Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 8 › Seite 128

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. April 1908, Seite 128

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Trauung 3 · Trauung 4 · Welt 2 · Mitteldinge 6 · Religion 5

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nen werden von Gesellschaften in Deutschland, England, Amerika,
Holland und in der Schweiz, die unabhängig voneinander arbeiten,
unterhalten. Die Zahl der evangelischen Spanier wird auf
10,000 bis 12,000 geschätzt.“ Der Vorkämpfer für den Prote⸗
stantismus in *** ist der bekannte Pfarrer Fliedner in
Madrid. L. F.

Der römische Antichrist offenbart sich wieder als rechter
Widerchrist durch die neuen Vorschriften über die Eheschließung,
die zu Ostern in Kraft getreten und vorher durch die Erzbischöfe
unsers Landes verkündigt worden sind. Er setzt ganz förmlich
und feierlich für alle seine „Gläubigen“ fest, daß keine Ehe gültig
ist, wenn sie nicht von einem römisch⸗katholischen Priester vor zwei
Zeugen geschlossen wurde. Und damit keinerlei Mißverständnis
obwalte, sagt er ebenso förmlich und feierlich, daß jede Ehe zwischen
zwei römisch⸗katholischen Personen oder einer römisch⸗katholischen
und einer protestantischen, die von einem bürgerlichen Beamten
oder protestantischen Prediger geschlossen wird, null und nichtig
sei. Dies ist die sogenannte tridentinische Form der Eheschließung,
die schon vor Jahrhunderten festgesetzt, aber bei weitem nicht über⸗

all durchgeführt worden ist, da viele römisch⸗katholische Fürsten,

zumal in Deutschland, ihre Zustimmung verweigerten. Die Ehe
ist, wie Luther sagt, ein „äußerlich, weltlich Ding“, gehört in die
Naturordnung Gottes. Sie wird geschlossen dadurch, daß zwei
zur Ehe tüchtige Personen freiwillig erklären, miteinander in den
Ehestand treten zu wollen. Christen heiligen auch dieses Stück
durch Gottes Wort und Gebet und lassen sich darum auch kirchlich
trauen. Aber nicht die kirchliche Trauung bringt die Ehe zustande,
sondern die gegenseitige Erklärung, der Konsens, das gegenseitige
Jawort. Dagegen macht der Papst die Ehe zu einem Sakrament,
wovon Gottes Wort nichts weiß, und erklärt alle nicht vor einem
römischen Priester geschlossenen Ehen für Nichtehen, was wider
göttliches und menschliches Recht ist. Der Papst lehnt sich wider
Gott und Gottes Wort auf und ist auch ein Feind und Aufrührer
gegen die natürliche, menschliche Ordnung. L. F.

Aus Welt und Zeit.

Christliche Religion und Irrsinn. Nicht selten wird von
Ungläubigen dem Christentum auch der Vorwurf gemacht, daß es
bei manchen Menschen Wahnsinn verursache. In weltlichen Zei⸗
tungen werden gern Beispiele „religiösen Wahnsinns“ aufge⸗
führt. Daß die christliche Religion daran keine Schuld trägt,
wissen alle Christen; im Gegenteil, die wahre christliche Religion
ist das beste Heil⸗ und Bewahrungsmittel. Es würde noch viel
mehr Irrsinnige in der Welt geben, wenn das Christentum nicht
eine solche Macht wäre und so viele Bekenner hätte. Es ist aber
auch wertvoll, dies von solchen zu hören, die sich zeitlebens mit
der Seelenheilkunde beschäftigt haben. Durch verschiedene Blätter
geht jetzt eine Aussage, die Dr. A. B. Richardson auf eine Anfrage
hin getan hat. Richardson war jahrelang Leiter von Irrenanstal⸗
ten, zuletzt am Washingtoner Hospital der Vereinigten Staaten
für Irrsinnige angestellt. Er antwortete dem Fragesteller,
Dr. David Starr Jordan in Columbus, O., wie folgt: „Sie
haben mir eine sehr wichtige Frage vorgelegt. Ich habe den
Gegenstand gründlich geprüft. Es gibt nur zwei Patienten in
diesem Hospital, deren Irrsinn einige Beziehung zur Religion hat;
bei ihrer Veranlagung zum Irrsinn wären sie nach meiner Mei⸗
nung wahrscheinlich nach einer andern Seite hin wahnsinnig ge⸗
worden, wäre dies nicht nach der religiösen Seite hin geschehen.
Wenn Sie mich jedoch gefragt hätten, wie viele Leute in Ohio
durch die Religion vor dem Irrsinn bewahrt blieben und vor diesen
Hospitälern, so hätten Sie mir eine schwierige Frage zur Beant⸗
wortung vorgelegt; denn sie bilden eine Menge. Der heitere

Sinn, die schönen Hoffnungen, reichen Tröstungen, guten Stim⸗

mungen, regelmäßigen Gewohnheiten und frohen religiösen Lieder
sind ein solches Gegenmittel gegen die Ursachen des Irrsinns, daß

Tausende von Leuten in Ohio dadurch vor dem Wahnsinn be⸗
wahrt bleiben. Ohne den wohltätigen Einfluß der Religion müßte

Ohio seine Hospitäler verdoppeln, um seine irrsinnigen Wattenten
aufnehmen zu können.“ L. F.

