Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 147

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 147

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 7. Gebot

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8er 2„Tutheraner

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äumt es nie den Gottesdienst; kommt der Kaiser irgendwo früh
an, so muß der Wagen bereit sein, um ihn in die Kirche zu bringen.“
— Mit all diesem gibt der Kaiser seinem Volke ein schönes Beispiel.
Von Dr. Mönckeberg, dem ersten Bürgermeister der Stadt
Hamburg, der kürzlich starb, berichtet eine Zeitung nach der Mit⸗
lung aus Verwandtenkreisen des Verstorbenen, daß er bei dem
lle Morgen gewohnten Vorlesen eines Kapitels aus der Bibel
von. der Hand des Todes berührt wurde. Dabei erlahmte seine
Sprache, und der rechte Arm sank herab. An den Folgen des
Schlaganfalls verschied er. Der „Freimund“, dem wir diese
Nachricht entnehmen, bemerkt dazu: „Wenn der regierende Bürger⸗
meister der Freien und Hansestadt Hamburg, ein Mann, der viele
und wichtige Geschäfte auf sich hatte, täglich sich die Zeit nahm,
Hausandacht zu halten, und sich des priesterlichen Dienstes in sei⸗
nem Hause nicht schämte, so werden andere, deren Lebensstellung
bescheidener ist, kaum Zeitmangel vorschützen können oder das Bibel⸗
lesen für einen altväterischen Brauch erklären dürfen. Dr. Möncke⸗
bergs Verdienste um die Entwicklung der zweitgrößten Stadt des
Deutschen Reiches wurden aus Anlaß seines Todes allgemein an⸗
erkannt. Das Festhalten an der häuslichen Andacht ist gewiß ein
unverwelkliches, wenn auch von der Welt wenig beachtetes Blatt
im Ehrenkranz des Verstorbenen.“ L. F.

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Die Kirchgänger.

Ein König hatte einen Tag bestimmt, an welchem jedermann
zu ihm kommen und ihm sein Anliegen vorbringen konnte. Als
nun viele vor ihm versammelt waren, ließ er sie einzeln vor sich
treten und fragte nach ihren Wünschen. Der eine sprach: „Ich
brauche nichts und kann sehr wohl ohne dich leben; darum wirst
du mich auch selten hier sehen. Da ich aber dennoch gekommen
bin, wirst du die Ehre, die dir widerfährt, zu würdigen wissen.“
Der Zweite trocknete sich den Schweiß von der Stirn und sagte:
„Ich habe mich um deinetwillen sehr angestrengt, denn der Weg
zu deinem Schlosse ist mir sauer genug geworden. Ich hoffe, du
wirst es erkennen und mich gebührend belohnen.“ Der Dritte
hob an: „Wenn ich gewußt hätte, daß der dort kommen würde,
so wäre ich weggeblieben; denn wisse nur, er hat meine Ehre an⸗
gegriffen, und ich habe es ihm noch nie vergelten können. Außer⸗
dem hat er Lästerworte über dich geredet; laß ihn nur dafür
büßen!“ Der Vierte schaute nach allen Seiten und sprach: „Du
wohnst in einem schönen Hause, o König! Dieser Saal ist sehr
prächtig, und an den Wandgemälden kann ich mich nicht satt sehen;
ich möchte wissen, was sie alle darstellen!“ Der Fünfte ließ sich
also vernehmen: „Eben ist mir eingefallen, daß ich von Hause
fortgegangen bin, ohne zu bedenken, daß mein Geschäftsfreund
heute zu mir kommen könnte. Es steht etwas in Aussicht, was

mir guten Gewinn verspricht; da wäre es doch ärgerlich, wenn er
mit mir darüber sprechen wollte und mich nicht anträfe.“ Der
Sechste verbeugte sich tief und rief: „Ich bin gekommen, dir mei⸗
nen tiefgefühlten Dank abzustatten. Du hast meiner gedacht und
mir eine reiche Gabe zusenden lassen, die mir aus der Not geholfen
hat. Denke auch ferner an mich! Ich empfehle mich deiner Huld.“
er Siebente schaute mit strahlendem Blicke auf und sagte: „Herr,
wollte dein Angesicht sehen und deine Stimme hören, darum

e ich mich eingefunden.

em Auge, und dein Wort aus deinem Munde macht mein

fröhlich und gibt mir gute Gedanken.“ —

Merke: 1. Mancher stellt sich gar vornehm dem Höchsten
enüber und sieht es fast wie eine Herablassung an, wenn er
eilen beim Gottesdienst sich einfindet.

