Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 123

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 123

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang

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SSDer utheranete

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Hun

user HErr schon Befehl thun, daß der Simon von Kyrene kommt und
r dein Kreuz tragen hilft. Laß du ihn nur sorgen! Er wird's wohl
chen.“ Bald nach diesem Gespräch ist meine Mutter im festen Glau⸗
heimgegangen. Ihr Trost aber und ihr Segen sind bei mir ge⸗
sieben. Ich habe mich spät verheirathet. Mein Mann starb früh
ud ließ mich wiederum allein mit meiner einzigen Tochter. Die ist
un neunzehn Jahre alt, gerade so alt, wie ich damals war, als ich mit
einer Mutter die Unterredung hatte. Da steht sie, und ich kann
hnen nur sagen, daß sie mich noch viel besser und treuer gepflegt hat,
8 ich meine selige Mutter gepflegt habe. Darum muß ich jetzt so oft
umeine gute Mutter denken, und ich sehe es ein: Meine Tochter ist
r Simon von Kyrene, den mir der liebe Gott geschickt hat, daß er
ein Kreuz tragen hilft, wie mir es meine Mutter sagte.“

Tief ergriffen und erbaut nahm ich von der kranken Mutter und
rer Tochter Abschied. Eine Auslegung jener schlichten Worte der
chrift über Simon von Kyrene hatte ich gehört, dergleichen mir noch
cht vorgekommen war. Zweierlei war mir klar geworden: Der⸗
nige ist glücklich zu preisen, der ein Simon von Kyrene sein darf für
dere! Wer aber den gewissen Glauben hat, es werde zur Zeit der
oth der Simon von Kyrene, den er braucht, sicherlich erscheinen, der
noch glücklicher zu preisen.

„Wann ich einmal soll scheiden.“

Als im Jahre 1798 für Christian Friedrich Schwarz, der mit so
oßem Segen von 1750 an als Missionar auf der malabarischen
üste Ostindiens gearbeitet hatte, die Zeit des Abscheidens gekommen
ar, standen seine malabarischen Gehülfen um sein Sterbebett, auf
mer noch allen, die um ihn waren, ein treuer Lehrer und ein Bei⸗
iel der Demuth, des Glaubens, der Geduld und Hoffnung war.
Is er nun das Nahen des Todes fühlte, rief er: „In deine Hände
fehle ich meinen Geist; du hast mich erlöset, du getreuer Gott“,
orauf ihm dann die malabarischen Missionsgehülfen in ihrer Sprache
e beiden letzten Verse des Liedes: „O Haupt voll Blut und Wunden“
m Todesschlafe sangen. Oefters stimmte er noch mit ein, bis sein
dem ausging und er dann in den Armen seiner treuen und herzlich
ikbaren Mitarbeiter verschied.

Als am 24. Juni 1757 Tobias Kutschera zu Berlin als sechsund⸗
htzigjähriger Greis auf dem Sterbebette lag, besuchten ihn mehrere
laubensbrüder und fanden ihn ohne Bewußtsein, so daß sie ver⸗
utheten, sein Ende sei nahe. Da stimmten sie die Verse: „Wann
einmal soll scheiden“ und „Erscheine mir zum Schilde“ an, und
he! alsbald ward sein Geist wieder klar und er fing an, mit
jwacher Stimme mitzusingen; dann sagte er: „Ich bin doch noch
emals so vergnügt gewesen wie jetzt; ich bin schon mehr beim Hei⸗
nd als hier. O wie trösten mich IEsu Wunden und Schmerzen
er den kleinen Schmerz, den ich noch auszustehen habe.“ Bald dar⸗
sf ging er heim zu seinem HErrn.

Das heilige Abendmahl.

Das Abendmahl, so Christus mit seinen Jüngern gehalten und
nen sein Valet gegeben hat, wird sehr freundlich gewesen sein, da
zristus mit ihnen so gar lieblich und herzlich geredet hat, als ein
ater mit seinen lieben, lieben Kindlein, wenn er von ihnen scheiden
U[ und muß. Er hat ihnen ihre Schwachheit zu gute gehalten und

ld mit ihnen gehabt, ob sie wohl bisweilen grob herausfuhren
lallten. Es waren ohne Zweifel feine, holdselige und freund⸗

Gespräche gewesen, da Philippus sagt, Joh. 14, 8.: „HErr,

zeige uns den Vater“, und Thomas, V. 5.: „Wir wissen den Weg
nicht“, und Petrus, Joh. 13, 37.: „Ich will mit dir in den Tod
gehen.“ Es ist kein lieblicheres und tröstlicheres Mahl vom Anfang
der Welt gewesen als dieses. (Luther.)