Ein Zeitbild. Unter dieser überschrift erzählt der „Beweis
des Glaubens“ folgenden Vorfall: Der ungarische Maler Julius
Kardos hat sich im Spielsaale von Monte Carlo angesichts zahl⸗
reicher Gäste erschossen. In den letzten Tagen vor Verübung der
Tat hatte ihm die Bank 1000 Franes angeboten, wenn er abreise
und das Versprechen gebe, daß er nicht wiederkomme. Dieses
Anerbieten wies aber der Maler ganz kurz zurück. Von einem
in Monte Carlo lebenden ungarischen Gutsbesitzer lieh er sich
2000 Francs und wollte damit einen letzten Versuch am grünen
Tische machen. Links von ihm saß ein leichtfertiges Frauen⸗
zimmer aus Paris, rechts die Tochter eines amerikanischen Arztes,
eines Millionärs. Kardos setzte und verlor ein Goldstück nach
dem andern. Als er auch das letzte verlor, griff er in seine Tasche
und schoß sich in den Mund. Die um den Spieltisch Sitzenden
fuhren erschreckt von ihren Plätzen auf, die Damen schrieen und
eilten dabon. Die Pariser „Dame“ fiel ohnmächtig auf ihven
Platz zurück, der Maler war ihr nämlich nach dem Selbstmorde
auf den Schoß gefallen. Das alles spielte sich innerhalb zweier
Minuten ab. Dann eilten Diener herbei, entfernten die Leiche,
und nach einer Stunde — wurde lustig weiter gespielt. Ein Mit⸗
spieler, ein reicher Mann, gewann auf dem Platze des Selbst⸗
mörders in einem Zuge 500,000 Francs. — So treibt es die
Welt, gerade auch die vornehme Welt. Es wird fortgespielt, fort⸗
getrunken, fortgesündigt. Des Gerichts gedenkt man nicht, nach
der Ewigkeit fragt man nichts. Die Schrift aber sagt: „Es ist
nahe kommen das Ende aller Dinge“ und mahnt die Christen:
„So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet!“ 1 Petr. 4, 7 f.

.

In Indien droht wieder eine Hungersnot. Ein Missionar
der sogenannten Goßnerschen Mission, die unter den Kols in In⸗
dien arbeitet und dort über 80,000 Seelen in geistlicher Pflege
hat, berichtet im „Lutherischen Herold“: „Es bleibt nun leider
wahr, das grausige Gespenst der Hungersnot zieht hier in Indien
sicher und bestimmt, wenn auch langsam, herauf, und diese droht
furchtbarer zu werden als die beiden letzten, denn sie wird dies⸗
mal mehr als das halbe Indien umfassen, und dann sind zum
Nachteil gegen die früheren neben dem Reis auch die andern Feld⸗
früchte gänzlich mißraten. . .. Schon jetzt haben Tausende kaum
einmal täglich Reis zu essen und nähren sich zum Teil von Blät⸗
tern und Blüten, Gräsern, Wurzeln und Waldfrüchten, und bei
dieser schlechten Ernährung nehmen allerlei böse Krankheiten über⸗
hand, und in den am härtesten betroffenen Gebieten wütet stellen⸗
weise bereits die Cholera. Dennoch bleiben die Heiden auch bei
diesen schweren Heimsuchungen hart und verstockt. Gott wolle
dem armen Volke in dieser Not Buße zum Leben schenken!“

L. F.

Tod, wo ist dein Stachel? Hülle, wo ist dein Sieg? Gott
sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HErrn
IEsum Christum. 1 Kor. 15, 55—57.

Von diesem Triumphlied der gläubigen Kämpfer sagt Luther:
„Durch IEsum Christum haben wir den Sieg. Christus ist um ö‚
unserer Erlösung willen vom Himmel gekommen und Mensch ge⸗
worden, hat für uns den Tod am Kreuz erlitten, ist niederge⸗
fahren zur Hölle, auferstanden von den Toten und gen Himmel

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