Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 8 › Seite 115

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. April 1905, Seite 115

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Konfirmation 7 · Konfirmation 10

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8 Der „VutheranessN.

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ebet bittet er für alle, die durch der Apostel Wort an ihn glau⸗
m werden, Joh. 17, 20. „Wir haben einen Fürsprecher bei
m Vater, IEsum Christum, der gerecht ist“, 1 Joh. 2, 1. „Er
zur Rechten Gottes und vertritt uns“, Röm. 8, 34. „Er lebet
nmerdar und bittet für sie“, Hebr. 7, 25. Bedenke, was das
üßt: der Sohn Gottes bittet für dich! Wir dürfen beten, und
nser Gebet hat die Verheißung der Erhörung. Andere Chri⸗
en beten für uns; und das ist etwas Großes. Aber was ist das
gen das Beten des Sohnes Gottes! Unsere Gebete
erden ja nur erhört um Christi willen. Wir beten durch Chri⸗
um. Der kann sagen: „Vater, ich weiß, daß du mich allezeit
örest“, Joh. 11, 42. Er sagt uns nicht nur: Ich will dich im
hlauben erhalten, ich will dafür sorgen, daß du selig wirst; ich
ill dir meine Gnade, mein Wort und meinen Geist lassen, son⸗
ern sogar: „Ich habe für dich gebeten.“ Ich bitte dich mir
eim Vater aus. „Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen,
ie du mir gegeben hast.“ „Vater, ich will, daß, wo ich bin,
uch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine
errlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich
eliebet, ehe denn die Welt gegründet ward“, Joh. 17, 11. 24.
ein treuer Heiland! Der will gewiß unsere Seligkeit mit Ernst.
her läßt nichts ungethan, daß wir selig werden. Da sind wir
desselbigen in guter Zuversicht, daß der in uns angefangen hat
as gute Werk, der wird's auch vollführen bis an den Tag IEsu
hristi“, Phil. 1, 6.

So könnt ihr, Kinder, getrost dem Heiland neue Treue ge⸗
ben und braucht das nicht mit Zagen zu thun. Bleibt bei
Esu, bei seinem Wort und Sacrament. Vereint euer Gebet
lit der Fürbitte eures Heilandes. Betet:

Faß uns an, o süßer IEsu,

Führ uns durch die Pilgerstraß.
egt eure schwache Hand in IEsu allmächtige Hand.
ieder des Vaters Allmachtshand. „Meine Schafe wird mir
iemand aus meiner Hand reißen. Der Vater, der sie mir ge⸗
eben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus
eines Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind Eines“,
joh. 10, 28—30. JIeEsus faßt deine Hand und des Vaters
dand. Er läßt dich nicht. Reiß du dich nur nicht von ihm los.
Ich in ihnen und du in mir“, Joh. 17, 23. So muß es ja
immel und Seligkeit entgegengehen.

Und du, älterer Christ, auch du darfst dich dessen trösten.
haß du so lange geblieben bist, dafür weißt du keine andere Er⸗
ärung als die allmächtige Gnade deines Gottes und Heilandes.
ind die Gnade, die du bisher erfahren hast, soll dir Bürgschaft
en, daß er dich führen und leiten, halten und stärken will bis
im Ziele. Die fleischliche Sicherheit kann uns nicht zu gründ⸗
ch ausgetrieben werden. Aber die Glaubenszuversicht kann
uch nie zu groß werden. „Ich weiß, an welchen ich glaube, und
in gewiß, daß er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen
ag“, 2 Tim. 1, 12.

