Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 8 › Seite 123

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. April 1908, Seite 123

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Saloon · Saloon 3 · Saufen 1

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Christus selbst durch sein heiliges Evangelium, durch die Bot⸗
schaft: „Friede sei mit euch!“ bußfertige Herzen zur frohen
Glaubenszuversicht erweckt, o welch ein seliges Glück zieht dann
eben mit dem Frieden des auferstandenen Heilandes in die
sonst so bangen Herzen ein! Da heißt es dann:
Mein Friedefürst, dein freundliches Regieren
Stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert;
x A Wenn sich zu dir mein blödes Herze kehrt,
So läßt sich bald dein Friedensgeist verspüren.
Dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn
Und nimmt die Furcht und Unruh' von mir hin.
So schenke unser lieber HErr Christus, der Auferstandene,
wahren Frieden unsern Herzen, Frieden, den die Welt nicht
* kennet; so stille er auch die geheimsten Schmerzen, alles Weh,
das uns brennet! So lasse er uns aus seiner Fülle nehmen
Gnade um Gnade! So richte er auch unsere Füße auf den
„Weg des Friedens und lasse unsern Augen seine Wege wohl⸗
gefallen! So segne er uns mit Gerechtigkeit, Friede und
Freude in dem Heiligen Geist, solange wir hier wallen! So
begegne er uns endlich auch im dunkeln Tal mit dem Gruße:
„Friede sei mit euch!“ So lasse er uns im Frieden fahren,
heimfahren in des Friedens stille Hütten! Amen.

Der Saloon.

II.

Was ist es um einen Saloon? Wenn man einem Unkun⸗
digen, der noch nie einen Saloon gesehen hat und nicht weiß,
wie es in demselben hergeht, auf die Frage, was eigentlich ein

„Saloon sei, antworten würde, das sei ein Lokal, eine Art store,
iin welchem eine bestimmte Ware, geistiges Getränk, verkauft
wird, eine Art Restaurant, nur daß da nicht Speise und Trank,
sondern lediglich ein frischer Trunk zum Restaurieren, zur Stär⸗
kung und Erquickung geboten werde, so würde man dem Fra⸗
genden eine ganz verkehrte Idee von dem Ding, nach welchem

er fragt, beibringen. Allerdings wird in einem Saloon auch
verkauft und gekauft. Man kann sich hier auch, wenn man
recht abgemattet ist, wohl ein wenig restaurieren. Und in der
Ware, die hier feilgeboten wird, steckt kein Dämon, ob sie gleich
oft, wie jede andere Ware, verfälscht wird. Die Herstellung
und der Verkauf von Wein und Bier ist an sich ebensowenig ein
Unrecht wie der mäßige Genuß von Wein und Bier. Es gibt
auch einen rechten Gebrauch von Likören. Aber die Art und
Weise, wie hier der Handel betrieben, wie mit dem Getränk
V hantiert wird, der Zweck dieses Handels gibt dem Ding, von
dem wir reden, das Gepräge. Ein Saloonwirt verfolgt nicht
hauptsächlich den Zweck, einem müden Wanderer oder Arbeiter
eeinen Labetrunk vorzusetzen oder den Nachbarn ein Maß Bier
für den häuslichen Gebrauch zu verkaufen, was ja nebenbei
wohl auch geschieht, sondern er will seine Kunden möglichst
lange an dem Verkaufstisch, an dem geräumigen Schanktisch
festhalten, von seiner Ware möglichst viel an den Mann
bringen. Er rechnet darauf, daß seine Kunden selbst einander
Mut machen, zu kaufen und sich zu stärken, einander zusprechen
und zutrinken, einander reizen und anstacheln, noch eins mehr
zu trinken. Er weiß, daß seine Ware sich selbst empfiehlt und
die, welche daran Geschmack und Gefallen gefunden haben, ein⸗
und auffordert, des Guten immer mehr zu sich zu nehmen.

