Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 119

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 119

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er „Turheraner

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sonst gebet es auch“, spricht unser Heiland Matth. 10, 8. Aber
der HErr will nun schon hier auf Erden seinen geistlichen
Segen auf diese Arbeit und Mühe und auf alle Opfer legen.
Nicht irdisches Gut, sondern unsterbliche Seelen sollen die
Früchte der Arbeit in seinem Weinberge sein. Und dort im
Himmel will er dann alle Arbeit, alle Mühe, alle Opfer, die wir
auf sein Werk und Reich verwandt haben, mit einem reichen
Gnadenlohn bedenken. Dan. 12, 3. Ps. 84, 7. Matth. 25, 21.

Und wie herrlich hat sich nun der HErr zu unserer Arbeit
in unsern Schulen bekannt! Wie reichlich hat er seinen gött⸗
lichen Segen darüber ausgeschüttet! Es kann nicht geleugnet
werden: das Wachsthum unserer Gemeinden, das Aufblühen
unserer Synode haben wir vor allem auch dem Segen zu ver⸗
danken, den der gütige Gott auf unsere Gemeindeschulen gelegt
hat. Schon hier auf Erden läßt sich dieser Segen von jedem, der
nur sehen will, erkennen. Aber erst der jüngste Tag wird es
völlig offenbaren, wie viel Tausende durch Christi Blut theuer
erkaufte Seelen durch unsere Schulen zu Christo geführt und vom
ewigen Tode gerettet worden sind.

Es bleibt also dabei: Das größte, wichtigste und
vom HErrn am reichsten gesegnete Missionsfeld
unserer Synode sind unsere Gemeindeschülen.
Gebe Gott, daß wir das immer besser erkennen und beherzigen.
Dann werden diese Gottesgärtlein, da die Brünnlein des Höchsten
sind, aus denen unsere Kindlein das Wasser des Lebens trinken,
auch fernerhin bei uns lustig grünen und blühen. Dann werden
sich immer mehr Knaben finden, die sich dieser gesegneten Kinder⸗
mission widmen. Dann wird in unserm täglichen Gebet für die
Mission auch niemals diese Bitte fehlen: „Lieber HErr JEsu,
du großer Kinderfreund, der du willst, daß auch die Kindlein zu
dir kommen sollen, segne unsere lieben, theuren Gemeindeschulen
mit all ihren Lehrern und Schülern! Amen.“ J. A. F.

Auf Missionswegen.

„Nun, so leben Sie denn wohl; der HErr sei mit Ihnen
und segne Ihre Arbeit!“ Mit diesen Worten drückte mir mein
lieber Amtsbruder die Hand, bestieg den Zug und dampfte wenige
Augenblicke später in den schönen Morgen hinein, seiner Heimath
zu. Jetzt stand ich allein auf meinem Missionsposten, einer Stadt
von etwa 12,000 Einwohnern, nebst umliegenden Landdistricten.
Vor etlichen Tagen war ich in feierlichem Gottesdienst ordinirt
worden, und ein Glied der Missionscommission, der vorhin er⸗
wähnte Amtsbruder, war mit mir gereist, um mich meinen Leuten
vorzustellen. Das war denn gestern in einigen Häusern geschehen.
Nun hieß es an die Arbeit gehen.

Ehrlich gestanden, mir war das Herz schwer. Die Heimath
lag so fern im Osten; bis zum nächsten Amtsnachbar waren es
gegen 150 Meilen; mein Missionsfeld war noch unbeackert; das
Volk im Allgemeinen war hier roh, und im Besonderen waren
gerade die Deutschen und „Lutheraner“ geistlich sehr herunter⸗
gekommen oder ganz verkommen — und ich war noch so jung

und unerfahren. Die Aussprachen, die ich in den letzten Tagen

gehört hatte, waren auch nicht dazu angethan gewesen, mich mit
froher Zuversicht zu erfüllen. „Wenn der junge Pastor der
rechte Mann ist, dann gibt es hier bald eine Gemeinde“, hieß

es; aber „der rechte Mann“ war nach Meinung der Leute ein
Mann mit liberaler Gesinnung, gewinnendem Wesen und glän⸗
zender Rednergabe, ein Mann, „der allen gefällt“. Solch ein
Mann war ich nicht. Mein erster Eindruck war daher ganz ent⸗
schieden der: Du paßt nicht für diesen Posten, ein Eindruck, den
auch mein Amtsbruder, der wohl ahnen mochte, was in mir vor⸗
ging, trotz aller Anstrengungen nicht zu verwischen vermocht hatte.

