Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 8 › Seite 122
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. April 1908, Seite 122
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Friede · Saloon 3
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Herzensgrunde, daß wir doch auch etwas abkriegen möchten
von diesem süßen Friedensgruß aus dem Munde unsers lieben
Heilandes. Nun, das kann wohl geschehen. Denn so gewiß
die Predigt seines Evangeliums unter uns erschallt, so gewiß
ist sein damaliger Friedensgruß auch uns vermeint und hat
auch für uns noch ganz dieselbe Bedeutung wie einst für seine
Jünger.
Der Gruß: „Friede sei mit euch!“ wäre schon dann von
unermeßlichem Werte, wenn er nur Bezug hätte auf das irdische
und zeitliche Leben. Denn welch ein edles Gut ist auch da
schon der Friede! Wenn zum Beispiel im weltlichen Regiment
Friede ist, wenn Mann und Weib im Ehestande friedlich bei⸗
einander wohnen, da hat man an dem Frieden ein so großes
Glück, daß es mit keinem Gelde der ganzen Erde bezahlt wer⸗
den kann.
Indes, wenn Christus nach seiner Auferstehung seine
Jünger begrüßt mit dem Zuruf: „Friede sei mit euch!“ so
meint er doch damit noch etwas anderes als den zeitlichen
Frieden. Er meint aber nicht weniger, sondern viel, viel mehr.
Die lieben Jünger konnten damals allerdings auch nicht einmal
irdischen Frieden genießen; sie waren bei verschlossenen Türen
versammelt aus Furcht vor den Juden, und ach, wenn sie dabei
nur in ihrem Gewissen Frieden gehabt hätten! Aber gerade
daran fehlte es ihnen. In ihrem Herzen und Gewissen rumorte
es; da war alles voll Angst und Sorge, Furcht und Schrecken
vor Gottes Zorn. Denn, von allen andern Sünden abgesehen,
waren nicht die Jünger schändlich undankbar und untreu gegen
Christum gewesen? Hatten sie nicht alle ihren lieben HErrn
und Meister verlassen? Waren sie nicht alle von ihm geflohen?
Hatte er wohl ein Wörtlein des Trostes von einem unter ihnen
allen hören können in seiner großen, schweren Leidensnacht?
Hatte nicht Petrus ihn sogar dreimal verleugnet?
Und nun war der Abend des dritten Tages nach Christi
Kreuzestod gekommen, und die Jünger mochten wohl daran
denken, daß Christus gesagt hatte, er wolle am dritten Tage
auferstehen. Aber dieser Gedanke war für sie gar nicht erfreu⸗
lich, sondern vielmehr erschrecklich. Sie dachten wohl: Ach,
wenn er auch wirklich auferstanden ist, von uns wird er doch
nichts mehr wissen wollen. Es ist schon der Abend des dritten
Tages, und wir haben ihn noch nicht gesehen. Er wird uns
auch nicht mehr sehen wollen. Und wie groß wird erst der Zorn
seines himmlischen Vaters über so ungetreue Jünger seines
lieben Sohnes sein!
Doch siehe! plötzlich werden ihre trostlosen Gedanken
durchbrochen. Trotz der verschlossenen Türen tritt Christus
mitten unter sie hinein und begrüßt sie auf das allerfreund⸗
lichste mit dem Wort: „Friede sei mit euch!“ Das konnte doch
nichts anderes zu bedeuten haben als dies: O meine lieben
Jünger, seid doch nicht mehr so furchtsam und erschrocken!
Seid doch nicht länger mehr so traurig und verzagt! Meint
ihr wohl, ich hätte umsonst so viel erlitten, ich wäre umsonst
eines so schimpflichen Todes am Fluchholz des Kreuzes ge⸗
storben? O nein, nein! Damit habe ich ja alle eure Sünden
gebüßt und den Vater im Himmel versöhnt. Das Feuer seines
gerechten Zornes ist ja in meinem heiligen Blut ausgelöscht.
