Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 122
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 122
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Konfirmation 7
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Der V„Tutheranet
Der Denkspruch.
„Welchen Denkspruch erhieltest du doch am Tage deiner Confir⸗
mation?“ fragte ich einmal einen neunzehnjährigen Jüngling, der im
Krankenhause daniederlag.
„Ja, das weiß ich nicht mehr.“
„Aber, mein Freund, der Denkspruch ist doch kein Vergeßspruch.
Diesen Spruch, den dir dein Seelsorger mitgibt auf den Lebensweg,
sollst du doch nicht vergessen. Der soll ja dein Geleitsmann sein auf
dem Lebenswege.“
„Ja, man kann doch alles vergessen“, war die Antwort, die ich
nun erhielt.
Ja, leider ja, der Mensch kann alles vergessen, er kann Gottes Wort
vergessen, er kann sich selbst vergessen. Selbst das Gedächtnißblatt, den
Confirmationsschein, hatte der Jüngling nicht mehr. Irgendwo bei
einer Schwester (meinte er) werde es wohl hängen.
Ihr Confirmanden, was macht ihr mit eurem Denkspruch? Sie
werden euch gegeben nicht zum Vergessen, sondern zum Darandenken.
Hängt ihn auf in eurem Kämmerlein über euren Betten, daß der Blick
darauf falle, so oft ihr aufsteht und so oft ihr euch niederlegt, so oft
ihr euch sammelt zu andächtigem Herzensgebet. Nehmt den Spruch
hinein ins Herz und verwahrt ihn in einem feinen, guten Herzen.
Mein Kind: „Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme!“
Da hat eine andere Kranke, die ich auch zu besuchen hatte, ihren
Denkspruch besser beherzigt, der ihr in den Tagen schwerer Heim⸗
suchung zu einem rechten Troste geworden ist. Es ist das herrliche
Psalmwort: „Was betrübest du dich, meine Seele, und bist so un⸗
ruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß
er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist.“
„Eines ist noth!“ gab ich einst einer lieben Confirmandin als
Denkspruch mit. Sie ist nun schon seit Jahren heimgegangen — ja
heimgegangen. Denn sie hielt es, diese Maria, mit ihrem Denk⸗
spruch: „Eines ist noth! Maria hat das gute Theil erwählet, und
das soll nicht von ihr genommen werden.“
Und ihr, liebe Confirmanden, wollt ihr es anders machen? O be⸗
denkt es recht: „Eines ist noth!“ Dann hat es mit euch keine Noth,
dann erspart ihr euch viel Noth und Mühe, dann habt ihr eine glück⸗
liche Jugend, ja, eine ewige Jugend. Also ins Herz mit eurem
Denkspruch! Da allein ist er gut aufgehoben.
Vom heiligen Blut.
Der Baron von Gasser lag im Jahre 1713 zu Wien an der Pest
danieder. Er lag am Verscheiden. Im Zimmer war allein der römische
Priester, der das Sterbesacrament, die letzte Oelung, ertheilt hatte.
Da wandte dieser sich vor dem Weggehen noch einmal zu dem Todt⸗
kranken und rief ihm mit lauter Stimme in das Ohr, er solle sich allein
auf das Blut und Verdienst Christi verlassen, die Heiligen könnten ihm
nicht helfen!
Der Todtkranke nahm dies tief zu Herzen und auf seinem Lager
begriff er es. Als er aber durch Gottes Gnade wieder Genesung ge⸗
funden hatte, sagte er es den Priestern, daß es mit den zweihundert
römischen Messen nichts wäre, die für ihn hatten gelesen werden sollen.
Da wollten sie diesen Mund zum Schweigen bringen, und er mußte
eiligst fliehen.