Wohl mancher angehende Missionar mag ähnliche Erfah⸗
rungen gemacht haben, und mancher unserer lieben jungen Reise⸗
prediger, die alljährlich hinausgehen auf die fernen Missions⸗
felder, mag bei sich gedacht haben, oder noch denken: Ich passe
nicht hierher. Aber es ist der HErr, der seine Boten sendet, und
er weiß gar wohl, warum er sie gerade an bestimmte Orte sendet.
Er hat für sie dort Arbeit, die sie ausrichten, Aufgaben, die sie
lösen sollen.

Mein nächster Gang war zurück in mein kleines Gemach,
fünf bei acht Fuß groß, das ich mir bereits gemiethet hatte. Hier
warf ich mich auf meine Kniee nieder und bat den HErrn, mich
auszurüsten mit seinem Geist, mit Freudigkeit, Muth und Kraft,
bat ihn, die Einladung zu seinem großen Abendmahl erfolgreich
und die Predigt seines Wortes fruchtbar werden zu lassen, damit
auch hier ihm Kinder geboren werden möchten. Und der HErr
sprach dazu sein Amen. Gestärkt und ermuthigt erhob ich mich
und ging sofort ans Werk. „Die mich frühe suchen, finden
mich“, verheißt der HErr. Haben unsere Missionare oft nie⸗
manden in der Welt, dem sie ihr Herz ausschütten, mit dem sie
in ihren Kümmernissen reden können: sie haben freien Aufblick
zu den Bergen, von denen Hülfe kommt; sie haben freien Zutritt
zum Gnadenthron, woher ihnen Kräfte fließen; ihnen steht Gottes
Vaterherz offen, aus welchem Trost und Segen quillt.

Ein Mann, dem ich bis heute noch ein freundliches Andenken
bewahre, hatte mir für etliche Tage Pferd und Wagen versprochen,
damit ich die weiter entfernt wohnenden Deutschen aufsuchen
könnte. Zu ihm begab ich mich, holte mir das Fuhrwerk und
kutschirte nun drei Tage lang nach allen Richtungen von der
Stadt aus umher, suchte und fand allerlei deutsches Volk und
lud sie für den folgenden Sonntag zum Gottesdienst in eine
Halle ein, die mein abgereister Amtsbruder und ich bereits ge⸗
miethet hatten. Darauf besuchte ich noch möglichst viele Deutsche
in der Stadt selbst und bereitete mich auf meinen ersten Gottes⸗
dienst auf meinem Posten vor.

Als ich am Sonntag⸗Morgen die Halle betrat — es war
eine Halle, in der allerlei Vereine ihre Zusammenkünfte ab⸗
hielten —, war bereits der freundliche Mann, der mir sein Pferd
geliehen hatte, sammt seiner Gattin da, und beide halfen mir,
die Halle für den Gottesdienst einigermaßen schicklich herzurichten.
Diese lieben Leute haben mir später noch oft hülfreich die Hand
geboten. Der HErr hat in der Regel auch Handlanger für seine
Missionare bereit, die gern und bereitwilligst die Hände regen und
helfen, wo sie können. Ohne Zweifel haben noch viele andere Mis⸗
sionare dieselbe Erfahrung gemacht. Die Halle füllte sich schön an.
Kräftig erklang der Choralgesang; hie und da wurde ein Auge
feucht; andächtig hörten die Leute meiner Predigt über Apost.
4, 12.: „Es ist in keinem andern Heil“ ꝛc. zu, und mancher drückte
mir am Schlusse des Gottesdienstes die Hand, mit der Bitte, ich
möchte doch bei ihnen bleiben, was ich mit der Zusicherung, dazu
sei ich ja gekommen, versprach.

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