stätte ist, wohin er sie führen will, und er wird sie zum Ziele
führen, so gewiß er Abram zum Ziele geführt hat.

Nachdem Abram eine Zeitlang in Canaan gewesen war, zog
er in Folge der Theurung nach Egypten. Da er die laxen Grund⸗
sätze kannte, die unter den heidnischen Völkern im Schwange
gingen, bat er sein Weib Sarah, sich als seine Schwester auszu⸗
geben. Aber dadurch brachte er sich und seine Sarah erst recht
in Noth. Da erbarmt sich Gott seiner und hilft ihm auf wun⸗
derbare Weise aus der Noth: er schickt Plagen über den König
Pharao und Abimelech und bewahrt so diese Könige vor schwerem
Unglück und vor größeren Sünden; auch flößt er ihnen dadurch
Ehrfurcht ein vor seinem Propheten Abram. — Abram wurde
sehr reich; aber seine Schultern konnten den Reichthum tragen;
er blieb liebreich, demüthig und verträglich. Als daher seine
und Lots Hirten in Zank geriethen, machte er Lot den Vorschlag,
sie wollten sich beide um des lieben Friedens willen trennen, und
er überließ sogar dem jüngeren Lot die Wahl des Landes.

Gott sagt dem Abram, er wolle ihm und seinen Nachkommen
all das Land geben, das er sähe. Abram, obwohl noch kinderlos,
glaubte der Verheißung, und das machte ihn zum Helden. Als
daher vier Könige ins Land eingefallen waren und nebst andern
auch Lot und die Seinen mit weggeführt hatten, besann sich Abram

nicht lange, sondern jagte mit 318 seiner Knechte dem siegreichen
Feinde nach und nahm ihm allen Raub wieder ab. — So sollen
auch wir Christen muthig und getrost ans Werk gehen. Wenn in
einer Gemeinde manche verzagt sind, so soll man ihren Muth durch
Gottes Wort anzufachen suchen, die andern aber sollen sich nicht
auch verzagt machen lassen, sondern sollen handeln nach der Er⸗
kenntniß, die Gott ihnen gegeben hat. In Verbindung hiermit
wurde bemerkt, daß auch noch heutzutage wohl Thaten heroischen
Glaubens vorkommen. Solcher heroische oder Heldenglaube ist
eben ein besonderes Maß des Glaubens, das Gott zu Zeiten einzel⸗
nen in der Kirche verleiht. Solcher Glaube ist also keine Kunst, die
einer erlernen könnte, sondern er ist eine besondere Wirkung Got⸗
tes. — Für seine Heldenthat wurde Abram sehr geehrt; der König
von Sodom dankte ihm vor allem Volk, und der König von Sa⸗

lem, Melchisedek, ein Priester des wahren Gottes, segnete ihn.
Aus 1 Mos. 15 geht hervor, daß Abram angefochten und

furchtsam war. Da richtete ihn Gott auf mit den Worten:
„Ich bin dein Schild.“ Auch sagte ihm Gott ausdrücklich,
nicht der Sohn eines seiner Knechte werde das Land Canaan be⸗
sitzen und zu einem zahlreichen Volk werden, sondern dies werde
sein eigener Sohn sein. Und nun heißt es: „Und Abram
glaubte dem HErrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“
Hätte Abram sich selbst und seinen damaligen Zustand angesehen,
so hätte ihn das ungläubig gemacht; aber er sieht ganz ab von
sich selbst, sieht allein auf die Verheißung. Er glaubt, der ver⸗
heißene Heiland werde von ihm abstammen, und deswegen glaubt
er auch alles andere, was Gott ihm sagt. — Hieraus sehen wir,
worin das Wesen des wahren Glaubens besteht, nämlich darin,

daß wir nicht auf das sehen, was in uns ist, sondern allein

darauf, daß Gott uns Ungerechten seinen Sohn geschenkt, der
für uns alle Gebote erfüllt und die wahre Gerechtigkeit erworben
hat, und daß Gott verheißen hat, daß er uns Unwürdigen um
dieses seines Sohnes willen gnädig sein wolle.

Weil Gott wußte, wie schwer es Abram fallen mußte, wider
alles Sehen und Fühlen ganz einfach seiner Verheißung zu glau⸗

ben, so gibt er ihm nun eine Stütze für seinen Glauben (1 Mos.
15, 7—21.), indem er ihm offenbart, wie es später seinen Nach⸗
kommen ergehen werde. Er sagt ihm gleichsam: wie Raubvögel

werden die Heiden über dein Volk, deine Nachkommen, herfallen,

um sie zu vernichten; aber wie du die Raubvögel von dem Fleisch
der Opferthiere verscheucht hast, so werde ich alle Feinde deines
Volks verscheuchen und das Volk erhalten.
auch; trotz aller Bedrückungen zogen die Israeliten später aus

Und so kam es ja

Egypten aus, 600,000 Mann stark, und eroberten durch Gottes

Hülfe das Land Canaan.

Da Abram und Sarah in Bezug auf die Hagar ihren eigenen
Gedanken folgten, so brachten sie sich wieder in die größte Ver⸗
legenheit.

Gott half ihnen daraus durch seinen Engel, der der

Magd gebot, zu ihrer Herrin zurückzukehren. Daraus sollen wir

lernen, daß wir das Wort Gottes zur Richtschnur nehmen sollen,

nicht aber unsere eigene Weisheit. — Hierbei kam die Rede auch

auf die Vielweiberei. Die ist wider die Schrift, denn Christus
weist die Juden darauf hin, daß es bei der Einsetzung der Ehe
im Paradies Ein Mann und Ein Weib gewesen sei; und steht das
Zahlwort „ein“ auch nicht ausdrücklich im Urtext, so versteht es
sich doch von selbst, denn Christus fügt gleich hinzu: „Und werden
die zwei sein Ein Fleisch.“ Matth. 19, 4. ff. —

English translation

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