Und seht doch, jetzt bin ich ja wieder da, stehe lebendig und leib⸗
haftig vor euch zum sicheren Zeugnis, daß ich alles wohl voll⸗
bracht habe. Nun bringe ich euch heute meinen teuer erwor⸗
benen Frieden: „Friede sei mit euch!“ Hiermit sage ich euch:
Ihr seid versöhnt mit Gott, ihr seid darum auch gerecht vor
Gott, und alle eure Sünden sind euch vergeben. Mein himm⸗
lischer Vater will hinfort nur Gedanken des Friedens und nicht
des Leides über euch haben. Darum seid nun auch getrost und
zufrieden in eurem Herzen und Gewissen. „Friede sei mit
euch!“ „Den Frieden lasse ich euch“, auch mitten in aller Angst
der Welt; „meinen Frieden gebe ich euch; nicht gebe ich euch,
wie die Welt gibt; euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich
nicht!“ „Nehmet hin den Heiligen Geist“, den Geist des Frie⸗
dens; der soll hinfort eurem Geiste Zeuznis geben, daß ihr
Gottes Kinder seid; der soll nun in euch rufen: „Abba, lieber
Vater!“ daß euer Gewissen euch nicht mehr anklagen, euer Herz
euch nicht mehr verdammen darf.
Da haben wir eine kleine Probe von dem trostvollen In⸗
halt des Ostergrußes Christi an seine Jünger: „Friede sei mit
euch!“ Welch einen Eindruck mag wohl dieser füße Friedens⸗
gruß damals auf die Herzen der lieben Jünger gemacht haben!
Ohne Zweifel wird ihnen zumute gewesen sein, als ob Christus
ihnen den Himmel auftue. Da gab ja Gott einen milden
Regen, als ihre Herzen dürr waren wie Sand. Da ließ ja Gott
seine freundliche Gnadensonne über ihnen aufgehen nach einer
so dunkeln und schrecklichen Nacht der Angst und Furcht, der
Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Gewiß, da wurden ihre
Tränen getrocknet, ihre Seufzer in Loblieder, ihre Traurigkeit
in Freude verwandelt.
Wie aber nun?
auferstandenen Heilandes auch heute noch? Gilt er auch noch
für uns? Ja, ganz gewiß! So gewiß Christus das Lamm
Gottes ist, das der Welt Sünde trägt, also auch unsere Sünde;
so gewiß Christus die Versöhnung ist für der ganzen Welt
Sünde, also auch für unsere Sünde; so gewiß Christus auch
für uns alle gestorben und auferstanden ist; so gewiß das Blut
JEsu Christi, des Sohnes Gottes, auch uns heute noch rein
macht von aller Sünde: so gewiß tritt Christus selbst durch
sein Wort und Sakrament immer noch auch bei uns mitten ein
und spricht: „Friede sei mit euch!“ Damit will er zu einem
jeden unter uns sagen: „Siehe, ich habe deine Missetat von dir
genommen und dich mit Feierkleidern angezogen.“ Darum
sei getrost, mein Sohn, sei getrost, meine Tochter, deine Sünden
sind dir vergeben! Und der himmlische Vater spricht dazu in
Gnaden Ja und Amen. Er erklärt: „Solches soll mir sein
wie das Wasser Noah, da ich schwur, daß die Wasser Noah soll⸗
ten nicht mehr über den Erdboden gehen. Also habe ich ge⸗
schworen, daß ich nicht über dich zürnen noch dich schelten will.
Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber
meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines
Friedens soll nicht hinfallen, spricht der 9— dein Erbarmer“,
Jes. 54, 9. 10.
O daß doch niemand vor —7 aulerstandenen Heilande
und seinem seligen Osterfrieden die Tür seines Herzens ver⸗
schließen möchte!
kann ja doch keine wahre Befriedigung gewähren; im Gegen⸗
teil, die sündlichen Weltfreuden beunruhigen das von Sünden
viel beschwerte Gewissen nur noch immer mehr. Ja, auch „im
Gesetz ist weder Rast noch Ruh' mit allen seinen Werken“L. „Es
ist mit unserm Tun verlor'n, verdienen doch nur eitel Zorn.“
In eigenem Verdienst und eigener Würdigkeit kann ein sün⸗
diger Mensch wahren Frieden seiner Seele und wahre Beruhi⸗
gung seines Gewissens doch nimmermehr finden. Wenn aber
Gilt jener trostvolle Friedensgruß des
Die Welt mit all ihrer Lust und Herrlichkeit
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