Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 11 › Seite 169
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Mai 1904, Seite 169
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 22 · Papſttum 6
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Staate New South Wales versammelt. Die Eröffnungspredigt
der bisherige Districtspräses, P. W. Peters. Hauptgegenstand
Verhandlungen war ein Referat, das Prof. C. F. Gräbner vor⸗
über das Thema: „Was sagt uns Gottes Wort über die Be⸗
fung von Pastoren und Gemeindelehrern?“ Die zu Grunde lie⸗
enden Thesen lauteten: „1. Weil es Gottes ernster Wille ist, daß
Uen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntniß der Wahrheit
umen, hat Christus seiner Kirche den Auftrag gegeben, das Evan⸗
elium zu predigen zu aller Zeit und an allen Orten. 2. Eine jede
In ihrer Mitte aufzurichten und zu erhalten. 3. Bei der Berufung
hrer Diener am Wort hat eine christliche Gemeinde darauf zu sehen,
haß ein gültiger Beruf zu Stande komme und dabei alles ordentlich
zugehe. 4. Der von einer Gemeinde zum Dienst am Wort Berufene
hat gewissenhaft zu prüfen, ob Gott ihn ruft, und ie über
Annahme oder Ablehnung des Berufes zu entscheiden.“ Außerdem
wurden noch mancherlei Synodalangelegenheiten besprochen und ge⸗
ordnet. So wurde unter anderm eine besondere Commission für die
Innere Mission des Districts erwählt. In der Großstadt Melbourne,
in der sehr viele Deutsche wohnen und sich auch schon eine kleine Ge⸗
meinde der Synode befindet, die aber noch keinen eigenen Pastor hat,
soll ein Stadtmissionar angestellt werden, um das Missionswerk kräftig
zu betreiben. Wahrscheinlich soll für diesen Posten einer unserer dies⸗
jährigen Candidaten berufen werden, wie auch schon für den andern
District der Synode in Südaustralien ein Beruf angemeldet und ein
weiterer Beruf für die Innere Mission in Neuseeland bereits einge⸗
gangen ist. Zum Präses des Districts wurde Prof. C. F. Gräbner
erwählt und zum Vicepräses P. E. Darsow, einer der Redacteure des
australischen „Kirchenboten“. Beim Synodalmissionsfeste predigten
der Allgemeine Präses der Synode, P. Th. Nickel, Präses W. Peters
und P. H. Wiese. L. F.
Die Uebertritte aus der römis n Kirche zum Protestantismus
i0 den österreichischen Landern gehen noch immer fort. Im vergan⸗
genen Jahre sind es rund 4700 Personen gewesen und seit Anfang
der Austrittsbewegung im Jahre 1898 über 28,000. Die Römischen
spotten auch schon längst nicht mehr darüber, sondern geben ihren Be⸗
fürchtungen Ausdruck. Ein für ihre Priester in Böhmen bestimmtes
Blatt sagt offen, daß die Zahlen der Uebertrittsbewegung „eine schreck⸗
liche Sprache reden“. Und das Schlimmste und Gefährlichste sei „die
Durchsetzung des geschlossenen katholischen Gebiets mit protestantischen
Gemeinden und Kirchen“. Sobald eben in einer katholischen Gegend
eine evangelische Gemeinde ins Leben gerufen und eine Kirche gebaut
ist, wird diese ein Mittelpunkt, um den sich immer mehr ehemalige
Anhänger des Pabstes schaaren. So ist auch im letzten Jahre die
rchliche Versorgung der zerstreuten Protestanten immer weiter ausge⸗
hnt worden. 16 neue Predigtstationen wurden eingerichtet, und
an 2⁷ Orten (darunter 16 allein in Böhmen) wurde im Jahre 1903
zum ersten Male ein evangelischer Gottesdienst abgehalten. 10 Ge⸗
meinden erhielten selbständige Pfarrämter und 8 neue Vicariate wur⸗
den gegründet. Noch erfreulicher wäre es, wenn alle diese jungen
evangelischen Gemeinden auch recht in der lauteren Lehre der luthe⸗
rischen Kirche unterrichtet und fest gegründet würden. L. G.
