Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hirt 2 · Gemeindeſchule 21 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule 40
138
S Der 2.„Tuthieranes
ihm folgen, so gebrauchen sie auch sein liebes Wort und seine
heiligen Sakramente als die Mittel und Siegel der Gnade zur
beständigen Stärkung und Erhaltung ihres Glaubens, zur
immerwährenden Vermehrung ihrer Liebe und Hoffnung. Weil
sie seine verordneten Mittel gebrauchen, so will er auch dadurch
kräftig wirken. „Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen
und das glimmende Tocht wird er nicht auslöschen, bis daß er
ausführe das Gericht zum Siege.“ Christus selbst, ihr Hirt
und Heiland, ist es, der ihnen täglich alle ihre Sünden reichlich
vergibt und alle ihre Gebrechen heilt. Durch sein Wort und
Sakrament läßt er sie fort und fort die nötige Erquickung auf
dem Wege zum Himmel genießen. Er dämpfet Sturm und
Wellen und was sonst bringet Weh. Er ruft über alle seine
Schafe aus: „Sie werden nimmermehr umkommen.“ „Des
SErrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er
gewiß.“ „Seine Gaben und Berufung mögen ihn nicht ge⸗
reuen.“ „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen;
aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund
meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HErr, dein
Erbarmer.“
Was uns nun zu tun gebührt, nachdem die teuren und
allergrößten Verheißungen uns geschenkt sind, ja wozu diese
Verheißungen selbst uns ebenso lieblich wie kräftig erwecken,
das zeigt St. Petrus im 1. Kapitel seines zweiten Briefes,
V. 3—11, wo er schließt mit den Worten: „Darum, lieben
Brüder, tut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung
fest zu machen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht
straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der
Eingang zu dem ewigen Reich unsers HErrn und Heilandes
IEsu Christi. ... Demselbigen sei Ehre nun und zu ewigen
Zeiten! Amen.“ Fr. S.
„Und sie singen an alle nacheinander, sich zu ent⸗
schuldigen.“ Luk. 14, 18.
Ein wichtiger Teil der Missionsarbeit auf dem Gebiete
einer lutherischen Gemeinde besteht darin, Eltern zu bewegen,
ihre Kinder, sobald diese schulpflichtig sind, in unsere Gemeinde⸗
schule zu schicken und sie bis zu ihrer Konfirmation in ihr zu
lassen.
Daß die Freunde der Gemeindeschule bei dieser Arbeit bei
unkirchlichen und religiös gleichgültigen Leuten auf allerlei
Widerstand stoßen, ist nicht zu verwundern. Man erwartet
nichts anderes von ihnen. Ja, man geht zu ihnen in der Er⸗
wartung, daß man bei ihnen keinerlei Entgegenkommen, wohl
aber schroffen Widerstand finden wird. ů
Aber das sollte man doch nicht erwarten, daß sich solcher
Widerspruch gegen das gesegnete Missionswerk in unsern Schu⸗
len auch bei Gliedern unserer lutherischen Kirche findet. Und
doch ist das leider der Fall. Nicht alle lutherischen Eltern
schicken ihre Kinder in unsere Gemeindeschulen. Und das ist
sehr zu beklagen, denn das gereicht nicht nur der Kirche, sondern
vor allem den armen Kindern zu großem Schaden.
Das Betrübende hierbei aber ist, daß bei vielen dieser
Eltern meistens alles Belehren aus Gottes Wort und alles
Ermahnen vergeblich ist. Manche verstehen sich vielleicht dazu,
ihre Kinder ein Jahr vor der Konfirmation in die Gemeinde⸗
schule zu schicken. Andere tun auch das nicht einmal; ihre
Kinder gehen in die öffentliche Schule und besuchen nur den
Konfirmandenunterricht. Ja, es kommt vor, daß man den
Pastor ersucht, den Kindern privatim, etwa abends, Konfir⸗
mandenunterricht zu erteilen, damit diese doch ja nichts vom
Unterricht in der öffentlichen Schule zu versäumen brauchen.
Wenn nun die Beamten der Gemeinde oder sonstige
Freunde der Gemeindeschule bei solchen Leuten die Runde
machen und sie herzlich einladen, doch ihre Kinder in die luthe⸗
rische Schule zu schicken, damit sie ihren Heiland und sein selig⸗
machendes Wort kennen lernen, dann müssen sie oft ähnliche
Erfahrungen machen wie der Knecht im Evangelium, der aus⸗
gesandt wurde, die Gäste zum großen Abendmahl zu laden:
alle fangen nacheinander an, sich zu entschuldigen.
Die Entschuldigungen jener Geladenen im Evangelium
sind bekanntlich ganz wunderlicher Art. Aber noch viel wun⸗ 1
derlicher sind oft die Entschuldigungen, die von solchen Eltern
vorgebracht werden, die sich weigern, ihre Kinder in die luthe⸗
rische Schule zu schicken.
Im folgenden sind einige dieser Entschuldigungen, die sich
jemand aufgezeichnet hat, dem Hauptinhalte nach abgedruckt.
Bei dem Durchlesen dieser Entgegnungen wird man an das
Wort des Evangelisten, Mark. 14, 56, erinnert: „Aber ihr
Zeugnis stimmte nicht überein.“ 2
——
a. „In unsern Schulen wird nicht genug geleistet! Sie
haben nicht Schritt gehalten mit den andern Schulen, sondern
sind weit hinter der Zeit zurück. Wer heutzutage sein Leben
machen will, der muß etwas Ordentliches gelernt haben, sonder⸗
lich im Rechnen und in den andern weltlichen Fächern. In
unsern Schulen wird viel zu viel Zeit auf Katechismus und
biblische Geschichte verwendet. Die Folge ist, daß die so wich⸗
tigen weltlichen Fächer vernachlässigt werden. Mit Katechis⸗
mus und biblischer Geschichte allein kommt heute niemand durch
die Welt. Ich habe auch für das irdische Fortkommen meiner
Kinder zu sorgen. Es ist also meine Pflicht als Vater, meine
Kinder dahin zu schicken, wo sie für das Leben möglichst gut
geschult werden. Und das ist nun einmal die public school.“
b. „Ich bin durchaus nicht zufrieden mit den vielen ge⸗
lehrten Sachen, die heutzutage in unsern Schulen getrieben
werden. Unsere lutherische Gemeindeschule ist doch vor allen
Dingen dazu da, die Kinder den Katechismus und die biblische
Geschichte zu lehren, und nicht, sie zu gelehrten Professoren zu ö
machen. Man quält die Kinder schier zu Tode mit Rechnen,
Geographie, Weltgeschichte, Zeichnen, Naturgeschichte ꝛc. Ich
bitte, was soll ein Kind von zwölf bis vierzehn Jahren mit
Anatomie anfangen? Will man die Kinder zu Arzten machen?
Wenn nicht, warum müssen sie dann die Namen der Knochen,
Muskeln ꝛc. am menschlichen Körper auswendig lernen? über
dem Unnötigen vergißt man das Nötige. Weil so viel anderes
zu treiben ist, darum bleibt für den lieben Katechismus wenig
Zeit und Lust übrig. Man will es eben den public schools
nachtun. Und eben deswegen schicke ich mein Kind lieber gleich
in die publie school.“
II. ö
a. „In unsern Schulen wird viel, viel zu wenig Engli
getrieben. In unserm Lande ist das Englische nun einmal di
Umgangs⸗ und Geschäftssprache. Wer daher mitkommen will
der muß möglichst gutes Englisch reden und schreiben kö .
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