Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 187

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utheraned S

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Kuvertsystem kann dazu behilflich sein, am nächsten Sonntag
die Gabe in den Klingelbeutel zu legen. In meiner Gemeinde
gibt es kein Kuvertsystem. Alles paßt nicht für alle. Wenn
in kleinen Gemeinden am Sonntag die Leute alle da sind, oder
wenn, falls jemand fehlt, dieser seine Gabe nachträglich dem
Pastor bringt, was will man sich da erst die Mühe machen, das
Geld in das Kuvert zu stecken und wieder herauszuholen? Aber
in größeren Gemeinden steht es meist so, daß selbst an Feier—
tagen, an Abendmahlssonntagen, wo eine Kollekte gesammelt
wird, ein ganzer Teil der Gemeinde fehlt. Warum könnte
man sich da nicht des Kuverts bedienen? Das Kuvert, das
zu Hause liegt, erinnert die Leute an die Kollekte, und sie
bringen ihre Gabe, ihr Opfer, von selbst.

Vereinfachung der Kassen.

Wir haben oben über dreißig verschiedene Kassen aufge—
zählt, für die wir sammeln. Viele Distriktskassierer haben noch
viel mehr Kassen. Das ist etwas viel. Die Arbeit unserer
Kassierer wird oft ganz unnötig erschwert. Vielleicht kommt
bald die Zeit, wo wir unsere Kassen etwa auf zwanzig redu—
zieren. Und doch freuen wir uns, daß wir verschiedene Kassen
haben. Unsere Gemeinden fühlen sich ganz wohl dabei. Wir
würden es nicht gern sehen, wenn alle diese Kassen auf etwa
fünf zusammengeschmolzen würden. Warum nicht? Wir
glauben, daß man viel mehr erreicht, wenn man regelmäßige
monatliche Kollekten mit dem Verschiedenen-Kassen⸗
system verbindet. /In unserer Synode, die so ausgedehnt ist,
ist fast immer etwas vorhanden, was einen besonderen Beweg—
grund für einen ganz bestimmten Zweck gibt. Wir lesen zum
Beispiel in der Zeitung, daß das Lehrgebäude in River Forest
abgebrannt ist, daß ein Sturm über Omaha ging. Der Neger—
missionsdirektor, ein Heidenmissionar, der Kinderfreundmann
kommt herum und legt uns eine Sache ans Herz. Missions⸗
prediger predigen über eine bestimmte Mission und machen uns
das Herz warm für diese Sache. Das alles macht uns oft
willig, doppelt und dreifach so viel zu geben, als wenn eine
regelmäßige Kollekte erhoben wird. So ist Verschiedenheit der
Kassen von großem Vorteil für unsere Opfer.

Der Apostel sagt: „Als wir denn nun Zeit haben, so
lasset uns Gutes tun an jedermann.“ Laßt uns geben, solange
wir leben! Lange dauert es nicht mehr, dann können wir
keine Opfer mehr bringen. Die Zeit des Säens hört auf. Laßt
uns die Zeit auskaufen, die wir noch haben! „Zu seiner Zeit
werden wir auch ernten ohne Aufhören.“ E. Eckhardt.

— —

Zur kirchlichen Chronik.

„Die Bedürfnisse sind gewachsen!“ Jeder Leser des Artikels
über „Unsere Finanzen“ wird Herrn P. Eckhardt recht geben
müssen, wenn er in diesem Umstand, daß die Bedürfnisse unserer
Synode enorm gewachsen sind, den Grund der mancherlei Kassen—
not in unserer Synode findet. Die Zahlen beweisen es ja. Jedes
Jahr wird mehr gegeben, und doch hält die Zunahme in den Gaben
nicht Schritt mit der Zunahme der Bedürfnisse. Nun hat der
werte Verfasser des Artikels über „Unsere Finanzen“ schon einem
Mißverstand gewehrt, indem er daran erinnert, daß wir allen
Grund haben, uns über das Wachstum der Bedürfnisse sehr
zu freuen. Und doch ist es vielleicht nicht ein überflüssiges