So kam der Baron auch nach Memmingen. Da geschieht es, daß
sein Wirth zu einer Hochzeit geladen wird, und er ladet ihn ein, mit⸗
zugehen. Er thut es. Er denkt, du willst doch einmal sehen, wie es
bei den Lutherischen hergeht. In der Kirche hört er den alten Super⸗
intendenten Wachter lesen und reden von dem Blut Christi, das uns
rein macht von allen Sünden, und am Altar erblickt er das Heilands⸗
bild am Kreuz. Er war wie im Traum. Als die Hochzeitsleute nach
der Mahlzeit weggingen und jeder dem jungen Ehepaar etwas gab,
da schenkte ihnen der Baron ein Goldstück. Sie aber sagten, sie woll⸗
ten es nur dann behalten, wenn er auch ein paar Tage Quartier bei
ihnen nähme. Das mußte er denn thun. Da sah er zuerst eine Bibel,
und als er sie aufschlug, stand da: „Das Blut IEsu Christi, des Soh⸗
nes Gottes, macht uns rein von aller Sünde!“ Wunderbar! Nun
hielt ihn nichts mehr zurück. So hat ihn der Superintendent Wachter
unterrichtet und in St. Martin feierlich in die lutherische Kirche auf⸗
genommen. Die Verfolgung von Seiten der Katholiken war so groß,
daß er unter besonderen Schutz des Stadtraths gestellt werden mußte.
Am heiligen Abend aber vor Pfingsten ging er zur Beichte. Da
erhielt er die Absolution vor dem Altar, „wo IEsus am Kreuze hing“,
wie er selbst erzählt, „in Gegenwart vieler Menschen hohen und nie⸗
deren Standes, und sind dabei viele tausend Zähren vergossen wor⸗
den, und ich glaube, daß IEsus mich von meinen Sünden mit seinem
Blute wahrhaftig gewaschen und von allen Sünden frei und los und
ledig gemacht hat“.
Er hatte verlassen aller Welt Gut, aber hatte Theil am heiligen
Blut. Und alle auf Erden, so viele ihrer die Kraft des Blutes ken⸗
nen, werden in die lange Procession der unzähligen Seelen eintreten,
welche auf der mühseligen Erde, wie einst im seligen Himmel mit
hellen Kleidern rühmen werden, nach einem Liede, das einst im Mittel⸗
alter gesungen wurde:
Wi verlaten aller Welt God
Um dat hillige Blot,
Dat vergoten is am Crüze frohn,
Dat geve uns Godt tho Lohn.
Kyrieleis.
(Christophorus.)
Simon von Kyrene.
Ein Prediger erzählt aus seinem Amtsleben:
An einem Winterabend, an dem es gewaltig durch einander
schneite, regnete und stürmte, wurde ich unerwartet zu einer armen,
alten kranken Frau gerufen, welche das heilige Abendmahl begehrte.
Nachdem die heilige Handlung vollzogen war, ließ ich mich neben dem
Bett der Kranken, zu deren Häupten ihre erwachsene Tochter stand,
nieder, um noch einen Trost aus Gottes Wort zu spenden. Da sagte
die Kranke: „Ja, lieber Herr Pastor, ich habe, wie Sie sehen, viel Leid
und Trübsal. Aber der HErr, der die Last auferlegt, hilft sie auch
tragen. Ich denke jetzt oft an meine selige Mutter. Die ist nun schon
lange im HErrn entschlafen und hat überwunden. Ehe sie so weit
kam, da mußte sie viel größeren Schmerz erdulden, als ich jetzt zu er⸗
dulden habe. Als sie nun so geduldig in ihrem Schmerz dalag und
ich sie pflegte, da sagte ich einmal zu ihr: „Liebe Mutter, du hast's
schwer! du bist sehr krank, und arm sind wir auch dazu; aber wenn
wir auch wenig haben, eins haben wir doch, und das ist viel werth:
ich darf und kann dich pflegen. Du hast's ja oft gesagt, wie sehr du
dich freust und dem lieben Gott dankbar bist, daß du eine Tochter hast,
die dich nicht verläßt; allein, wie soll's mit mir werden, wenn ich ein⸗
mal alt und krank und schwach werde? Wer wird sich meiner an⸗
nehmen, wenn ich nun so allein bin?“ Da richtete sich die Mutter
hoch auf in ihrem Bette und sagte: „Liebes Kind, hast du die Schrift
nicht gelesen? Als unser HErr auf dem Weg nach Golgatha unter sei⸗
nem Kreuze zusammenbrach, da fanden sie alsbald einen Mann, der
hieß Simon von Kyrene, und den zwangen sie, daß er dem HErrn
sein Kreuz abnahm. Sieh, wenn du alt und schwach bist, da wird
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