Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 118
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 118
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 7 · Miſſion 13
118
r V„Dutherans
nehmen, er selbst wirkt den Glauben in uns; wir glauben und
nehmen an und besitzen und genießen nun Vergebung der Sünden.
— Wo ist da der Glaube eine Ursache, die Gott bewegt, uns
die Sünden zu vergeben? Oder wo kommt da der Glaube als
ein gutes und schönes Werk oder als eine „sittliche That“
des Menschen in Betracht?
Es ist alles Gnade.
So lerne jetzt ein frommer Christ
Des Glaubens recht Gestalte;
Nicht mehr, denn, lieber HErre mein,
Dein Tod wird mir das Leben sein,
Du hast für mich bezahlet.
Das größte und wichtigste Missionsfeld unserer
Synode.
Hast du, lieber Leser, schon einmal darüber nachgedacht,
welches wohl das größte, wichtigste und vom HErrn am reichsten
gesegnete Missionsfeld unserer lieben Synode ist? Gewiß hat
dich diese Frage schon oft beschäftigt. Wie lautet denn nun deine
Antwort? Innere Mission? Brasilien? Negermission? Indien?
Es ist wahr, das sind alles große, wichtige Missionsfelder. Aber
das größte, das wichtigste, das vom HErrn am reichsten
gesegnete Missionsfeld unserer Synode liegt uns allen doch
noch viel, viel näher als Indien oder Brasilien, ja sogar noch viel
näher als das große, wichtige Gebiet der Inneren Mission: das
sind nämlich unsere lieben, theuren Gemeindeschulen.
Vielleicht sprichst du, lieber Leser, verwundert: „Aber das
ist doch kein Missions feld!?“ Doch! lieber Leser, doch!
Denn was ist doch die eine große Hauptaufgabe aller wahren
christlichen Missionsarbeit? Ganz gewiß nichts anderes als dies,
daß durch die Predigt des Evangeliums von der freien Gnade
Gottes in Christo Sünder zur Erkenntniß ihres Heilandes ge⸗
bracht werden, damit sie zum Glauben an ihn kommen und durch
diesen Glauben selig werden mögen. Und das, eben das und
nichts anderes ist ja die hochwichtige Aufgabe unserer Gemeinde⸗
schulen.
Zwar sind ja die allermeisten Kinder, die unsere Schulen
besuchen, schon in früher Kindheit durch die heilige Taufe dem
Heilande in die Arme gelegt worden. Da hat der Heilige Geist
sie durch das Bad der Wiedergeburt von ihren Sünden gereinigt
und das Pflänzlein des Glaubens in ihr Herz gepflanzt. Dies
neue Leben würde aber bald ersterben, das Pflänzlein des Glau⸗
bens würde gar bald verkümmern und verwelken, unsere Kinder
würden für Christum und sein Reich, seine Kirche, verloren gehen,
wenn ihnen nicht durch fleißigen Unterricht in der seligmachenden
Wahrheit das Brod des Lebens, das Licht des Wortes gereicht
würde, wenn sie nun heranwachsen. Darum hat Christus nicht
nur befohlen: „Taufet alle Völker“ — also auch die Kinder —,
sondern er setzt sofort auch den andern ebenso wichtigen Befehl
hinzu: „Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen
abe.“
Und wahrlich, das ist ein hochwichtiges Missionswerk! Man
könnte es mit Recht das Herz der Inneren Mission nennen.
Handelt es sich doch dabei um die Rettung unserer eigenen
Kinder, um die Bewahrung und Erhaltung des Nachwuchses,
den der HErr unsern Gemeinden, unserer Synode, der lutheri⸗
schen Kirche gegeben hat. Unsere Gemeindeschulen sind also im
eigentlichen Sinne des Wortes „Seminare“, das heißt, Samen⸗
gärtlein, Pflanzschulen, in denen die Bäumlein herangezogen
werden, die später als Bäume in dem Garten der Gemeinde
hier auf Erden reiche Frucht bringen und endlich in den Para⸗
diesesgarten dort oben versetzt werden sollen.
