Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 180
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 180
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S Der „Tutheransde
(Bd. 5, S. 441)! „Der Tod bedeutete mithin für unsern
SErrn JEsus die vollständige, ewige Vernichtung
der menschlichen Natur“ (Bd. 5, S. 452). „Vielmehr mußte
der Mensch IEsus Christus nicht nur sterben, sondern auch tot
bleiben als Lösegeld für uns in alle Ewigkeit“ (Bd. 5,
S. 440). Bei seiner Auferstehung ist Christus in ein Gott
ähnliches Wesen verwandelt worden. Was aus JeEsu Leib
wurde, sagt Russell, „weiß niemand“. Er nimmt als möglich
an, daß er „sich in Gase auflöste“ (Bd. 2, S. 125).
Bei den verschiedenen Erscheinungen nach seiner Auferstehung
(Russell gebraucht den Ausdruck „Auferstehung“, trotzdem nach
seiner Darstellung keine Auferstehung stattgefunden hat, son—
dern eine Auflösung, etwa in Gase, eine Vernichtung) erschuf
Christus zu dem Zweck, sich den Jüngern und den Frauen
zeigen zu können, einen menschlichen Leib. Dieser so mehr⸗
mals geschaffene Leib wurde dann nach jeder Erscheinung wieder
in nichts aufgelöst (Bd. 2, S. 121—123). Christus ist jetzt
weder Gott noch Mensch noch Engel, sondern „ein Gott“,
ein Gott ähnliches Geistwesen.
Wie soll man nun gegen diesen Wust von Greueln, wenn
man mit den von Russell Verführten zu handeln hat, an⸗
kämpfen, wie die Irregeführten zur Besinnung bringen? Wohl
am besten so, daß man zunächst von ihnen den Schriftbeweis
für ihre Lehre fordert, daß man etwa fragt: Wo steht das
geschrieben, daß unser Heiland von Gott geschaffen worden ist?
Wo steht das geschrieben, daß er ein Engel, der Oberste der
Engel war; daß er bei seiner Geburt aufhörte, ein Engel
zu sein; daß er bei seinem Tode aufhörte, ein Mensch zu sein,
daß „der Mensch IEsus tot ist, für immer tot“? Wo
steht das geschrieben, daß IEsu Leib, statt vom Tode zu er⸗
stehen, vernichtet, etwa „in Gase aufgelöst“ wurde; daß Chri⸗—
stus, um sich lebendig zu erzeigen, sich eimmal über das andere
einen Leib erschuf und ihn dann einmal über das andere wieder
in nichts auflöste? Und sicherlich, jeder, der nicht mutwillig
und absichtlich sein Herz gegen die Wahrheit verschließt und
verstockt, wird zu der Erkenntnis kommen, daß alles, was
Russell von der Person Christi lehrt, nicht in der Schrift ent⸗
halten ist, vielmehr aus rein aus der Luft gegriffenen Be⸗
hauptungen sich zusammensetzt und eben aus dem Grunde
Irrlehre ist, grobe, greuliche, gotteslästerliche Irrlehre, die
alle, die sie lehren und wirklich glauben, in die ewige Ver⸗
dammnis stürzen wird. —
In bezug auf das Werk Christi lehrt Russell, daß Chri⸗
stus uns durch sein Leiden und Sterben nicht das ewige Leben
selbst erworben hat, sondern nur die Gelegenheit, die Möglich⸗
keit, daß wir uns nun selbst durch Erfüllung gewisser Be⸗
dingungen, durch das Bestehen einer gewissen Probe, des ewigen
Lebens würdig erzeigen können. Dafür nur zwei Belege.
„Das Lösegeld für alle, das von dem Menschen JEsus
Christus gegeben wurde, gibt oder verbürgt keinem
Menschen ewiges Leben oder ewiges Glück, son⸗
dern es gibt und verbürgt einem jeden Menschen eine zweite
Gelegenheit oder ein anderes Gericht, ewiges Leben zu
erlangen“ (Bd. 1, S. 154). Ferner: „Wenn also Adam und
seine Nachkommen vom Fluch des Todes zurückgekauft worden
sind, so bedeutet dieser Rückkauf, diese Errettung vom Todes—
urteil, nicht die Verleihung ewigen Lebens, son⸗
dern einer gleich günstigen Gelegenheit, wie Adam sie hatte,
um sich des ewigen Lebens würdig erzeigen zu können..
