Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 117
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 117
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 16 · Glaube 20 · Glaube 23 · Glaube · Vergebung 7 · Rechtfertigung 12 · Rechtfertigung 30 · Rechtfertigung 33
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auch entgegenkommen müssen, und daß Gott uns dann wirk⸗
lich die Sünde vergibt und uns rechtfertigt. Gott hat uns
schon längst „wirklich“ die Sünde vergeben und uns gerecht⸗
fertigt, nämlich in Christo, unserm Stellvertreter; und er hat
uns die Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung „wirk⸗
lich“ gegeben, nämlich durch das Evangelium. Um diese nun
zu besitzen und zu genießen, sollen wir sie nur annehmen,
glauben.
7. So gibt es nur Eine Ursache, die Gott bewegt, uns die
Sünden zu vergeben und uns zu rechtfertigen, nämlich eine
Ursache, die nur und allein in Gott ist, nämlich seine Gnade
und das Verdienst Christi, item, die aus seiner
Gnade durch Christum geschehene Versöhnung. Und
gerade weil nur diese Eine Ursache da ist — weil nur in Gott
die Ursache ist, die Gott bewegt, uns die Sünden zu vergeben
und uns zu rechtfertigen — deshalb sollen wir — deshalb
sollen wir nur glauben, nur annehmen, nur dem vertrauen,
uns nur auf das verlassen, was Gott aus Gnaden für uns und
an uns gethan hat und thut und uns schenkt und gibt, nämlich
die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt. „Derhalben muß die
Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf daß sie sei
aus Gnaden“, Röm. 4, 16. Gerade daß wir die längst ge⸗
wirkte und angebotene und geschenkte Gerechtigkeit nur glauben
sollen, das zeigt, daß sie aus Gnaden ist.
Es ist also nicht wahr, sondern es ist eine grobe und
greuliche Lüge, daß es eine zweifache Ursache gibt, die Gott
bewegt, uns die Sünden zu vergeben und uns zu rechtfertigen,
nämlich daß die eine Ursache in Gott ist, nämlich seine Gnade
und das Verdienst Christi, item, die aus seiner Gnade durch
Christum geschehene Versöhnung, und daß die andere Ursache
im Menschen ist, nämlich der Glaube.
Und es ist nicht wahr, sondern es ist eine grobe und
greuliche Lüge, daß der Glaube eine „sittliche That“ des Men⸗
schen ist, durch welche der Mensch sich als für die Gnade empfäng⸗
lich erweist und durch welche Gott bewegt wird, die Gnade nun
wirklich über ihn walten zu lassen, und ihm, dem Gläubigen, die
Sünden zu vergeben und ihn zu rechtfertigen.
Es ist nicht wahr, sondern es ist eine grobe und greu⸗
liche Lüge, daß wir, um in Folge der geschehenen Versöhnung
Vergebung der Sünden und die Rechtfertigung zu empfangen,
nun auch an unserm Theile etwas thun, nämlich glauben
müssen, nämlich die Gnade Gottes erkennen, uns dazu schicken,
Gott dankbar sein, unsere Sünden bereuen und hassen und lassen,
Gott um Gnade anrufen, ein neu christlich Leben anfangen —
und daß uns Gott dann unsere Sünden vergibt und uns recht⸗
fertigt, weil er dann sieht, daß wir seiner Gnade auch werth,
dafür empfänglich sind.
Es ist nicht wahr, sondern es ist eine grobe und greu⸗
liche Lüge, daß Gott zu uns so sagen soll: „Ich habe so viel
für euch gethan; nun thut ihr aber auch etwas; dann
will ich euch um Christi willen die Sünden vergeben
und euch rechtfertigen.“
Ja, durch solche Rede und Lehre wird der Glaube zu einem
Werk des Menschen gemacht, welches zu der durch Christum
geschehenen Versöhnung hinzukommen muß, um Gott zu be⸗
vegen, einem Menschen die Sünden zu en und ihn zu
rechtfertigen.
