Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 139

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 139

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule 26 · Gemeindeſchule 40

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t dessen verwendet man viel Zeit auf das Deutsche, das
Kindern in diesem Lande sehr wenig nützt. Warum sollen
e Kinder abquälen, eine Sprache zu lernen, die sie im
ngang und im Geschäft fast nie gebrauchen können, und die
her schon nach kurzer Zeit wieder vergessen werden? Der
anze Unterricht in unsern Schulen — auch im Katechismus
in der biblischen Geschichte — sollte in englischer Sprache
erteilt werden. Das wäre das Richtige. Und solange die Ge⸗
meinde sich nicht dazu versteht, diese notwendige Anderung
inzuführen, werden meine Kinder die Gemeindeschule nicht
suchen.“
b. „Ich bin deutsch und will deutsch bleiben, und ich sähe
ne, daß auch meine Kinder echt deutsch blieben. Dazu sollte
unsere deutsche Gemeindeschule dienen, denn dazu wurde sie
ů ründet. Aber sie tut es leider nicht. Sie heißt eine
dentsche Schule, in Wirklichkeit aber ist sie englisch.
Sehr großes Gewicht legt man auf das Englische; das Deutsche
ist fast zur Nebensache geworden. Das ist wahrlich für uns
Deutsche keine Ehre! Als rechter Deutscher würde ich meine
Kinder mit Freuden in unsere Schule schicken, wenn die deutsche
Sprache fleißiger und gründlicher getrieben würde. Da das
aber nun einmal nicht geschieht, so schicke ich meine Kinder lieber
gleich in eine wirklich englische Schule. Denn wenn sie nun
doch einmal englisch werden sollen, dann sollen sie wenigstens
ein richtiges Englisch lernen.“

III.

a. (Ein wohlhabender Mann.) „Ich bin grundsätzlich
gegen das Schulgeld. Es ist nicht recht, daß die Gemeinde von
ihren Gliedern, die doch die Kosten des Gemeindehaushalts
bestreiten, noch besondere Abgaben fordert für den Unterricht
ihrer Kinder. Da handelt der Staat doch viel christlicher.
Die Bibel sagt: „Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebet
es auch.“ Nach dieser Regel handelt unsere Gemeinde gewißlich
nicht. Wie schon gesagt, ich bezahle nun einmal grundsätzlich
kein Schulgeld. Und solange die Gemeinde das Schulgeld
nicht abschafft, werde ich meine Kinder nicht in unsere Schule
schicken.“

b. (Ein armer Mann, nachdem ihm erklärt worden ist,
daß die Gemeinde von armen Kindern kein Schulgeld er⸗
wartet.) „Das mag ja recht gut gemeint sein, aber ich kann
nich nicht dazu verstehen, von dieser Ordnung Gebrauch zu
chen. Man wird so schon scheel genug angesehen, weil man
ist. Und da sollte ich nun noch obendrein vor der ganzen
Gemeinde als Bettler auftreten? Nein, das geht mir gegen
mein Ehrgefühl! Ich schicke meine Kinder in unsere Schule,

erhaltung der Disziplin. Es fehlt an strammer Zucht und
nung. Das war früher anders. Als ich noch zur Schule
ing da hieß es einfach: „Gehorche, oder es gibt etwas! Jetzt
cheint es fast, als fürchteten die Lehrer sich mehr vor den Kin⸗
en als die Kinder vor den Lehrern. Auch vor den zärtlichen

ern scheinen die Lehrer große Angst zu haben. Tatsache ist,

ite, das alte bewährte Zuchtmittel, wird viel zu wenig

Aber mit einem Pfauenwedel läßt sich die Disziplin

in einer Schule nun einmal nicht aufrecht erhalten. Kinder
sollen lernen aufs Wort gehorchen. Das lernen sie aber nim⸗
mermehr, wenn man ihnen auf amerikanische Manier mit
please' hier und please' da Honig um den Mund streicht.
Ich bin unerbittlich für strenge Zucht und Ordnung. Ich will
nicht darüber urteilen, ob unsern Lehrern die nötige Autorität
fehlt, oder ob sie sie nur nicht gebrauchen. Nur das will ich
sagen: Ich schicke mein Kind in keine Schule, in der es an
strenger Zucht und Ordnung fehlt.“

b. „Die Lehrer in unsern Schulen sind zu unvernünftig
streng! Nicht die Liebe, sondern die Rute regiert in unsern
Schulen. Jede Kleinigkeit wird mit schroffer Härte bestraft.
Das macht aber die Kinder scheu und schüchtern. Von einer
freien, selbständigen Entfaltung des dem Kinde eigentümlichen
Charakters kann da keine Rede sein; es muß verkümmern.
Solch eine Erziehungsweise paßt nicht in eine christliche Schule,
sonderlich nicht in unserer Zeit. Auch in unsern Schulen sollte
die körperliche Strafe schon längst abgeschafft sein. Ein Lehrer,
der seine Schüler nicht durch seine Persönlichkeit und durch
freundlich⸗ernstes Zureden in Zucht halten kann, gehört über⸗
haupt nicht in die Schule. Und kein Mensch wird es feinfüh⸗
lenden, edelgesinnten Eltern verdenken, wenn sie sich weigern,
ihre geliebten Kinder solchen herzlosen Lehrern anzuver⸗
trauen.“ —

Das mag genügen, um zu zeigen, welcher Art vielfach die
Entschuldigungen solcher Eltern sind, die sich weigern, ihre
Kinder in unsere Gemeindeschulen zu schicken. Jeder sieht, daß
alle diese Entschuldigungen sich selbst richten; denn was unter
a. von unsern Schulen nachdrücklich behauptet wird, das wird
unter b. mit derselben Nachdrücklichkeit geleugnet. Man fühlt
es den Entschuldigungen auch an: sie sind nicht der aufrichtige
Ausdruck der wahren Gesinnung des Herzens. Und so ist es.
Der eigentliche Grund liegt viel tiefer, nämlich in der
Gleichgültigkeit gegen Gottes heiliges Wort. Das Wort des
HErrn: „Ihr Väter, ziehet eure Kinder auf in der Zucht und
Vermahnung zu dem HErrn!“ Eph. 6, 4, nimmt man nicht an
als die Grundregel für die wahre, rechte Kinderzucht. Man
will mitmachen mit der Welt. Der Weltsinn regiert solche
Eltern. Und Weltsinn ist es, der sie veranlaßt, ihre Kinder
von unsern christlichen Schulen fernzuhalten. Wahre christ⸗
liche Kinderzucht ist nur da möglich, wo die Eltern sich selbst
fürchten vor Gottes Wort. Wo das der Fall ist, da schickt man
seine Kinder auch gern und willig dahin, wo auch sie dieses
Gotteswort kennen, fürchten und lieben lernen. Das geschieht,
Gott sei Dank, in allen unsern Schulen. Und wenn in der
einen oder andern Schule in diesem oder jenem Stücke noch
ein Mangel sich zeigt, so ist wohl eine jede Gemeinde darauf
bedacht, diesem Mangel abzuhelfen eben im Interesse ihrer
Schule. J. A. F.

Die deutsche Freikirche.
Drei Gespräche.

1.

Ernst: Sag' mal, Gerhard, was ist das eigentlich?
Unser Herr Pastor sagte doch in der letzten Gemeindeversamm⸗
lung, wir sollten auch einmal für die deutsche Freikirche kollek⸗
tieren, der Allgemeine Präses hätte auf der Synode gesagt,

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