Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 185

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 185

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ö . 8 Der „Tuthoraner S

die Vermögensverhältnisse in den einzelnen Distrikten so ver⸗—
schieden und unberechenbar, und zum andern kann man nach
obiger Tabelle den Durchschnitt nicht genau feststellen. Wenn
aus Quittungen von Privatpersonen nicht hervorging, aus
welchem Distrikt die Gabe kam, so haben wir sie dem Distrikt
zugeschrieben, in dem der betreffende Kassierer wohnte. Das
gibt Distrikten, die Anstalten oder Kassierer für verschiedene
Kassen in ihrer Mitte haben, einen Vorzug. Schließlich sind
oft auch größere Vermächtnisse die Ursache, daß ein Distrikt in
einem Jahre vielleicht ziemlich obenan steht, während er das
nächste Jahr wieder einige Stufen tiefer sinkt.

In nachstehender Tabelle geben wir an, für welche Kassen
wir letztes Jahr gesammelt haben, und auf wie hoch sich ihre
Einnahmen belaufen haben.

Was haben wir für die einzelnen Kassen aufgebracht?

Synodalkasse § 81670.44 Fremdsprachige Missio⸗
Baukassse.139987.43 nen. 6497.57
Studentenkassen .... 52837.87 Mission in Australien
Collegehaushallt.. 2789.95 und Neuseeland ... 1068.01
Allgemeine Innere Mis⸗ Mission in London.. 1139.00
iͤrnn 24734.72 Europäische Freikirche. 37734.86
Innere Mission 194064.31 Unterstützungskasse... 38554.96
Kirchbaukase. 17279.33 Unterstützte Gemeinden 7882.41
Stadtmissinn 8552.38 Kinderfreundgesellschaf⸗
Heidenmissi. 34804.32 ten u. Waisenhäuser. 85883.43
Mission in Brasilien. . 20225.19 Altenheinmi. 3627.40
Mission in China... 2123.84 Sanitarimm. 6ʒ6011.02
Mission auf Kuba ... 634.57 Hospitäler 4094.52
Indianermission ..... 6²3.52 Anstalt für Schwach⸗
Judenmissi on 7..... 2100.37 sinnige u. Epileptische 7124.11
Negermissi 13367.67 Rotes Kreun ũJ14880.83
Taubstummenmission. 7856.99 Taubstummenanstalt. 3562.85
Emigrantenmission .. 3824.97 Verschiedenes .... . 13823.02

Man kann die vielen Kassen in drei Klassen teilen. Die
eine Klasse hat es vor allem zu tun mit unsern Lehran⸗
stalten, mit der Ausbildung von Predigern und Lehrern.
Diese Klasse scheint uns die allerwichtigste zu sein. Sorgen
wir nicht für zukünftige Prediger, wie wollen unsere Kinder
später Mission treiben? Wo wollen sie für sich selbst Prediger
bekommen? Stopft die Quelle zu, und das Wasser hört auf
zu fließen. Für diese Kassen: Synodalkasse, Baukasse, Stu⸗
dentenkassen und Collegehaushalt, haben wir §5277,285.69 auf—
gebracht.

Die zweite Klasse ist freilich fast ebenso wichtig. Sie um⸗
faßt alle die verschiedenen Missionskassen, die wir mit
5344,556.76 bedacht haben. Die Mission füllt den Himmel.
Welcher Segen mit diesem Gelde gestiftet worden ist, wird erst
in der Ewigkeit recht offenbar werden.

Die dritte Klasse schließt die gesamte Wohltätigkeits⸗
pflege in sich: Waisenhäuser, Kinderfreundgesellschaften, Ver—
pflegungsanstalten usw. Dafür haben wir §125,184.16 aus⸗
gegeben. Die Summie ist noch etwas zu niedrig, da wir nicht
von allen Anstalten Berichte haben. 23 Verpflegungsanstalten,
7 lutherische Herbergen, 14 Kinderfreundgesellschaften werden in
unserm Kalender aufgezählt. Welch eine Wohltätigkeit!
Manche Loge zählt mehr Glieder als wir, aber wo sind ihre
Wohltätigkeitsanstalten? Unsere Wohltätigkeitsanstalten sind
auch nicht bloß für Leute aus unsern eigenen Kreisen. Wir tun
Gutes an jedermann, der unserer Hilfe bedarf. Wir ermuntern
unsere Christen, fortzufahren in ihrer Wohltätigkeit. Wir

wollen nicht bloß Liebe üben mit der Zunge, sondern mit der
Tat und Wahrheit.

