Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 143

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 143

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sichtbar seinen Segen gelegt.

Predigt, der er die Worte 2 Tim. 4, 7. 8 zugrunde legte.

und Glauben gehalten.

Die Innere Mission

8er TutheranesSse

143

5

als Pastor, so war er auch treu und gewissenhaft als Haus⸗
pater und Erzieher seiner Familie. Er hing an ihr mit einer
ärtiden Liebe; aber diese Liebe war mit heiligem Ernste

gepaart. Die Gabe der Erziehung hatte er auch in der Schule

des Heiligen Geistes gelernt, und Gott hat auf diese Erziehung
Erlebte doch der Vater die große
Freude, daß zwei seiner Söhne im heiligen Predigtamte wir⸗
ken dürfen.

Als er schon vor Jahren wegen Leibesschwäche der vielen

Arbeit in einer volkreichen Gemeinde nicht mehr nachkommen

konnte, berief ohne sein Zutun seine Gemeinde seinen ältesten
Sohn als Mitarbeiter an seine Seite. Das hat der Vater als
eine ganz besondere Gnadenerweisung Gottes anerkannt und
seinem Gott herzlich dafür gedankt. —

Die Leichenfeierlichkeiten fanden am 17. März statt.
Schon tags zuvor wurde ein kurzer Gottesdienst im Pfarrhaus
abgehalten, bei welchem P. T. Walz von der St. Johannis⸗
gemeinde in Quincy amtierte. Dann wurde die teure Leiche
in der von außen und innen mit Trauerflor versehenen Kirche
aufgebahrt. Hier haben Tausende noch einen letzten Blick auf
den geliebten und geachteten Mann geworfen.

Eine kurze Feier im Haus ging der kirchlichen Feier vor⸗
aus, bei der wieder P. Walz amtierte. An dieser Feier nahmen
nur die Familie, der Vorstand und die von auswärts gekom⸗
menen Pastoren teil. Nachdem dann in der Kirche die Trauer⸗
versammlung einige Verse von dem Liede „Jerusalem, du hoch⸗
gebaute Stadt“ gesungen hatte, bestieg P. L. Hölter von
Chicago die Kanzel und hielt die deutsche Predigt über Pf.
73, 24. Der Entschlafene hatte öfters den Wunsch geäußert,
daß dieser sein alter Freund ihm die Leichenpredigt halten solle.
Hierauf hielt P. J. Witte von Hannibal, Mo., eine englische
Am

Grabe amtierte der Unterzeichnete.

Wie sehr P. Hallerberg auch von seinen Mitbürgern ge⸗
achtet war, zeigte der große Zudrang bei seinem Begräbnis.
Die große Kirche konnte bei weitem nicht alle aufnehmen, die
gekommen waren, viele mußten vor der Tür wieder umkehren.

Die Gemeinde zu Hannibal hatte, um den Seligen noch im
Tode zu ehren, Vertreter gesandt.
Ein edles Samenkorn haben wir in die Erde gesät; herr⸗
lich wird es auferstehen zum ewigen Leben. Unser Ende werde
wie sein Ende! Sein letztes Wort auf Erden war: „Nur
IEsus allein kann mir helfen.“ Er hat den Lauf vollendet
Und vb auch wir Menschen fragen,
warum Gott diesen seinen treuen Knecht wenigstens nicht noch
etliche Jahre länger erhalten habe zum Dienst in seiner Kirche,
so sagt doch der Heilige Geist, daß Gott die Seinen recht führt.
Das sollen wir glauben und gewiß sein, daß Gott auch hierin
eben das Rechte getan und den Entschlafenen zur rechten Zeit
vollendet hat. J. Nachtigall.

im Minnesota⸗ und Dakota⸗
Distrikt.

