Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 8 › Seite 130

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. April 1908, Seite 130

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3

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8 Mer V„Tutheraneds

von seinen Kindern einmal gefragt wurde, ob er etwas wünsche,
antwortete er: „Ich habe keinen Willen mehr; Gottes Will' mein
Ziel.“ Am Abend des 2. Juli schien der Heimgang einzutreten;
den versammelten Kindern sagte er noch: „Einigkeit, Liebe,
Treue! Einigkeit ist das Band, das hier auf Erden die Glieder
verbindet; Liebe und Treue das köstliche Gut, das währt.“ Seine
sieben Kinder segnete er: „Ich segne euch mit dem Segen Abra⸗
hams, Isaaks und Jakobs. Der Gott unserer Väter sei mit euch!
Er bewahre euch durch IEsum Christum zum ewigen Leben!“
Auch an die treue Dienstmagd wendete er sich: „Der HErr segne
dich! Ich kann dich zu keinem andern führen; bleibe bei ihm!“
Auf seine Bitte sangen die Familienglieder: „Wann ich einmal
soll scheiden“ und: „Die Gnade unsers HErrn JEsu Christi.“
Einer der Söhne las Joh. 17 und Röm. 8. Das gemeinsam ge⸗
sprochene Vaterunser schloß die erhebende Feier. Als solle er
einschlafen, legte sich Pfannschmidt zur Ruhe; aber wider Er⸗
warten wurde die Frist verlängert. Noch zwei Wünsche sprach er
aus: „Legt mich nicht in einen schwarzen, sondern in einen weißen
Sarg und singt mir das Grablied: „Hier lieg' ich armes Würme⸗
lein, HErr Christe, sieh mich an!“ Noch bis zum 5. Juli schlug
das Herz fort; die Bibelsprüche und Liederverse, die ihm zuge⸗
sprochen wurden, erquickten ihn sichtlich. Gegen 6 Uhr abends
am 5. Juli durfte seine Seele heimfahren. Der Gesang: „Chri⸗
stus, der ist mein Leben“ erfüllte das Sterbezimmer.

So scheidet ein Osterchrist, der da weiß: IEsus lebt! Und
so lassen Osterchristen ein Familienglied scheiden, weil sie den
Auferstandenen haben und wissen: „Ihr sollt auch leben!“ Joh.
14, 19.

Siegreiche Osterglocken.

Es war am Anfang des letzten Jahrhunderts, als Napoleons
eiserne Faust mit schwerem Druck auf den deutschen Landen
lastete; da trug sich in einer kleinen Stadt in Tirol folgende Be⸗
gebenheit zu:

Ostern war gekommen, von jung und alt freudig begrüßt.
Früh am Morgen waren die Leute auf, das Fest nach Gebühr zu
feiern. Aber was mußten sie sehen? Alle Höhen ihrer kleinen
Stadt waren von Franzosen besetzt; eine Kriegsmacht von 30,000
Mann hatte sie umzingelt. Man rief in Eile den Rat der Stadt
zusammen; aber das Ende dieser Beratung war die Einsicht, daß
eine Verteidigung unmöglich sei. Einige schlugen vor, man möge
Botschaft hinausschicken, um eine friedliche übergabe des Städt⸗
chens in die Hand des Feindes zu erbitten. Der größte Teil der
Bewohner aber entschied: „Da wir im Besitze keiner Macht sind,
um uns gegen einen so furchtbaren Feind zu wehren, so laßt uns
an diesem Osterfeste tun wie an allen vorigen und Gott den HErrn
in seinem Hause loben und preisen.“ —

So wurden denn alle Glocken der Stadt hell uund fröhlich
zum Fest geläutet, und obgleich die Herzen von schwerer Sorge
belastet waren, so gingen die Leute doch still und in großen
Scharen in ihre Kirchen, ihre Zuflucht zu dem Gott aller Gnaͤden
nehmend. Der frohe, festliche Klang der Osterglocken wurde durch
die Morgenluft getragen und drang hinauf, bis. zu den Höhen,
welche die Franzosen besetzt hielten. Die hatten keine Fest⸗, son⸗
dern eitel Mordgedanken; sie beobachteten durch Fernrohre die
Stadt und sahen die Leute ruhig aus ihren Häusern kommen und
zur Kirche gehen. Da meinten sie, es könne nicht anders sein,
als daß während der Nacht österreichische Soldaten in die Stadt
eingerückt wären. Unter diesem Eindruck befahl der französische
General seinen Truppen den Rückzug. So wurde die kleine Stadt
weder beschossen noch geplündert; die Osterglocken trugen den
Sieg davon.

