Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 9 › Seite 148

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. Mai 1908, Seite 148

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Eroſande. —.— · Feinde 3 · Tod 3

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S Der 2HDutfieranerS

— ——

mahl nicht selig sterben, und wo man's nicht bekommen hätte,
wären solche Leute verdammt, oder doch ihre Seligkeit ungewisser
als anderer — da wir doch keinen absonderlichen Befehl von un⸗
serm Heiland haben, daß es eben unumgänglich in unserm leßzten
Augenblick empfangen werden müßte. Noch gefährlicherer Aber⸗
glaube ist dersenige, wenn fast die meisten sich einbilden, wo man's
nur empfangen habe, da sei die Sache schon ausgemacht, der
Kranke sei versehen, das heilige Werk sei verrichtet, da manchmal
doch die geringste Buße bei solchen Leuten in ihren Herzen nicht
gewesen ist, sondern das Sakrament allein aus Gewohnheit, aus
der Ihrigen Anliegen oder zum Schein, um nicht für Unchristen
gehalten zu werden, begehrt haben, oder ist doch keine andere als
eine nur aus Furcht erpreßte Heuchelbuße bei ihnen gewesen.
So kommt auch aus solchem Aberglauben her, wo zuweilen Leute
die Prediger nötigen wollen, daß sie solchen Personen, die nicht
mehr bei genugsamem Verstand sind, das heilige Abendmahl geben
sollen, als wenn es sie, wo es nur in den Mund gebracht würde,
selig machte, wie eine leibliche Arznei, wo sie nur beigebracht
wird, heilsam sein sollte. Allen diesen Aberglauben hat man zu
verhüten. Aber an sich selbst ist die Empfangung des heiligen
Abendmahls und das Verlangen danach in der letzten Zeit des
Lebens kein Aberglaube, sondern, wo es recht angestellt wird, ein
stattliches Mittel, sich dazu zu bereiten. Es muß nämlich dahin
gerichtet werden, den Tod des HErrn zu verkündigen, 1 Kor.
11, 26; weil denn solcher Tod unserm Tod die Macht genommen,
so wird durch solche Verkündigung unser Glaube vortrefflich ge⸗
stärkt. So viel herrlicher aber das Sakrament den Glauben
stärket, so viel eine wichtigere Bereitung auf den Tod gibt es
uns, damit derselbe uns um des Todes JEsu Christi willen ein
seliger werde.“

Ein gutes Rezept.

Pastor M. war bekannt wegen der originellen Art, in welcher
er mit seinen Pfarrkindern zu verkehren pflegte. Eines Tages
sitzt er an seinem Schreibtische; da klopft es. Auf sein „Herein“
tritt ein Bauer ein und dreht verlegen seinen Hut in den Händen.

„Na, Janssen, was gibt's denn?“ fragt M.

„Herr Pastor, ich wollte Sie doch mal fragen, was ich mit
meinem Nachbarn anfangen soll.“

„Ist er noch immer so zänkisch?“

„Ja, es ist nicht mehr zum Aushalten! Alle Tage Streit
und Zank! Ich gehe ihm wahrhaftig weit aus dem Wege, aber
das hilft ja alles nichts. Immer hat er eine neue Ursache, und
wenn keine da ist, so macht er sich eine. Meine Frau ist schon
ganz krank vor Urger, und ich weiß mir auch nicht mehr zu helfen.
Alle sagen ja, ich soll ihn verklagen, aber Sie haben neulich so
schön gepredigt, daß ein Christ sich lieber übervorteilen lassen soll,
daß ich nun auch nicht zum Gericht gehen mag. Aber was soll
ich in aller Welt anfangen, um Frieden zu haben?“

Der Pastor sieht einen Augenblick zum Fenster hinaus, dann
sagt er zu dem überraschten Bauer: „Janssen, wissen Sie wohl

noch von der Schule her, wie man Walfische fängt? — Nicht?

Dann wollen wir mal ein bißchen nachhelfen..

M. steht auf, nimmt ein Buch vom Gestell und blättert ein
wenig. „So, hier ist es! Sehen Sie, das ist die Abbildung einer
Walfischjagd! Hier sehen Sie den unbändigen Burschen, der ge⸗
fangen werden soll! Da steht der Jäger in dem kleinen Boot mit
der Harpune in der Hand. Damit geht er nun dem Tiere tapfer
zu Leibe und wirft sie ihm tief ins Fleisch hinein. Nun schießt
der Fisch mit Heftigkeit unter Wasser. Aber sobald er zum Luft⸗
schnappen wieder hoch kommt, kriegt er noch eine und so fort!
Zuletzt, wenn er sich ausgetobt hat, muß er doch nach oben und
wird dann dem Jäger zur Beute. Verstanden, Janssen?“

Janssen sieht ihn an, als dämmerte es ihm, was sein Pastor
mit der Geschichte sagen will.