In der Anzeige unsers letztjährigen Synodalberichts im
„Lutheraner“ heißt es: „Die Geschäftsverhandlungen geben
eine gedrängte übersicht über den gewaltigen Umfang, den
durch Gottes Segen das Werk der Inneren Mission in diesem

Distrikt hat, und über die Bedürfnisse dieses Werks.“ In
diesen Worten sagt der Schreiber, daß die Innere Mission in
unserm Distrikt einen gewaltigen Umfang habe. Und das ist
allerdings der Fall. Unsere Mission erstreckt sich über die
Staaten Minnesota, North Dakota und Montana und über
die kanadischen Provinzen Manitoba, Saskatchewan und Al⸗
berta. Außerdem haben wir noch Plätze in West⸗Ontario und
in British Columbia. Jedenfalls ist das ein Gebiet, das viel
größer ist als das ganze Deutsche Reich. Wir hatten in dem
vergangenen Jahre 60 Pastoren, 3 Lehrer und 7 Studenten
auf diesem Gebiet angestellt, die mehr oder weniger Unter⸗
stützung aus der Inneren Missionskasse empfingen und die
107 Gemeinden und 143 Predigtplätze bedienten.

Wie ist nun aber unser Distrikt zu einem so großen Mis⸗
sionsfelde gekommen, und wie ist es zugegangen, daß unsere
Mission einen so gewaltigen Umfang erreicht hat? Es ist das
nicht anders hergegangen, als es überhaupt bei der Ausbrei⸗
tung unserer Synode und bei dem Wachstum der andern Di⸗
strikte hergegangen ist. Es ist Gottes gnädige Leitung, Füh⸗
rung und Regierung gewesen. Vor fünfzig Jahren war nur
ein Pastor unserer Synode hier in Minnesota, vor vierzig
Jahren waren es ihrer 12, und jetzt haben wir 150 Pastoren
in Minnesota, dazu 34 in North Dakota, 7 in Montana und
25 in Kanada, und vor zwei Jahren hat sich der South Dakota⸗
Distrikt mit 37 Pastoren von uns abgezweigt. Unsere Pastoren
haben von Anfang an fleißig missioniert. Wenn sie hörten,
daß in ihrer Umgegend Leute wohnten, die kirchlich unversorgt
seien, so suchten sie diese auf und boten sich ihnen an, sie zu
bedienen. Und in der Regel wurden sie freundlich von den
Leuten aufgenommen. Manche Pastoren haben auch größere
Missionsreisen gemacht und haben neubesiedelte Gegenden, die
Hunderte von Meilen von ihnen entfernt waren, aufgesucht.
So entstanden immer neue Predigtplätze und aus diesen Pre⸗
digtplätzen bildeten sich später Gemeinden und Parochien; diese
Parochien beriefen sich dann eigene Prediger und diese missio⸗
nierten wieder weiter. Nun fehlte es aber in diesen neuen
Parochien nicht selten an dem nötigen Gehalt für die Prediger.
Die Leute waren meist arme Anfänger, auch hatten sie öfters
unter Mißernten zu leiden. Da halfen aber die älteren und
im Irdischen vorangekommenen Gemeinden herrlich aus.
Diese feierten fleißig Missionsfeste und sammelten reichliche
Kollekten für die Innere Missionskasse, und aus diefer wurden
die armen Parochien unterstützt, bis sie selbst ihre Prediger
versorgen konnten. So ist es fortgegangen bis auf den heuti⸗
gen Tag, und so geschieht es heute noch. Auf diese Weise hat
unsere Mission einen so gewaltigen Umfang erreicht.

Aber kostet eine solche Mission nicht sehr viel Geld?
Allerdings. Im letzten Jahre hat unser Distrikt für Innere
Mission 818,110.07 ausgegeben. Von dieser Summe sind
515,752.85 im Distrikt aufgebracht worden, §5500.00 emp⸗
fingen wir aus der Allgemeinen Innern Missionskasse und
81857.22 waren geliehen, also Schulden. Wir haben also im
letzten Jahre die Allgemeine Innere Missionskasse wieder in
Anspruch genommen. Wohl haben wir schon früher jahrelang
einen Zuschuß aus dieser Kasse bekommen, in den letzten Jah⸗
ren jedoch hatten wir nichts mehr aus ihr begehrt. Jetzt aber
haben wir zu dieser Kasse wieder unsere Zuflucht nehmen
müssen. Und dennoch behielten wir zum Schluß des Jahres
eine große Summe Schulden. Ist das nun nicht sehr ent⸗

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