Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 137
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 137
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hirt 2
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n. Osib. Joh. 1
— von der Deutschen Cpangelih⸗ Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Revigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
64. Jahrgang.
12 —
Ht. Louis, Mo., den 5. Mai 1908.
No. 9.
— öSS
Gottes Langmut.
Ob in längstvergangnen Tagen
WVir gehäuft die Sündenschuld,
Hat der HErr uns doch getragen
Stets in Langmut und Geduld.
Ei, wie können wir ihm sagen
. Ebwig Dank für solche Huld?
X Ob wir suchten das Verderben,
* Eitle Ehre, falsches Glück,
* . Und in Sünden wollten sterben,
* Riß uns seine Hand zurück, ö
Schlug manch Götzenbild in Scherben,
Unsern Hochmut Stück für Stück.
E Ja, er streckte voll Erbarmen
‚5 Seine Vaterarme aus,
Den verlornen Sohn, den armen,
Zog er in das Vaterhaus,
Und wir ruhn an seinem warmen
ů Herzen von der Sünde Graus.
Ewig soll nun nichts uns scheiden
45* Von der Liebe unsers SErrn:
Tod und Leben, Lust und Leiden,
Hohes, Tiefes, Nah und Fern.
Unfre Seelen will er weiden,
Unsre Schwachheit trägt er gern.
sre Schwachh gt er g J. W. Th.
Nicht umkommen.
Joh. 10, 28.
ö Der Gott des Friedens hat von den Toten ausgeführt den
oßen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Testa⸗
„ unsern HErrn IEsum. Dieser gedenkt sofort seines
te tes und nimmt es von neuem wieder auf, sammelt
ne zerstreute Herde, geht vor seinen Schafen her, beschützt und
wahrt auch seine Herde, als ein guter, treuer Hirte. Dies
er durch sein heiliges Evangelium, in welchem er
Sie werden nimmermehr umkommen.
seinen Schafen solch köstliche Verheißungen gibt wie diese: „Sie
werden nimmermehr umkommen.“ Er erhält sie mit seiner
göttlichen Kraft, daß ihnen ohne seinen Willen nichts Böses
widerfahren kann; er bewahrt alle ihre Gebeine, daß deren
nicht eins zerbrochen wird vor ihm, auch wenn dies dem äußer⸗
lichen Verstande nach geschehen follte. Sogar ihre Haare auf
dem Haupt sind alle gezählt. Sie werden von Menschen unter⸗
drückt und auch von dem SErrn gezüchtigt; aber sie kommen
nicht um. Das Feuer mag sie verzehren, das Wasser mag sie
verschlingen, aber „sie werden nimmermehr umkommen“, sagt
der große Hirte von seinen Schafen. Schweres Unglück mag
sie treffen; aber ihr allmächtiger Heiland ist größer als alles
Unglück, er tritt mit unumschränkter Majestät dem Unglück
entgegen und rafft die Seinen vor noch größerem Unglück weg,
um sie sicher aufzuheben in seinen Arm und Schoß. Er selbst
hat ja alle ihre Strafe von ihnen genommen und ihre Feinde
abgewendet, daß sie sich vor keinem Unglück mehr zu fürchten
brauchen, sondern mit David sprechen können: „Ob ich schon
wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist
bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Das Unglück
ist ihr Glück, die Nacht ihr Sonnenblick. Christus, der den
Jammer der Seinen stillt, läßt auch im Sterben die Seinen
nicht verderben, „sein' Hand ist nicht zu schwer“.
„Sie werden nimmermehr umkommen“; davon kann frei⸗
lich gar keine Rede mehr sein im himmlischen Paradies (wohin
die verführerische Schlange nicht mehr schleichen kann, um alle
Seligkeit zu zerstören), wohl aber auf dem Wege dahin. Denn
der Weg ist ein schmaler und beschwerlicher Weg, voll Anfech⸗
tungen und Versuchungen, in denen die Seele täglich schwebt,
voll Sündenangst und Kreuzesnot. Da könnte es leicht ge⸗
schehen, daß sie auf dem Wege verschmachten und umkommen,
wie schon vielen widerfahren ist, die eine Zeitlang glauben und
zur Zeit der Anfechtung abfallen, an denen Gott kein Wohl⸗
gefallen hat, die niedergeschlagen werden in der Wüste. Nun
sagt aber Christus von seinen Schafen: „Sie werden nimmer⸗
mehr umkommen.“ Da sie nämlich seine Stimme hören und
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