Und noch eins sagt unser Schriftwort. Der HErr ruft
em Petrus zu: „Wenn du dermaleins dich bekehrest, so stärke
eine Brüder.“ Vergiß deine Brüder nicht, die gehen dich etwas
n. Die sind in denselben Gefahren wie du. Da stärke sie. Das
mnst und sollst du thun, „wenn du dermaleins dich bekehrest“.
Zenn du von deinem Fall aufstehst, dann wirst du gelernt haben,

Er erfaßt

wie man andere stärkt. Nach deinem Fall wirst du mit Schwachen
und Gefallenen das rechte Mitleid haben, wirst ein erbarmungs⸗
volles Herz haben; du weißt, wie leicht man fallen kann. Wenn
du wieder aufstehst, dann weißt du aus Erfahrung, daß man so
steht und stehen bleibt, wenn Christi Gnade uns hält. Petrus
hat das gelernt und geübt. Er warnt andere: „Seid nüchtern
und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie
ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. Dem
widerstehet feste im Glauben“, 1 Petr. 5, 8. 9. Er kann stärken,
wie Gott ihn gestärkt hat: „Ihr werdet aus Gottes Macht durch

den Glauben bewahret zur Seligkeit“, 1 Petr. 1, 5. „Setzet
eure Hoffnung ganz auf die Gnade“, V. 13.
Ihr jungen Christen sollt auch dies üben. Gerade auch

eure Mitconfirmanden sind eure Brüder und Schwestern. Es
ist ein schöner Zug, wenn man die nicht vergißt, wenn nach
Jahren noch von Leuten gesagt wird: Der ist mit mir confirmirt
worden. Stärkt euch unter einander. Sagt nicht: „Soll ich
meines Bruders Hüter sein?“ Ihr kennt euch, kennt des Ein⸗
zelnen Schwächen und Fehler, seht die Gefahren, die gerade ihm
drohen. Ihr wißt das oft, wo es der Seelsorger etwa noch
nicht weiß. Ihr könnt in Zeit ermahnen, helfen, stärken und
retten. Erweist einander den Liebesdienst!

Und du, älterer Christ, sollst in diesem Stück erst recht nicht
leer ausgehen. Hilf andere erziehen und halten, wie dein Gott
dich erzogen und gehalten hat. O wenn das gegenseitige Stärken
mehr im Schwange ginge, wie würde des Abfalls viel weniger
sein, wie würde es da mehr geistliches Leben geben! O selige
Gemeinde, von der man sagen kann: „Darum ermahnet euch
unter einander und bauet einer den andern, wie ihr denn
thut“, 1 Thess. 5, 11. Und umgekehrt, kein Wunder, daß
der Heiland die Worte nicht hart genug wählen kann von dem,
der da ärgert der Geringsten einen, die an ihn glauben,
Matth. 18, 6.

Und weil der „Lutheraner“ im Dienst der Kirche steht, so
gern helfen will, daß Gottes Reich immer mehr gebaut, auch nach
uns gebaut werde, so hat er noch eine Bemerkung. Petrus stärkte
seine Brüder. Und das that er nicht nur, wie jeder Christ das
thun soll, sondern das Pflanzen und Begießen, das Menschen⸗
fangen, Lehren, Stärken, hatte er willig sich vom HErrn als
Lebensarbeit, als Amt auflegen lassen. Der Arbeiter sind wieder
wenige. Wer ist unter den diesjährigen Knaben, denen der HErr
die nöthigen Gaben verliehen hat, und vor allem, welche der
HErr bekehrt hat, zur Buße, zum Glauben und zur Liebe Christi
geführt hat — wer ist von ihnen, der sich dem HErrn für dieses
Amt ergeben will? Freilich nur solche. Petrus kann und soll
erst dann seine Brüder stärken, wenn er dermaleins sich bekehrt.
Ehe er Christi Schafe und Lämmer weiden darf, muß er auf die
Frage des Heilandes Antwort geben: „Hast du mich lieb?“
Joh. 21, 16. Nur solche werden die arbeitsvollen Studienjahre
aushalten und recht auskaufen. Nur solche werden später wirk⸗
liche Arbeiter sein. Nur sie haben die rechte Liebe zu IEsu und
das rechte Erbarmen gegen seine Schafe. Gott erwecke viele
solcher zum Dienst des Evangeliums.

Ja, Gott treibe uns allen, Jungen und Alten, die fleisch⸗
liche Sicherheit aus. Er mehre in uns die Glaubenszuversicht
zu seiner Treue. Er lasse uns aber auch ja nicht vergessen und
vernachlässigen das Stärken der Brüder! E. P.

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