Der Mensch wird im tausendjährigen Reich darauf,
hin auf die Probe gestellt werden, ob er auch des ewigen Lebens
würdig sei“ (Bd. 5, S. 454).
‚So sehen wir denn, daß Russell, gerade wie der Papst
und die Sekten, die heidnische Lehre führt, daß schließlich der
Mensch es ist, der sich das ewige Leben verdienen muß und
verdienen kann.
Gegen Russell, Papst und Sekten zeugt gar gewaltig
Gottes Wort, zum Beispiel 1 Joh. 5, 11—13: „Und das ist
das Zeugnis, daß uns Gott das ewige Leben gegeben hat;
und solches Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn Got⸗
tes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes
nicht hat, der hat das Leben nicht.
schrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes,
daß ihr glaubet an den Namen des Sohnes Gottes.“
Und nun zuletzt noch zwei der gefährlichsten Lehren
Russells, Lehren, die das stärkste Lockmittel Satans bilden für
alle, die liebhaben und tun die Sünde, für alle, die die Lüste
ihres verderbten Herzens vollbringen und dann bei ihrem Tode
doch noch in den Himmel kommen und selig werden wollen,
die Lehre: Auch nach dem Tode kann sich der Mensch
noch bekehren, und: Es gibt keine Hölle, sogar
nicht für die, die nach dem Tode die Bekehrung verweigern.
Russell lehrt also: Der Mensch kann sein Leben lang Gott
und sein Wort verachten, kann sich in allen Sünden und Lastern
wälzen, kann dem Fleisch die Zügel schießen lassen und die
Lüste des Herzens vollbringen bis ans Grab — das entscheidet
sein ewiges Los nicht. Er hat doch noch die allerbeste Gelegen⸗
heit, selig zu werden. Nach seinem Tode kann er noch alles
gutmachen. Tausend Jahre stehen ihm zur Verfügung. Wenn
Solches habe ich euch ge⸗ x ö
er in der Zeit gewisse Bedingungen erfüllt, eine gewisse Probe
besteht, wird er doch noch selig.
Ja und sogar wenn er diese Probe nicht besteht, selbst
dann steht es um ihn noch nicht so überaus schlimm. Das
Unangenehmste, was ihm sogar dann zustoßen kann, ist die
Annihilation, die Vernichtung nach Leib und Seele, die Ver⸗
wandlung in das Nichts; denn eine Hölle gibt es nicht. Eine
ewige Strafe der Sünde wird in der Bibel nirgends gelehrt.
Gott ist zu gut, als daß er eine ewige Strafe der gefallenen
Menschen (sowie der gefallenen Engel, der Teufel, wie früher
gemeldet) zulassen würde.
Gerade diese Lehre ist das erwünschte sanfte Ruhekissen
für Sünder, die liebhaben die Lüge und die Werke des Vaters
der Lüge vollbringen wollen. Ein besseres, dem Fleische mehr
zusagendes Evangelium könnte der Welt nicht geboten werden.
Es ist wie auf Bestellung gemacht. Gerade diese Lehre ist
es vornehmlich, die Satan als Lockspeise in die Falltür des
Russellismus legt, und durch die er fortwährend Seelen fängt,
um dann die so Gefangenen bei ihrem Tode an den Ort der
Qual und Pein zu schleppen — in die Hölle, die es eben
doch gibt, und die durch die hundertfache und tausendfache,
durch Konventionsbeschlüsse der Welt bekanntgegebene Ver⸗
neinung der Russelliten nicht hinweggeleugnet werden kann.
So schrecklich die Lehre von der Hölle auch ist, so sehr auch
das menschliche Gefühl und die menschliche Vernunft sich gegen
dieselbe aufbäumen mag, sie ist göttliche Wahrheit. Sie steht
geschrieben.
Heilandes, haben sie ausgesprochen und bekräftigt.
Die liebevollen Lippen IEsu, des barmherzigen
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