2. Mancher läßt sich dünken, er erweise Gott einen Dienst,
uer zur Kirche kommt, und müßte dafür belohnt werden.

„Beichtkinder sind!

Deine Hoheit und Milde thront in

3. Mancher kann nicht andächtig sein, weil er ein verbit⸗
tertes Gemüt hat und alsbald diesen und jenen wahrnimmt, bei
dessen Anblick gehässige Gedanken sich in ihm regen.

4. Mancher läßt seine Augen umherschweifen und bleibt an
allerlei Außerlichkeiten hängen, die ihm wichtiger sind als der
HErr selbst. *

5. Mancher wird von seinen Geschäften und Sorgen so ver⸗
folgt, daß sie auch im Gotteshause an ihm herumzerren.

6. Es ist gut, dem HErrn für allerlei leiblichen Segen zu
danken und alle Dinge ihm zu befehlen.

7. Es ist noch besser, an Gott selbst seines Herzens Freude
zu haben und die Seele zu nähren mit seinem Worte.

Gegen das Schuldenmachen.

Alle Augenblicke liest man in den Zeitungen: der und der
ist mit der Kasse durchgegangen, der und der hat Bankrott ge⸗
macht, der und der hat Schulden gemacht und ist nach Amerika
gegangen (oder hat sich erschossen mit Hinterlassung von Schul⸗
den). Gehe einmal umher in den Dörfern und Städten, wo
Christen wohnen und wo Gottes Wort noch im Schwange ist;
gehe umher von Haus zu Haus und frage: Wer ist ohne Schulden?
Du wirst erstaunen; beinahe alle haben Schulden: die Guts⸗
besitzer und die Hofbesitzer, die Häuslinge, die Witwen und die
Tagelöhner haben Schulden. Warum? Weil die Menschen lau⸗
ter Diebsgesindel geworden sind. Denn das ist nicht bloß stehlen,
wenn man in ein Haus bricht, sondern wenn man Schulder
macht, die man nicht bezahlen kann, wenn man leiht, was man
nicht wiedergeben kann. Wenn ich das zusammenzählen wollte,

um was ich betrogen bin, meint ihr, daß es unter 3000 bis

4000 Taler sein würden? Und das von denjenigen, die meine
So geht es allenthalben, kann auch nicht
anders sein; denn wer kann das kostbare Zeug, die großen Reif⸗
röcke, den vielen Putz und Staat, die sechs bis acht Röcke im
Schrank bezahlen? Und weil das keiner kann, so werden Schulden
über Schulden gemacht. Hat man kein Geld, so wird auf Borg
genommen, ohne daran zu denken, wie man es bezahlen will;
und das ist Spitzbüberei. Daraus sieht man, wie erbärmlich
das Christentum der Leute unserer Tage ist. Wollte ich doch
lieber trocken Brot essen und Wasser trinken, als Schulden
machen. Mancher überkommt Schulden von Vater und Mutter
und muß dann in den sauren Apfel beißen, sie abzuzahlen. Ist
ein solcher ein wahrer Christ, so knappt er es sich vom Munde
ab und ruht nicht eher, als bis die Schulden bezahlt sind.
(Louis Harms.)

Ob man ohne Empfang des heiligen Abendmahls kurz vor
seinem Ende selig sterben könne? ·

über diese Frage schreibt Philipp Jakob Spener in seinem
„Evangelischen Glaubenstrost“: „Es ist das heilige Abendmahl
ein treffliches Mittel zu der mehreren Seligkeit des Todes. Wes⸗
wegen es nicht für einen Aberglauben zu halten ist, wenn christ⸗
liche Personen, wo sie die Annäherung ihres Endes merken, mit
dem heiligen Abendmahl aufs neue sich zu stärken trachten; wie
auch die lieben ersten Christen, wo sie es haben konnten, da ihr
Martertod annahete, sich gern mit dem heiligen Abendmahl zu
solchem Kampfe bereiteten, ja eben deswegen in den gefährlichsten
Zeiten alle Tage die Kommunion empfingen, täglich so viel ge⸗
schickter zu dem Tod zu sein. Jedoch kann auch damit ein Aber⸗
glaube vorgehen, den man verhüten muß. Wenn einige sich die
Gedanken machen wollten, man könnte ohne das heilige Abend⸗

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