Werk, wenn an dieser Stelle darauf hingewiesen wird, was das
eigentlich heißt: „Die Bedürfnisse unserer Synode sind in stetem
Wachsen.“ Erstens heißt das nicht, daß in manchen Kassen
Not herrscht, weil unnötige neue Bedürfnisse und damit verknüpfte
Ausgaben geschaffen und der Synode aufgehalst worden sind.
Was unsere Distrikte und deren einzelne Gemeinden an Ver⸗
pflichtungen nach außen hin übernehmen, das übernehmen sie aus
freien Stücken, und nachdem die Vertreter der Gemeinden reichlich
darüber beraten haben, und kein Mensch sagt ihnen: Dieses Werk
und jenes Werk müßt ihr übernehmen. Nein, ohne unser Zu⸗
tun, ohne das Zutun irgendeines Menschen, sind die Bedürfnisse,
die unsere Kassen befriedigen sollen, zu solcher Höhe angewachsen.
Alle diese Bedürfnisse sind jedoch, im Grunde genommen, nur
eins. Ihnen allen liegt zugrunde das Verlangen des Sünder⸗
herzens nach Frieden mit Gott. Ja, es ist der Hunger
nach dem Evangelium, der sich in diesem „Wachstum der
Bedürfnisse“ offenbart. Weil immer größere Scharen sich herzu⸗
drängen zum Wasser des Lebens, und wir trotz immer größerer
Gaben doch immer noch hinter den wachsenden Bedürfnissen, näm⸗
lich hinter dem Bedürfnis, das seligmachende Evangelium zu
hören, zurückbleiben, deshalb reden wir von Kassennot. Wo wir
noch vor einigen Jahrzehnten nur mit Hunderten zu rechnen
hatten, die Missionare und Reiseprediger haben wollten, haben
wir jetzt mit Tausenden zu rechnen, die uns bitten: Schickt uns
einen Prediger, der uns Gottes Wort und Luthers Lehr' ver⸗
kündigt! Wenn dieses Bedürfnis aufhörte, was hätte das zu be—
deuten? Daß unser Evangelium keine Kraft mehr hat? Nein,
sondern das würde bedeuten, daß Gott von den Ländern und
Völkern, unter denen wir jetzt hauptsächlich Mission treiben, seine
Hand abgezogen hätte und sie um ihrer Sünden willen mit dem
Gericht der Verstockung straft, wie er einst Agypten und später
Israel gestraft hat. Wäre das nicht schrecklich? O wie sollten
wir uns freuen, wenn wir sehen, daß der HErr ein langmütiger
Gott ist, seine Gerichte noch zurückkält und diesen Hunger in
die Herzen gibt, Hunger und Durst nach dem einen, das not ist!
Das liegt der „enormen Zunahme der Bedürfnisse“ zugrunde.
Wir brauchen immer mehr Pastoren und Lehrer und, um diese
auszubilden, immer mehr Professoren, Anstaltsgebäude und Hilfs⸗
mittel. Immer größere Scharen von Missionaren und Reise⸗
predigern stehen in der Arbeit, die wir zu erhalten haben, weil
sie erst daran sind, Gemeinden zu sammeln, die später einmal
ihre Pastoren und Lehrer selber erhalten können. Solange Gott
unserm Lande die Gnadenzeit erhält, so lange werden wir auf

jeder Synodalsitzung wieder frohlocken dürfen: Noch immer ist

ein Hunger da im Lande nach dem Worte Gottes; das Bedürfnis
nach unserm Evangelium ist noch nicht befriedigt; noch kommen
die Scharen und bitten um Pastoren und Lehrer! Und wenn das
einmal nicht mehr sein wird, wenn Gott, wie das geschehen mag,
seine Hand von dem Land abzieht, das seine Gaben mit so viel
Undank hinnimmt, was dann? Haben wir dann haltzumachen?
Nein, dann heißt's, das Netz zur andern Seite des Schiffs aus⸗
werfen, nämlich in die große Heidenwelt; und was es da erst
für Bedürfnisse gibt, welche Zunge will das ausreden, wel⸗
cher Sinn mag das ausdenken? G.

Die Gemeinden des Englischen Distrikts unserer Synode
haben die Weise, jedes Jahr genau über die für außergemeindliche
Zwecke gesammelten Gaben zu berichten. Aus dem eben ver—
öffentlichten neuesten Bericht geht hervor, daß alle Gemeinden des
Distrikts in Jahre 1914 mehr für auswärtige Zwecke gesammelt
haben als im Vorjahr. G.

Einweihung in Oakland, Cal. Der 11. April war ein Tag
großer Freude für den California- und Nevada⸗Distrikt unserer
Synode; fand doch an diesem Tage die feierliche Einweihung des
schönen, neuen Gebäudes des California-Concordia-College in

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