* — I
Es ist nicht wahr, sondern es ist eine satanische Verdrehung
der Schrift, wenn man diese fluchwürdige Lehre mit solchen
Sprüchen beweisen will: „Da nun JIEsus ihren Glauben sahe,
sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine
Sünden sind dir vergeben“, Matth. 9, 2. Und: „Was sagt
denn die Schrift? Abraham hat Gott geglaubet, und das
ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“, Röm. 4, 3. Diese Sprüche
(und ähnliche) sagen nicht, daß ein Mensch erst gläubig sein und
daß der Glaube hinzukommen muß, und daß ihm Gott dann die
Sünden vergibt und ihn rechtfertigt. Auch sagen sie nicht, daß
der Umstand, daß ein Mensch glaubt, ihm zur Gerechtigkeit ge⸗
rechnet wird — wie die falschen und leichtfertigen Lehrer und
Prediger narren. Sondern was sagen diese und ähnliche
Sprüche? Sie sagen, daß ein Mensch durch den Glauben
das hat, was längst für ihn da ist, nämlich die Rechtfertigung
und Vergebung der Sünden.
Höre! ö
Der Glaube ist keine Ursache, die Gott bewegt, uns die Sün⸗
den zu vergeben und uns zu rechtfertigen. Durch den Glauben
ergreift vielmehr der Mensch die ihm allein aus Gnaden durch
Christum gewordene und durch das Evangelium ganz bedin⸗
gungslos geschenkte Vergebung der Sünden und Rechtfertigung.
Höre ferner!
Der Glaube ist ja freilich ein Thun und Werk des Menschen.
Annehmen, vertrauen, sich auf etwas verlassen ist doch ein Thun
und Werk des Menschen. Und annehmen, was Gott gibt, auf
Gott vertrauen, sich auf Gott verlassen und auf sein Wort
— das ist sogar ein gutes und schönes Thun und Werk des
Menschen.
Aber!
Erstens: Dies Glauben, dies Annehmen, dies Vertrauen,
dies Sichverlassen auf Gott — das ist nicht aus uns; Gottes
Gabe ist es; Gott wirkt den Glauben in uns, Eph.
2, 8. Col. 2, 12. Wir, aus uns selbst, können nicht glauben,
nicht annehmen, was Gott gibt, nicht auf Gott vertrauen, uns
nicht auf Gott verlassen; denn uns ist das ganze Evangelium
eine Thorheit, wir können es nicht erkennen, 1 Cor. 2, 14. Der
Glaube ist eine purlautere Gnadengabe und Wirkung Gottes,
die Gott mit viel Mühe in uns zuwege gebracht hat.
Und zweitens: Bei dem rechtfertigenden Glauben, das
heißt, dabei, daß der Glaube die Vergebung der Sünden und
die Rechtfertigung annimmt, darauf vertraut, sich darauf verläßt
und so in den Besitz und Genieß derselben kommt — merkst du
auf? — dabei kommt es gar nicht in Betracht, daß der Glaube
ein Thun und Werk und sogar ein gutes und schönes Thun des
Menschen ist; sondern dabei — merkst du auf? — ist der
Glaube nur das von Gott selbst im Menschen geschaffene
Mittel oder die von Gott selbst geführte und geöffnete Hand
des Menschen, durch die der Mensch das empfängt,
was Gott schon längst für alle Menschen aus Gnaden durch
Christum bereitet hat und was Gott durch das Evangelium
schenkt, offenbart und gibt, nämlich die Vergebung der Sünden
und die Rechtfertigung.
Gott hat der ganzen Welt —— Christum die Sünden ver⸗
geben, die ganze Welt durch Christum gerechtfertigt; diese Ver⸗
gebung der Sünden und Rechtfertigung offenbart und gibt er
uns durch das Evangelium; er selbst überredet uns, das anzu⸗
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