Gründonnerstag in Rom.

Wie der Pabst und seine Cardinäle den grünen Donnerstag ge⸗
feiert haben, darüber theilt Luther in seinen Tischreden Folgendes
mit: „Zu Rom pflegt man alle Jahre am grünen Donnerstag die
Ketzer zu verbrennen, darunter ich, D. Martin Luther, der erste und
vornehmste bin. Es hat der Pabst einen eigenen Kirchhof dazu her⸗
richten lassen. Da sitzt der Pabst auf einem großen schönen Stuhl,
und die Cardinäle stehen um ihn her auf einem schönen Podium; sie
schießen brennende Fackeln von sich und löschen sie im Werfen aus,
damit anzuzeigen, daß der verbanneten Personen Glück und Heil mit
den ausgelöschten Fackeln auch sollte ausgelöscht sein. Und dabei
läutete man mit einem Glöcklein, das hat man genennet beleuchtet
und beläutet. Das geschieht auf den heiligen Tag, da man Gott
für seine große Wohlthat des Abendmahls, auch seines Leidens und
Sterbens danken sollte. Da sitzt denn der Pabst obenan, die Cardi⸗
näle blasen die Fackeln aus und werfen die Verbanneten alle in die
Hölle. Ich bin von ihnen schon vom 1518. Jahre her in die Hölle
geworfen worden; ich bin beleuchtet und beläutet worden und lebe
gleichwohl noch.“

Christi Leiden.

Ist es nicht ein wunderlich Ding, daß Gottes Sohn soll da sitzen
und sich so jämmerlich martern, spotten und verhöhnen lassen! Den
doch alle Engel anbeten, vor dem die Erde erzittert, den alle Creaturen
für ihren Schöpfer erkennen, dem speien sie ins Angesicht, schlagen ihn
mit dem Rohr auf den Mund und sagen: „Ei, er ist ja ein König;
er muß Krone und Scepter haben!“ Matth. 27, 28—30. — Ach, es
ist mit unserm Leiden nichts! Wenn ich unser Leiden ansehe, möchte
sich einer wohl zu Tode schämen. Noch sollen wir gleichförmig werden
dem Ebenbilde des Sohnes Gottes; und ob wir schon gleichförmig
werden, so ist es doch nichts. Er ist der Sohn Gottes, wir sind
arme Creaturen. Wenn wir schon den ewigen Tod litten, so ist es
doch nichts. * (Luther.)

Verstrickt in Todesbande.

Ein Militärarzt erzählt aus seiner Thätigkeit in Indien folgendes
Erlebniß: „Ein Soldat stürzte eines Tages in das Zelt und sagte mir,
daß einer seiner Kameraden in einem nahen Teiche ertrinke und nie⸗
mand versuchen wolle, ihn zu retten, wegen der dichten Pflanzen, welche
die Oberfläche des Wassers bedeckten. Als wir dorthin kamen, fanden
wir den armen Menschen in seinem letzten Kampfe, tapfer versuchend,
sich aus den Maschen des strickartigen Grases zu ziehen, das sich um
seinen Körper gewunden hatte; aber allem Anschein nach schlang es
sich nur desto fester um seine Glieder, je mehr er sich bemühte, frei zu
werden. Endlich sank er, und die schwimmenden Pflanzen schlossen
sich wieder zusammen und ließen keine Spur des Unglücksfalles zurück.
Es wurde ein Floß gemacht, und wir ruderten nach der Stelle hin,
senkten eine Stange von etwa zwölf Fuß hinab, ein Eingeborener hielt
sich an dieser fest, tauchte unter und brachte die Leiche herauf. Ich
werde nie den Gesichtsausdruck dieses Todten vergessen, die zusammen⸗
gebissenen Zähne und die furchtbare Verzerrung des Gesichts, die Ge⸗

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