—

Die ganze Ausstattung und Einrichtung eines Saloons, Möbel
und Geräte, das ganze Gebaren der Gäste zeigt beim ersten
Blick, daß es hier eigentlich nicht auf Stärkung und Erfrischung,
sondern lediglich auf das Trinken abgesehen ist und auf reichlich
Trinken, daß man hier trinkt, um zu trinken, weil man am
Trinken seine Lust und Freude hat. Und ob auch ein Saloon⸗
wirt die redliche Absicht hätte, was selten der Fall sein wird,
im Verschenken Maß zu halten, so muß er sich von vornherein
sagen, daß die Mehrzahl seiner Kunden im Mäßigkeitsprinzip
nicht mit ihm einverstanden ist, und daß er dem Willen und
Verlangen der Majorität schwerlich wird Widerstand leisten
können. Es ist eine sonnenklare Tatsache, es ist die Regel, daß
die meisten Saloongäste, welche es sich im Saloon gemütlich
machen, welche sich auf den Schanktisch auflegen oder an einen
der niedrigen Tische daneben hinsetzen, über den Durst, über
das Maß, über das Bedürfnis hinaus trinken, daß sie nicht so⸗
wohl trinken, sondern vielmehr saufen. Wer dies leugnet oder
für Übertreibung achtet, der bindet sich selbst eine Binde vor die
Augen. Gewiß, das ist der rechte, zutreffende Name für einen
Saloon: ein Saloon ist eine Saufbude.

Und nun wollen wir die Gesellschaft, die sich in einem
Saloon ansammelt, noch etwas näher besehen. Es treten wohl
auch manche nüchterne Menschen in den Saloon ein, lassen sich
ein Glas Bier geben, leeren dasselbe bald aus und gehen wieder
ihre Wege. Die gehören nicht zu der eigentlichen Saloongesell⸗
schaft, die es sich im Saloon heimisch macht oder von einem
Saloon zum andern zieht. Diese Saloongesellschaft ist nichts
anderes als eine Genossenschaft von Säufern. Wir können etwa
drei Klassen von Säufern unterscheiden. Die ersten und vor⸗
nehmsten sind die groben Trunkenbolde, welche sich voll und
toll saufen, wie die Säue, die man dann auf der Straße herum⸗
taumeln oder in der Gosse liegen sieht, welche selten nüchtern
und ihrer Sinne nicht mehr mächtig sind. Denen ist das
Laster in das Gesicht geschrieben, die sind vor aller Welt ge⸗
brandmarkt, auf die weisen die Kinder mit Fingern. Eine
zweite Klasse von Säufern, die viel zahlreicher ist als die erste,
sind die, welche sich selbst, ihre Glieder noch einigermaßen in
Schranken halten, ihrer täglichen Arbeit nachgehen, aber doch
vom Trunk gefesselt sind, ohne eine tägliche, große Portion von
Bier oder gar Branntwein nicht mehr leben können. Denen
kann man wohl das Laster nicht so an Gesicht und Haltung ab⸗
lesen, sie haben es so weit gebracht, daß sie viel, sehr viel ver⸗
tragen können; sie selbst fühlen aber gar wohl den Einfluß
des Alkohols. An dritter Stelle stehen die sogenannten Ge⸗
wohnheitstrinker, welche sich mit weniger zufrieden geben als
die ersten und zweiten, aber doch stetig, regelmäßig trinken und
mehr trinken, als ihnen gut ist, welche auch, wie die andern,
einen inneren Trieb und Kitzel nach starkem Getränke in sich
verspüren, dem sie nicht widerstehen können. Alle Unmäßigkeit
aber im Essen und Trinken nennt die Schrift Fressen und
Saufen. Und diese Säufer in ihren verschiedenen Schattie⸗
rungen sind nun Stammgäste in den Saloons. Es ist ihnen
zu eng und zu einsam am heimischen Herd, sie sehnen sich nach
Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und wissen gar wohl, wo sie
diese finden können; der Saloon zieht alle diese Gesellen wie
ein Magnet an sich, wie das Wasser die Schildkröten, die aufs
Trockene gesetzt sind. Im Saloon können sie ihre Trinklust am
besten befriedigen, da fließt der heißbegehrte Stoff wie in Strö⸗
men, und in der luftigen Gesellschaft der Zecher tut sich ihnen

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