„Ja, lieber Janssen“, fährt M. fort;e„so gehen Sie in Gottes
Namen auf die Walfischjagd. Die rechten Harpunen kennen Sie
ja, die stehen Römer am 12. zu lesen: „Wenn nun deinen Feind
hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn! Wenn du das
tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß
dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit
Gutem!“ Es müßte doch sonderbar zugehen, wenn Sie Ihren
Walfisch nicht auch als Beute davonführten. Gewiß kommt er am
Ende noch ganz zahm nach oben.“

Und Janssen geht. Wochen waren seitdem verstrichen, da
llopft es eines Abends wieder, und Janssen tritt freudestrah⸗
lend ein.

„Na, Janssen, was macht der Walfisch?“

„Herr Pastor, hei's baben!“ (Er ist oben!)

Zweierlei Sterben.

„In einer Nacht“, so schrieb ein frommer Arzt, „wurde ich
durch heftiges Klingeln an meiner Tür aus dem Schlafe geschreckt.
Man rief mich zu einem Nachbarn, der plötzlich vom Schlage ge⸗
rührt war. Er war ein Beamter, hatte bis zwei Uhr nachts Karten
gespielt, und um halb drei hatte ihn der Tod gepackt. Leicht⸗
fertiges, leidenschaftliches Kartenspiel und Tod! 'An sein Seelen⸗
heil hatte der alte Mann nicht gedacht. Er verging in angstvoller
Verzagtheit, die Zunge war ihm gelähmt, aber die Haare sträub⸗
ten sich zu Berge und die Augen stierten Entsetzen. Wahrlich, es
ist nicht das Schlimmste zu sterben; das Schlimmste ist, trostlos,
ohne Heiland, ohne Glauben an IEsum Christum zu sterben.
Hätten solche Leute Königreiche, sie würden Königreiche hingeben
für einen Tropfen des Trostes; aber da sie Gottes Wort ver⸗
achten, haben sie keinen Tropfen, keinen auf der ganzen Welt.“

Wiederum schrieb derselbe Arzt: „Es ist schon ein Jahr her,
aber ich vergesse es nie, da kam ich zu einem Leineweber, den ich
lange an einer schweren Brustkrankheit behandelt und dessen Ge⸗

duld in allen Schmerzen und Nöten ich oft bewundert hatte. Als
ich jenesmal zu ihm kam, fand ich sein Weib und seine Kinder am
Bette und den Pastor bei ihnen, der ihm das heilige Abendmahl
reichte. Der Leineweber war still und froh und blieb es auch.
Ich hatte es ihm nicht zu sagen gewagt, daß sein Lebensende nahe
bevorstehe, aber er redete selbst davon und nicht unruhig, nicht
voll Schrecken, sondern wie ein Kind, das sich auf Weihnachten
freut: „Ich bin getrost“, sagte er, meine Sünden sind mir ver⸗
geben! Ich wußte ihm nichts zu sagen, ich hätte nur zuhören
mögen, und jedesmal, wenn ich in trostlosen Krankenstuben den
Tod am Bette stehen sehe, muß ich an den Leineweber denken.“

So erzählte dieser Arzt, der daraus lernte, nicht bloß das
Haus, sondern auch das Herz zu bestellen, damit der Tod nicht
schnell, wie ein Fallstrick, über ihn komme.

Mit eigener Kette gebunden.

In alter Zeit wurde einst ein berühmter Schmied verhaftet
und im Gefängnis eingemauert. Er sann und sann, wie er der
Haft entrinnen könnte. Er prüfte die Kette, mit der er gebunden
war. Es war ja möglich, daß die Kette einen Riß hatte und darum
desto leichter zu sprengen war. Aber seine Hoffnung war vergeb⸗
lich; denn an verschiedenen Merkmalen erkannte er in der Kette
das Werk seiner eigenen Hände wieder. Früher hatte er immer
damit geprahlt, daß kein Mensch eine Kette, die von ihm, dem
berühmten Meister, geschmiedet wäre, zersprengen könne. Und
nun waren es seine selbsteigenen Bande, die ihn fesselten. —

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