Abgöttische Pabstverehrung. Sachetti, der Hauptredacteur des
lienischen Blattes „Unita Cattolica““, sagt in einer Lobrede auf
Pabst: „Der Pabst ist die Wahrheit, denn er ist Vicar dessen, der
sagte: „Ich bin die Wahrheit.“ Unser Geist frohlockt ob seiner
ernichtung durch deinen (des Pabstes) Geist, der nicht der Geist
s Menschen, sondern die Wissenschaft Gottes selber ist. Unser
igstes Recht auf Erden besteht darin, an Gott zu glauben. Aber
können nicht aufrichtig an den wahren und lebendigen Gott glau⸗
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ben, wenn wir nicht an dich (den Pabst) glauben, der auf Erden die
Hoheit, das Lehramt und die Unbesiegbarkeit Gottes vorstellt.“ Der
„Gotthold“, der diesen Ausspruch mittheilt, sagt weiter: „In der
katholischen Kirche wird der Pabst Gott gleichgestellt. Folgendes ist
einem römischen Schriftchen entnommen: „Was alle Geschöpfe von
ihrem Schöpfer sagen sollten, das können die civilisirenden Grund⸗
sätze der christlichen Nationen vom Pabst sagen: In ihm haben wir
Leben, Bewegung und Wesen. In ihm leben, weben und sind wir.““
Alle derartigen Aussprüche, die sich der Pabst gefallen läßt, ja, die er
durch seine vermessenen Ansprüche hervorruft, zeigen, wie wahr die
Schrift den großen Antichristen abmalt, wenn sie ihn nennt den Men⸗
schen der Sünde und das Kind des Verderbens, „der da ist ein Wider⸗
wärtiger und sich erhebet über alles, das Gott oder Gottesdienst heißet,
also, daß er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich
vor, er sei Gott“, 2 Thess. 2, 3. f. L. F.
Das Land Uganda im Innern Afriras ist eins der frucht⸗
barsten und hoffnungsvollsten Missionsfelder der neueren Zeit. Das
bestätigt wieder ein americanischer Reisender, Edgar Geil, der eine
Reise um die Welt gemacht hat, um einen selbständigen und genauen
Einblick in die verschiedenen Missionen zu gewinnen. Er schreibt:
„In Uganda ist die Mission geradezu in ein gefährliches Stadium
eingetreten: es wird Modesache, ein Christ zu sein. Es gibt wohl
noch Heiden, aber die öffentliche Meinung ist gegen die heidnischen
Gebräuche, und sie werden nur noch im Verborgenen ausgeübt. Die
Christen sind zweifellos in manchen Stücken noch schwach; aber man
erinnere sich doch nur, daß vor wenigen Jahren da, wo jetzt Kirchen
stehen, noch Menschenopfer dargebracht wurden; daß da, wo jetzt
Friede herrscht, Stammesfehden um nichts als um Weiber und Sklaven
an der Tagesordnung waren; daß Sklaverei allgemein in Uebung war,
während sie jetzt nicht mehr besteht; daß die Vielweiberei für Zehn⸗
tausende nicht mehr vorhanden ist; daß die Sprache des Volkes zur
Schriftsprache erhoben ist und das Volk lesen gelernt hat. Dann be⸗
kommt man einen Begriff von dem eingetretenen Wandel. Die größte
Gefahr ist jetzt vom Missionsstandpunkt das bloße Namenchristenthum.
Es gibt 100,000 Christen in Uganda. Kein Cent Missionsgeld ist für
den Bau von Kapellen und Schulen oder zum Unterhalt der eingebo⸗
renen Lehrer und Prediger ausgegeben. Nur die englischen Missionare
erhalten ihr Gehalt aus England, und für Bücher, Medicinen und
Instrumente wird ein Zuschuß geleistet. Kein Buch wird verschenkt,
Tausende werden verkauft.“ Auch im letzten Jahre sind nach dem
Bericht des englischen Missionsbischofs Tucker wieder fünf bis sechs
Tausend erwachsene Heiden getauft worden. L. F.
Caspar Aquila,
ein treuer Zeuge Christi zur Zeit der Reformation, wurde am 7. August
1488 zu Augsburg geboren. Sein Vater, der Stadtsyndicus Leon⸗
hard Aquila, und seine Mutter waren ernste, fromme Christenleute.
Ihre fünf Söhne studirten sämmtlich Theologie. Caspar, der jüngste
von ihnen, bezog 1514 die Universität zu Leipzig. Begeistert durch
die erste Heldenthat Luthers, ging er 1517 nach Wittenberg. Hier
reichlich gestärkt und gefördert, wurde er bald darauf des Ritters Franz
von Sickingen Feldprediger. In dieser Stellung wahrte er unter den
rauhen Kriegern standhaft die Würde der Kirche. Kaum entging er
dem Tod, als er sich einst weigerte, eine feindliche Stückkugel zu taufen.
Den Soldaten gegenüber, die in ihrem Aberglauben ihre Festung für
unüberwindlich hielten, sobald die hereingeschossene Kugel getauft
würde, erklärte er, Gott habe ihn wohl berufen, Menschen zu taufen,
nicht aber Stückkugeln und Waffenrüstungen. Man sagt, er sei in
einen mit Pulver gefüllten Mörser gesteckt worden, aber das Pulver
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