Für das Rote Kreuz haben wir §14,880.83 gegeben. Die
meisten Gemeinden aber haben, was sie zur Linderung der
Kriegsnot beitragen wollten, an unsere Glaubensbrüder in
Deutschland gewendet. Während die Europäische Freikirche
im Jahre 1913 von uns §5364.39 als Unterstützung erhielt,
sind ihr im letzten Jahre §37,734.86 zugeflossen und zum Teil
schon an sie abgesandt. Man kann darum wohl sagen, daß uns
der Krieg bisher schon 547,258 gekostet hat.

Ist unsere Wohltätigkeit dem Werke der Kirche hinderlich?

Mit andern Worten: Sind die vielen Wohltätigkeits⸗
anstalten schuld daran, daß etliche Hauptkassen der Allgemeinen
Synode Mangel leiden? An und für sich ist Wohltätigkeit
dem Werke der Kirche nicht hinderlich, im Gegenteil, sie fördert
das Werk. Gemeindeglieder, die ein Herz haben für leibliche
Not, haben auch eher ein Herz für die Not der Kirche. Beides
hängt zusammen. Wer seinen Bruder darben läßt und schließt
sein Herz vor ihm zu, gibt auch nicht viel für die Synodal⸗ und
Missionskasse.

Und doch kann es nun geschehen, daß die Wohltätigkeit
ein Hindernis für das Werk der Kirche wird. Das ist der Fall,
wenn man wohltätig ist auf Kosten der Mission. Wir dürfen
nie so Wohltätigkeit treiben, daß wir die Hauptaufgabe der
Kirche, Ausbildung von Predigern und die Mission, darüber
vernachlässigen. Wann eine Synode anfängt, auf solche Wege
zu geraten, läßt sich nicht leicht sagen. Geschieht es in unserer
Synode? Wir glauben nicht. Erstlich spricht die Statistik
dagegen. Wenn die Statistik in diesem Punkte nicht trügt,
haben wir in früheren Jahren im Verhältnis mehr für Wohl⸗
tätigkeit getan als jetzt. Im Jahre 1895 gingen 5.4 Prozent
der Gesamteinnahme der Allgemeinen Synode für Wohltätig⸗
keit, jetzt 6.9. Darin sind die Gelder für das Rote Kreuz
eingerechnet. Zum andern darf man nicht vergessen, daß auch
unsere Wohltätigkeit zum großen Teil im Dienste der Mission
steht. Man kann Kinderfreundgesellschaften ebensowohl unter
der Rubrik „Mission“ anbringen.
bringen die Kinder so schnell als möglich in christlichen Familien
unter und überlassen die Wohltätigkeit mehr den einzelnen Fa⸗
milien, die die Kinder aufnehmen. Auch darf man nicht über—
sehen, daß verschiedene Verpflegungsanstalten oder Hospitäler
auf eine solche geschäftliche Basis gestellt sind, daß sie sich fast ganz
von selbst erhalten. Von solchen Anstalten kann man nicht sagen,
daß sie dem Werk der Kirche hinderlich sind. Schließlich kann
man den Mangel in den Kassen der Allgemeinen Synode auch
auf andere Weise erklären, wie wir im folgenden tun wollen.

Woher kommen unsere Schulden?

Nach dem kürzlich erschienenen Bericht des Allgemeinen
Kassierers hat die Allgemeine Synode eine Schuld von
599,122.89 in der Synodalkasse und in der Baukasse. Eine
große Summe! Was ist die — oder wir wollen lieber sagen:
eine — Erklärung dafür, daß die Kassen der Allgemeinen
Synode in den letzten Jahren trotz aller Anstrengung Schulden
hatten und behielten? Es ist das enorme, riesige Wachstum
der Bedürfnisse. Man lese zum Beispiel im „Lutheraner“
1890, Seite 76, was wir damals für die Allgemeine Synode
aufgebracht haben. Es sind etwas über §35,000. Im Jahre

Kinderfreundgesellschaften

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