Furcht vor der Auferstehung.

Eines Tages, so erzählt Missionar Moffat, saß ich bei dem
afrikanischen Könige Makaba, der von seinen Häuptlingen und
Hofleuten umgeben war. Im Verlauf unserer Unterredung wurde
er aufmerksam auf das von mir gebrauchte Wort „Auferstehung“.
„Was“, rief er erstaunt, „die Toten, die Toten sollen aufer⸗
stehen?“ „Ja“, antwortete ich, „alle Toten werden auferstehen!“
Er fing nun an, weiter zu fragen: „Wird mein Vater auferstehen?
Und alle, die im Kriege umgekommen sind?. Und alle, die von
Löwen, Tigern und andern wilden Tieren gefressen sind?ꝰ Und
werden die alle auferstehen, deren Leiber auf dem Felde verwest
sind und deren Asche vom Wind verstreut wurde?“ „Ja — es
wird nicht einer dahinten bleiben“, bestätigte ich mit nachdrück⸗
licher Betonung. Nachdem er mich nun einige Augenblicke ange⸗
sehen hatte, wandte er sich zu seiner Umgebung und sagte: „Hört,

ihr weisen Männer, wo ist einer unter euch, zu dessen Ohren je

solche Neuigkeiten gedrungen sind?“ Dann wandte er sich wieder
zu mir, legte die Hand auf seine Brust und sagte:
liebe dich. Deine Gegenwart hat mein Herz weiß gemacht wie
Milch. Deine Worte sind süß wie Honig. Aber die Worte von
der Auferstehung sind zu groß, um sie zu hören. Ich wünsche
nicht wieder von der Auferstehung der Toten zu hören.
Toten können nicht auferstehen! Die Toten müssen nicht
auferstehen!“ „Wie“, fragte ich, „kann ein so großer Mann sich
von der Erkenntnis und Weisheit abwenden? Warum soll ich
nichts mehr über die Auferstehung sagen?“ Da erhob sich der
König, entblößte seinen Arm, bewegte ihn hin und her, als wollte
er einen Speer schwingen, und rief: „Ich habe Tausende getötet,
und sollen diese wieder auferstehen?“ — Ja, mancher will nur
nicht eine Auferstehung und eine Ewigkeit glauben, weil er Ursache
hat, sich davor zu fürchten.

O Welt, sieh hier dein Leben.

Der fromme Hessen⸗Darmstädtische Metropolitan (Super⸗
intendent) und erste Stadtprediger zu Nidda, Joh. Konr. Binzer
(+ 1742), berichtete einst, als er auf dem Sterbebette lag, den
Seinigen, er habe soeben im Traum sein Lieblingslied: „O Welt,
sieh hier dein Leben“ von Anfang bis zu Ende durchgesungen und
einen Vorschmack der großen Herrlichkeit gehabt, die auf ihn warte.

Dann fing er auf einmal voll Freude zu rufen an: „Deckt mich
nur mit Erde zu, deckt mich nur mit Erde zu!“ und ließ sich durch

den Glöckner Hankel dieses Lied auf dem Klavier vorspielen und
singen, sang auch selbst noch, soviel seine Kräfte es erlaubten, mit
und ward so durch die Worte und Klänge desselben an seinem
Ende „in IEsu Schoß und Hände begleitet zu der ew'gen Ruh'“,
denn gleich darauf berschied er fröhlich in seinem HErrn.

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Todesanzeigen.

Am 7. Februar entschlief zu Chester, Ill., P. Karl Wil⸗
helm Trappe. Er war geboren am 14. Mai 1868 zu Dömitz
an der Elbe, Großherzogtum Mecklenburg⸗Schwerin. Als sieb⸗
zehnjähriger Jüngling kam er mit seinen Eltern nach Amerika,
in die Nähe der Stadt Chicago. Nachdem er sich entschlossen hatte,

sich dem Dienst des HErrn in der Kirche zu widmen, studierte er
kurze Zeit in Milwaukee und darauf im Seminar zu Springfield.

Nach wohlbestandenem Examen trat er im Jahre 1893 in das
heilige Predigtamt und bediente in elfjähriger Wirksamkeit die

Gemeinden zu Savannah, Eberle, Champaign und Darmstadt,

Ill. Vor ungefähr vier Jahren schwächte ein Blutsturz ihn so,

— —

„Vater, ich

Die

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