Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 188

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 188

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—

Oakland, Cal., statt. Während der Osterferien war die schwere
Arbeit der übersiedelung aus der alten Anstalt geschehen, und
als der Tag gekommen war, da das neue Heim der Anstalt sei⸗
nem hohen Dienst übergeben werden sollte, war das schöne Ge—
bäude, auch was seine innere Einrichtung anbetrifft, fast voll⸗
ständig hergerichtet. Die Feier, begünstigt von prachtvollem
Frühlingswetter, nahm ihren Anfang um 11 Uhr, und da die
Gemeinden in San Francisco, Oakland, Berkeley, Alameda und
umliegenden Städten ihren Gottesdienst ausgesetzt hatten, stellte
sich eine große Zahl lieber Christen ein, um Gott zu loben und
zu danken, daß er das große Werk so gnädig hat gedeihen lassen.
Zwei Reden wurden gehalten, eine in deutscher Sprache von
Präses Bernthal, in der der eigentliche Zweck der Anstalt als
einer christlichen Erziehungsanstalt schön dargelegt wurde, und
eine englische von P. Rudnick aus Santa Ana, Cal., der es ver⸗
stand, klar darzutun, daß das College für christliche Jünglinge
eine Anstalt ist, wie sie nach Gottes Willen sein soll, weil sie
nicht nur Geist und Körper zu entwickeln sucht, sondern ganz
besonders auch durch Gottes Wort auf die Seele ihrer Zöglinge
einwirkt. Nach diesen beiden Reden sprach P. Haserodt das Weih⸗
gebet. Ein Massenchor, bestehend aus den Kirchenchören der Ge—
meinden in Oakland, San Francisco und den Schülern der An⸗
stalt, trug unter Lehrer Theiß' Leitung durch zwei längere
Jubelhymnen nicht wenig zur Verschönerung der Feier bei, die
damit ihren Abschluß fand, daß P. Theiß im Namen der Auf⸗
sichtsbehörde der Fakultät den Schlüssel der neuen Anstalt über⸗
reichte. Näheres über das California⸗Concordia-College nebst
einem Bilde desselben wird seinerzeit im „Lutheraner“ erscheinen.
— Nun, gebe der liebe Gott, zu dessen Ehre ja das neue College
errichtet worden ist, daß, wie die Anstalt äußerlich bedeutend
größer geworden ist, auch die Zahl ihrer Schüler zunehme zu
Nutz und Frommen seiner Kirche! Ihm allein die Ehre!
Theo. Brohm.

Daß unsere Gemeindeschulen auch in den weltlichen Unter⸗
richtsfächern Bedeutendes leisten, jedenfalls den Staatsschulen im
allgemeinen nicht nachstehen, ist eine Tatsache, auf die der „Luthe⸗
raner“ schon öfters hingewiesen hat. Doch freuen wir uns, wenn
einmal an einem besonderen Beispiel sich nachweisen läßt, daß
unsere Kinder auch in weltlichen Fächern hinter den Schülern der
Freischulen nicht zurückstehen. In New Orleans geschah es kürz⸗
lich, daß ein Verein von Frauen der höheren Gesellschaft dem
School Board die Offerte machte, für den besten Aufsatz über
eine Schlacht des Bürgerkrieges einen Preis auszusetzen. Auf
diese Offerte ging die Schulbehörde ein. Die Aufsätze wurden
geschrieben, und zwar wurde den Kindern erst zu Beginn der
Unterrichtsstunde das Thema gestellt: „Die Schlacht bei Gettys⸗
burg.“ Mehr als 4000 Aufsätze wurden abgeliefert, und eine
Kommission von zwölf prominenten Bürgern sah sie durch. Nach
langem Prüfen entschieden sich die Preisrichter dafür, einer
Schülerin des achten Grades in der Magnoliaschule den Preis
zuzuerkennen. Es stellte sich dann heraus, daß die Siegerin in
diesem Wettbewerb nur anderthalb Jahre die Freischule, dagegen
sechs Jahre die Schule einer unserer New Orleanser Gemeinden
besucht hatte. Das ist eine gemischte Schule, in welcher der
ganze Unterricht von einem Lehrer erteilt wird. Die Schüle⸗
rin war zudem die jüngste in ihrer Klasse. G.