Und welch ein großes, mächtiges Missionsfeld ist das! Nach
dem „Statistischen Jahrbuch“ unserer Synode für das Jahr 1904
verkündigten in 1931 Schulen 1082 Pastoren, 874 Lehrer und
187 Lehrerinnen, also im Ganzen 2143 „Missionare“ das Wort
des Lebens vor 96,888 Kindern, die der HErr IEsus mit seinem
Blute theuer erkauft hat. Es ist wohl kaum zu viel gesagt, wenn
wir behaupten: Keine andere protestantische Kirchengemeinschaft
hat ein so gewaltiges Missionsfeld aufzuweisen! Welch eine
große Thür hat der HErr uns da aufgethan!
Aber wie? Erkennen wir diese hohe Gnade nun auch dank⸗
bar an? Freuen wir uns dieses herrlichen Vorrechts von Herzen?
Sind wir allezeit darauf bedacht, diese großartige Gelegenheit,
Seelen zu retten, gründlich auszukaufen? Sind uns unsere
Schulen keine Last, die wir loswerden möchten, sondern viel⸗
mehr eine Lust, die wir um keinen Preis missen möchten?
Tragen wir dieses selige Missionswerk immet auf betendem
Herzen? Sind wir gerne bereit, mit fröhlichem Herzen auch
gerade für diese hochwichtige Mission zu opfern? Erkennen
wir mit dankbarem Herzen die schwere, mühevolle Arbeit an, die
unsere Missionare, das heißt, unsere schulehaltenden Pastoren
und unsere Lehrer, in unsern Schulen in unserm Namen und
Auftrag verrichten? Sorgen wir dafür, daß sie ihres schweren
Amtes mit Freuden und ohne Sorgen der Nahrung warten
können? Halten wir sie nach Gottes Wort „zwiefacher Ehre
werth“? Kurz, helfen wir alle mit Gebet, Rath und That, daß
das heilige Werk der „Kindermission“ durch unsere Gemeinde⸗
schulen erhalten, gebaut und gefördert werde? Es sind dies gar
ernste, wichtige Fragen. Denn an jenem Tage werden wir auch
darüber Rechenschaft geben müssen, wie wir das uns vom HErrn
anvertraute Pfund unserer Gemeindeschulen verwaltet, wie wir
gerade diese herrliche Gelegenheit, Christi Reich bauen zu helfen,
ausgekauft haben.
Aber lohnen sich denn auch all die Mühe und Arbeit, alle
die Opfer, die wir auf diese Mission, auf unsere Schulen, ver⸗
wenden? In unserer geldsüchtigen Zeit ist es zur Mode ge⸗
worden, bei jedem Unternehmen erst zu fragen: „Bezahlt es
sich auch?“ Und diese Redeweise, die man den Schacherern auf
dem Marktplatze abgelauscht hat, wird wohl hie und da auch
unter uns laut, wenn von kirchlicher Arbeit die Rede ist. Man
will nur das als „success““, als Erfolg, gelten lassen, was sich
in Dollars und Cents bezahlt. Ist das nicht der Fall, so erklärt
man es für ein „Failure“, für Mißerfolg, für eine Last, die man
abschütteln müsse. Sind unsere Schulen nun ein Erfolg? Be⸗
zahlen sie sich?
Das Werk der christlichen Mission, also auch unsere Schulen,
sollen sich nach Gottes Willen gar nicht in klingender Münze be⸗
zahlen. Die christliche Kirche, die Gemeinde, soll dadurch gar
nicht reicher werden an irdischem Gut. Sie soll vielmehr von
ihrem irdischen Gut reichlich opfern, damit dieses Werk des
HErrn gefördert werde. „Umsonst habt ihr's empfangen, um⸗
English translation
Not yet translated.