Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 114

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 114

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Konfirmation 7

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SE Der utheranes

Christus, des lebendigen Gottes Sohn“, Matth. 16, 16. Das
hatten sie nicht aus Fleisch und Blut, sondern vom Vater im
Himmel. Das gehörte Wort hatte Gottes Geist in ihren Herzen
lebendig und kräftig gemacht, sie standen im Glauben an Christum.
Sie hatten schon manches schöne Bekenntniß von ihm gethan. Sie
hatten bei ihm beharret in seinen-Anfechtungen. Er hatte ihnen
das Reich beschieden. Diese Leute sollten nun aus der stillen Lehre
heraus, hinaus in die Welt, in die ernste Arbeit, in mancherlei
Gefahr, Noth und Anfechtung, die sie noch nicht kannten. Da
sagt ihnen der treue Heiland Worte der Warnung, des Trostes
und der Mahnung, die auch wir brauchen können. Er wendet
sich an seinen Petrus und sagt: „Simon, Simon, siehe, der
Satanas hat euer begehrt, daß er euch möchte sichten, wie den
Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht
aufhöre. Und wenn du dermaleins dich bekehrest, so stärke deine
Brüder“, Luc. 22, 31. 32.

Der Heiland redet Worte ernster Warnung. Er redet
von Gefahren, die seinen Jüngern drohen, Gefahren, bei denen
ihre Seele und Seligkeit auf dem Spiel steht. Hinter all diesen
Gefahren steht der Teufel, der Mächtige aus der Hölle. „Sata⸗
nas hat euer begehrt.“ Und der wüthet nicht planlos und ziel⸗
los; er weiß, was er will. Der hat Böses im Sinn und das
meint er mit Ernst. Er will sie sichten wie den Weizen, ver⸗
suchen und anfechten, ist thätig und geschäftig, sie zu verführen,
zum Abfall zu bringen, in Verderben und Verdammniß zu stürzen.
Sie kennen die Gefahren nicht. Der Heiland aber sieht und weiß
sie und darum sagt er es ihnen. Aber wenn er es ihnen sagt,
dann glauben sie gar nicht, daß die Gefahr so nahe und so
groß sei. Und Petrus meint gar: Wenn sie auch kommt, und
wenn sie auch groß ist, ich werde sie schon bestehen, ich bin stark;
wenn sie auch alle fallen, ich nicht. Darum warnt der HErr ihn
besonders, nennt ihn mit Namen, sagt ihm, er werde gerade
durch seine Sicherheit in Gefahr kommen, ja abfallen, und zwar
so sehr, daß er ewig darin umkommen werde, wenn er, der Hei⸗
land, nicht dafür sorge und bitte, daß sein Glaube nicht aufhöre.
Und Petrus hat das ja bald darnach erfahren. Er hat verleug⸗
net, hat in der Angst es über sich gebracht, von seinem Heiland
zu sagen: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Ehe der Morgen
graute, hat Petrus in bitterer Erfahrung gelernt, wie furchtbar
der Satan sichten kann, wie leicht man fallen kann, wie nahe
man dem Fall ist, wenn man nicht wacht, wenn man sicher ist
und sich stark dünkt.

In ähnlicher Lage seid ihr, liebe Kinder. Ihr habt den
Heiland nicht erwählt, sondern er hat euch erwählt. In frühester
Kindheit hat er in der Taufe euch auf seine Arme genommen und
gesagt: Du bist mein! Ihr habt in Schule und Confirmanden⸗
unterricht den Heiland aus seinem Wort kennen gelernt, seid —
Gott gebe es! — dahin gekommen, daß ihr eure Sünde erkennt,
an Christum von Herzen glaubt, ihn und sein Wort von Herzen
liebt. Davon wollt ihr nun ein gut Bekenntniß thun vor vielen
Zeugen. Ihr wollt euren Taufbund wiederholen. Das soll kein
neuer Bund sein, der den ersten alt macht. Ihr wollt euch nur
zu eurer Taufe bekennen, wollt öffentlich es bezeugen: So stehen
wir jetzt noch; wir sind nicht gesonnen, von unserm Taufbund
das Geringste zurückzunehmen. Wir sagen aufs neue dem Teufel
und allen seinen Werken und all seinem Wesen ab und sagen uns
dem dreieinigen Gott zu. Wir wollen ihm, seinem Wort und