über die Grundlage für lutherische Einigung spricht sich im
Lutheran Church Visitor P. B. D. Wessinger, ein Glied der
Tennesseesynode, aus. P. Wessinger betont vor allem, daß die
lutherische Kirche treu am Bekenntnis halten müsse und sich weder
durch Anfeindungen noch durch die wechselnden Meinungen der
Menschen in ihrer Stellung zum Bekenntnis irremachen lassen
dürfe. Unsere Bekenntnistreue sei nicht schuld an den Trennungen
in der Christenheit. „Nichts würde die lutherische Kirche mit

größerer Freude willkommen heißen als die Vereinigung aller 1
Christen in der Wahrheit des Evangeliums. Aber ehe Einigkeit
da ist, kann von Vereinigung nicht die Rede sein. Wenn andere
nicht gemeinschaftlich mit uns die Wahrheiten bekennen wollen,
die wir bekennen, so können wir gewiß nicht gemeinschaftlich mit
ihnen die Irrtümer bekennen, die sie lehren, und uns daraufhin
mit ihnen vereinigen. Das ist nicht Engherzigkeit, sondern das
ist Treue in der Wahrheit und Festhalten an unserm Bekenntnis⸗
grundsatz.“ über eine solche Aussprache kann man sich nur
freuen. Vortrefflich ist, was im nachfolgenden über Logenglied⸗
schaft, Chiliasmus und Altar⸗ und Kanzelgemeinschaft gesagt
wird. über Kanzelgemeinschaft sagt P. Wessinger: „Die Ten⸗
nesseesynode gestattet keinen Austausch von Kanzeln mit andern 7
Kirchengemeinschaften. Ihre Regel ist: Lutherische Kanzeln für,
lutherische Prediger. Und das scheint manchen engherzig zu sein.

Auch manche, die den lutherischen Namen tragen, halten unsere

Stellung nicht für die richtige. Doch, sehen wir die Sache an, wie 4
sie ist. Die Sekten um uns her haben jede ihre besonderen U.
Lehren, die sie von andern trennen. Wir würden nicht konsequent .

handeln, wenn wir sie oder sie uns zum Kanzelaustausch auf⸗ 4
fordern würden; denn sie wissen ja, daß wir nicht ihre und sie
nicht unsere Lehre predigen würden. Wenn wir wirklich glauben,
daß die Wahrheit des Wortes Gottes in unsern Bekenntnisschriften I.
richtig dargelegt ist, so ist diese überzeugung nicht ein so unbes
deutendes Ding, daß wir sie je nach Gelegenheit zeitweilig ab⸗
streifen könnten. Wir leugnen nicht, daß es in andern Kirchen
gute Leute gibt, und daß sie auch noch bedeutende Stücke der gött⸗
lichen Wahrheit lehren. Nicht wegen der richtigen Lehrstücke, die
sie noch haben, sondern wegen der falschen Lehren, die sie treiben, X.
können wir sie nicht als Glaubensbrüder behandeln.“ über
Altargemeinschaft folgt dann diese Ausführung: „Auch betreffs
des Altars gilt: Lutherische Altäre für lutherische Kommuni⸗
kanten. Man fragt uns, was die Berechtigung zu dieser Regel 7
sei; es sei doch des HErrn Tisch. Das ist er, und gerade
deswegen haben wir durchaus kein Recht, damit zu handeln, wie
uns beliebt, sondern müssen, eben weil es sein Tisch ist, uns —.
an seine Anordnungen halten. JEsus hat nicht die Pharisäer H
und Sadduzäer eingeladen, als er das Abendmahl feierte, son⸗
dern nur seine Jünger. Ja, wenn das Abendmahl nur ein
Zeichen des Leibes und Blutes Christi wäre, so brauchten wir

wohl nicht so vorsichtig zu sein, aber weil die unwürdigen Gäste “
sich an dem wahren Leib und Blut Christi versündigen, haben
wir nur solche zuzulassen, von denen wir wissen, daß sie sich nach 3
Anweisung der Schrift prüfen können. Weil Zwingli nicht U
richtig lehrte vom Sakranient, hat Luther ihn nicht als Glaubens⸗
bruder anerkannt. Luther war dem Worte Gottes zu treu, als X
daß er Zwingli auf eine andere Bedingung hin als Annahme der
Wahrheit des klaren Wortes Gottes als Glaubensbruder aner⸗
kannt hätte. Diesen Standpunkt teilen auch wir und halten, daß
er zu einer wahren Einigkeit der lutherischen Kirche durchaus x
nötig ist. Und während wir alle das Zustandekommen einer

Vereinigung herbeiwünschen, geht es doch nicht an, daß wir uns
von praktischen Rücksichten leiten lassen. Vorerst bleibt es unsere .
höchste Pflicht, gerade in unserer Zeit das Bekenntnis unsers
Glaubens ohne Wanken festzuhalten.“ Damit ist der Standpunkt!
ausgesprochen, der auch von unserer Synode je und je vertreten
worden, und nach dem von uns praktiziert worden ist. Wenn die
Tennesseesynode aber als solche den Standpunkt einnimmt, den 1 13
P. Wessinger vertritt, so hat sie in ihrer gegenwärtigen Synodal⸗ I
verbindung einen Wandel zu schaffen, um das zu praktizieren,
was sie lehrt. Die Tennesseesynode steht nämlich in einem brüder⸗
lichen Verhältnis zu der Vereinigten Synode des Südens und
durch diese auch zur Generalsynode. Besonders in der General⸗
synode wird aber nach keinem der vier genannten Punkte prak⸗

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