Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 10 › Seite 158
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 19. Mai 1908, Seite 158
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften · Offene Fragen 4
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lichen Eingebung der Bibel, so hindere man viele wissenschaft⸗
lich gebildete Leute daran, der Bibel noch zu glauben. Man
müsse vielmehr unterscheiden zwischen dem, was zu unserm
Heile nötig sei, und allen andern nebensächlichen Dingen in
der Bibel. Die Heilslehren habe freilich Gott offenbart, wenn
auch nicht geradezu wörtlich eingegeben, aber all die Neben⸗
sachen seien rein menschliche Zutaten. Und die Verfasser der
biblischen Bücher hätten davon geschrieben, wie sie es ver⸗
standen haben, ohne uns in unserm fortgeschrittenen Jahr⸗
hundert an die Anschauungen der damaligen Zeit binden zu
wollen.
Ernst: Hat denn der Mann dir nicht auch gesagt, was
alles zum Heil nötig ist und wer nun zu entscheiden hat, was
man in der Schrift glauben muß und was nicht?
Gerhard: Das habe ich ihn eben auch gefragt, und da
hat er geantwortet: die erleuchtete Vernunft der Christen und
ihre innere Erfahrung müsse das entscheiden. Und übrigens
seien dazu ja auch die Theologen da.
Ernst: O weh, da geraten wir ja in die Schwärmerei
und ins Papsttum zugleich! Denn unsere hiesigen Schwärmer
pochen doch immer auf ihr Gefühl, ihre Erfahrung und ge⸗
legentlich, wenn wir ihnen die Worte vom heiligen Abendmahl
vorhalten, auf ihre Vernunft. Und Luther wollte doch den
Konzilien allein nicht glauben, weil es am Tage sei, daß sie
oft geirrt haben. Was sind aber die Theologen besser als die
Konzilien? Und geirrt haben sie sicher so oft und wohl noch
öfter als die Konzilien! Wehe dem Christenvolk, wenn die
Theologen bestimmen sollen, was es zu glauben hat und was
zu seinem Heile nötig ist!
Gerhard: Nun, siehst du, darum ist es eben gut, daß
noch freikirchliche Gemeinden in Deutschland sind, die fest auf
der Bibel stehen.
Ernst: Ja, das ist freilich gut. Und ich möchte nur
wünschen, daß diese unsere lieben Glaubensbrüder recht viel
arbeiten und mit dem Zeugnis der Wahrheit recht vielen helfen
möchten. Denn ich kann mir nichts Schrecklicheres denken, als
wenn einem Menschen der Felsengrund des Bibelwortes unter
den Füßen weggezogen wird. Ich sollte aber auch meinen,
daß ihr Zeugnis, wenn es nur recht laut und ernsthaft abgelegt
wird, und wenn der Wandel der freikirchlichen Lutheraner
damit stimmt, auch noch viel Segen schaffen müßte. Denn
Gottes Wort ist doch eine Kraft Gottes und hat die Verheißung,
daß es nicht leer zurückkommen soll. Unsere liebe Synode und
die ganze Synodalkonferenz ist doch auch nur dadurch ent⸗
standen und bisher gewachsen und einig geblieben, daß man
Gottes Wort mit Ernst getrieben hat und allein herrschen läßt.
Gott erhalte uns dabei! Ich würde aber gerne noch etwas
Genaueres von der Arbeit und den Kämpfen unserer freikirch⸗
lichen Brüder hören.
Gerhard: Ich wollte dir ja eigentlich heute davon er—
zählen, doch sind wir durch deinen anfänglichen Widerspruch
auf andere Dinge gekommen.
Ernst: Das bedaure ich nicht, es hat michklarer gemacht.
Ich bitte nur, daß aufgeschoben nicht aufgehoben sein möge
und du mir das nächste Mal recht ausführlich erzählen mögest,
was du gehört und gesehen hast.
Gerhard: Recht gern! Für heute aber sei Gott be—
fohlen! Auf Wiedersehen nächste Woche.
Ernst: Auf Wiedersehen! W.
Zur kirchlichen Chronik.
Amerika.