seiner Kirche treu bleiben bis in den Tod. Und damit wollt ihr
nicht Gott und Menschen belügen; ihr wollt das halten. Ihr
wißt und wir alle wissen, wie viele untreu geworden sind. Die
Gefahren werden vielen von euch von jetzt ab empfindlich ent⸗
gegentreten. Satan wird versuchen, euch zu sichten. Ihr kommt
mit der Welt in Berührung, und die meint es böse. „Sie hat
fast auf allen Wegen unsern Füßen Netz gestellt.“ Euer eigen
Fleisch und Blut ist allen Verführungen des Teufels und der
Welt geneigt. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Die Gefahren sind groß. Schätzt sie ja nicht gering. Und sagt
nicht mit Petro: Ich bin stark, ich werde mich schon vorsehen, ich
werde schon bleiben. Dann wird es auch euch ergehen, wie es
Petro ergangen ist.

Und du, älterer Christ, du sollst nicht leer ausgehen. Du bist
auch noch nicht am Ziele. Du kennst die Gefahren aus eigener
Erfahrung. Und vor allem weißt du, was die Schrift davon
sagt. Du weißt, was sie von Fleisch und Blut sagt, und deine
Erfahrung bestätigt das. Und solches Fleisch trägst du noch
an dir. Du lebst in der Welt, wo es an Sünden und Noth nicht
fehlt. Der Satan ist da mit seinem Sieb. Der alte böse Feind
meint es mit Ernst. Und gerade in der letzten Zeit hat er großen
Zorn. Da sichtet er so arg, daß es ein Wunder der Gnade
Gottes ist, daß selbst die Auserwählten nicht in Irrthum ver⸗
führt werden, Matth. 24, 24., und der Gerechte kaum erhalten
wird, 1 Petr. 4, 18. Wir können uns die Gefahren und unser
eigen Unvermögen nicht groß genug ausmalen. „Mit unser
Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren.“ Es ist
uns gut, daß uns die fleischliche Sicherheit und das Vertrauen
auf eigene Kraft gründlich ausgetrieben wird. So lernen wir
schaffen, selig zu werden mit Furcht und Zittern, Phil. 2, 12.,
lernen wachen und beten, daß wir nicht in Versuchung fallen,
Matth. 26, 41.

Die fleischliche Sicherheit soll uns allerdings verleidet und
ausgetrieben werden. Aber wir sollen nicht zur Verzweiflung
geführt werden. Nein, im Gegentheil. Wenn wir nun erschreckt
fragen: „Je, wer kann denn selig werden?“ dann sieht JEsus
auch uns an und sagt uns: „Bei den Menschen ist's unmöglich;
aber bei Gott sind alle Dinge möglich“, Matth. 19, 26. Das
sollen wir eben lernen: von uns selbst absehen, die fleischliche
Sicherheit und das nichtige Selbstvertrauen verbannen und auf
Gott und seine Treue sehen; dann werden wir recht getrost,
göttlich gewiß. Der Heiland sagt seinem Petrus: „Ich habe für
dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre.“ Wenn du kläglich
zu Fall kommst, dann will ich dich wieder aufrichten und halten.
Ich will dafür sorgen, daß dein Glaube nicht aufhört. Der
Vater hat dich mir gegeben, und niemand soll dich aus meiner
Hand reißen. Ich selbst habe den Vater für dich gebeten, daß
du bleibest bis an das Ende. Und Petrus hat auch das er⸗
fahren. Sein Heiland sieht ihn an, ihn, den Tiefgefallenen.
Der Heilandsblick macht das Heilandswort in Petri Herzen
wieder lebendig, zündet den Glauben wieder an. Er thut
Buße, steht auf von seinem Fall. Er ist von fleischlicher Sicher⸗
heit geheilt; er hat aber auch gelernt, seine Hoffnung ganz auf
die Gnade zu setzen. Und das ist ihm eine lebendige Hoffnung,
1 Petr. 1, 13. 3.

Was der Heiland dem Petrus sagt, das sagt er auch uns:
„Ich habe für dich gebeten.“ In seinem hohenpriesterlichen

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