D. Walther und „offene Fragen“.
mer des „Lutheraner“ vor dem Zusammentritt unserer Synode
in Fort Wahyne fertigstellen, erinnern wir unsere Leser daran,
daß es sich in diesen Tagen wieder jährt, daß der selige D. Walther
*
Indem wir diese Num⸗
aus der streitenden in die triumphierende Kirche versetzt wurde (er
starb am 7. Mai 1887), und daß unsere Synode damals gerade
auch in Fort Wayne versammelt war, als die Todesnachricht ein⸗
traf, weshalb auch das Begräbnis bis auf den 17. Mai verschoben
wurde, damit die Synode nicht unterbrochen würde und die Syno⸗
dalen doch am Begräbnis teilnehmen könnten. Dabei kommen
uns auch, wo man in letzter Zeit wieder so viel den „offenen Fra⸗
gen“ in Sachen des Glaubens das Wort geredet hat, die Worte
in den Sinn, die ein sonst auf einem ganz andern Standpunkte
stehendes Kirchenblatt, die Leipziger „Allgemeine Ev.⸗Luth. Kir⸗
chenzeitung“, nach Walthers Tod über ihn schrieb. Sie sagte:
„Er wollte deshalb nichts von ‚offenen Fragen'‘ wissen, in denen
er nur den Vorwand eines dem Worte Gottes ungehorsamen Her⸗
zens erblickte, und alles, was dem Grundartikel unsers luthe⸗
rischen Bekenntnisses von der Rechtfertigung auch noch so leise
widersprach, ... fand in ihm einen unerbittlichen, vernichtenden
Widersacher. Wie er in seiner Theologie nichts von offenen Fra⸗
gen wissen wollte, so in seiner Praxis nichts von Paktieren mit
der Welt oder der falschen Lehre. . . . Geradeaus ging er stets
nach seinem Gewissen, mochte auch scheinbar solche Geradheit alles
zugrunde richten. Und er hat gesehen, daß ‚geradeaus“ immer der
beste Weg zum Ziele ist. So glänzende Erfolge haben wenige
gesehen, wie er sie gehabt hat. Er hat uns alle gelehrt, daß alle
kluge Diplomatie in der Kirche die größte Torheit ist.“ — Bei
dieser Stellung Walthers, die eben die Stellung des göttlichen
Wortes ist, ist unsere Synode durch Gottes Gnade bisher geblie⸗
ben.
und im Bekenntnis! Gott sei mit uns, wie er gewesen ist mit
unsern Vätern! L. F.
Die große Generalkonferenz der Bischöflichen Methodisten,
die alle vier Jahre tagt und gewöhnlich etwa vier Wochen ber⸗
sammelt ist, hat am 6. Mai in Baltimore ihren Anfang genom⸗
men. Wegen der Größe des Kirchenkörpers, den sie vertritt, zieht
sie die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich. Die Metho⸗
distenkirche ist nach der römischen Kirche die an der Zahl stärkste
Kirche unsers Landes, und unter den vielen methodistischen Par⸗
teien ist die in Rede stehende nördliche Methodistenkirche die größte.
Sie hat Gemeinden und Missionen in allen Erdteilen, die auch
auf dieser Konferenz vertreten sind. Die Generalkonferenz be⸗
steht aus 787 stimmberechtigten Delegaten, von denen 394 Pre⸗
diger und 393 Laien sind; unter den letzteren finden sich mehrere
Frauen. Die Hauptgegenstände der Verhandlung sind die Fra⸗
gen: ob sich diese Methodistenkirche mit andern methodistischen
Parteien zur Aufstellung eines gemeinsamen Glaubensbekennt⸗
nisses verbinden soll; ob die Prediger nur eine bestimmte Reihe
von Jahren an ein und derselben Gemeinde wirken sollen; ob in
der Kirchenordnung das Verbot der weltlichen Vergnügungen, wie
Tanz und Theaterbesuch, aufrecht erhalten werden soll; ob die
Macht der Bischöfe, die keine geringe ist, beschränkt werden soll,
und andere mehr. Diese nördliche Methodistenkirche zählt hier⸗
zulande rund 3,000,000 kommunizierende Glieder, unterhält
26 theologische Seminare und viele andere höhere Anstalten. Die
Generalkonferenz hat große Gewalt, und es wird später über ihre
Beschlüsse Weiteres zu berichten sein. L. F.
Modernes Heidentum. Vor einiger Zeit hat sich in Chicago
eine Frau selbst verbrannt. Als der Fall gerichtlich untersucht
wurde, stellte sich heraus, daß diese Selbstverbrennung eine Selbst⸗
Diese Gnade halte uns auch fernerhin treu und fest im Wort.
—
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