Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 182
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 182
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
182 S Mer
TutserR
.
Hoffnung. Bei einigen meiner Glieder sieht es überaus traurig
aus. Mehl kostet jetzt 84.75 bis 55.25. Manche fangen an,
ihren Weizen mit der Kaffeemühle zu mahlen; andere bereiten
ihren Kaffee aus Gerste. Alle Lebensmittel sind furchtbar
teuer. An der government road konnte man 5 Dollars den
Tag verdienen, aber meine Leute wurden immer zurückgewiesen,
und nur Englische angestellt.“
6. „Hier hatten wir eine Fehlernte, so daß die Gemeinde,
die im vorigen Jahre beinahe 5300 für Gemeindezwecke auf⸗
gebracht hatte, nur 570 zu zeichnen wagte.“
7. „Meine Gemeinde ist durch den Krieg] sehr in Mit⸗
leidenschaft gezogen worden, da die Leute arm sind und seit
August keine Arbeit haben.“
8. „Hier ist Arbeitsmangel.
geschlagen.“
9. „Alle Preise für Lebensmittel sind bedeutend gestiegen,
seitdem der Krieg ausgebrochen ist.“
10. „Arbeitslosigkeit herrscht allgemein im westlichen
Canada. Die trifft nun auch gerade meine Gemeinde. Unsere
Leute sind ohne Ausnahme arme Arbeiter, die von der Hand
in den Mund leben. Viele von ihnen haben während der
vergangenen drei bis vier Monate wenig oder gar nichts ge—
arbeitet, und wenn sie nicht Verdienst bekommen, müssen sie
von der Stadt versorgt werden.“
11. „Die Arbeitslosigkeit ist groß. Schon vor dem Kriege
sah es schlimm aus, und nun wird es noch schlimmer. Seit
zwei Wochen erheben wir zwei Kollekten monatlich für unsere
Hilfskasse. Die Kollekten sind klein, denn die Leute haben
wenig Verdienst. Es wird da manches Scherflein eingelegt.
Vor einiger Zeit war die aus sieben Personen bestehende Fa—
milie eines Gliedes im Gottesdienst und legte ein. Ich er⸗
fuhr zufällig, daß diese Münzen wirklich Witwenscherflein
waren: das letzte Geld im Haus hatten sie geopfert.
Die Opferwilligkeit der Leute ist wahrhaft erhebend.“
12. „Es herrscht allgemeine Arbeitslosigkeit in canadischen
Städten.“
13. „Auf dem Lande herrscht hier große Not. Besonders
südlich und östlich von hier hatten wir eine totale Fehlernte.“
14. „Hier war die Ernte gut; im Städtchen dagegen ist
sehr wenig Arbeit. Geld ist sehr knapp, und Lebensmittel
sind im Preis gestiegen.“
15. „Die Arbeitslosigkeit ist hier infolge des Krieges sehr
groß. Sobald England in den Kampf getreten war, kam hier
alles zum Stillstand. . . . Den Deutschen und Ssterreichern,
die noch nicht naturalisiert sind, hat man die Waffen abge⸗
nommen. Das ist ganz besonders für die neuen Heimstätter
von großer Bedeutung; denn viele leben sozusagen vom Wild,
das sie sich mit ihren Flinten erlegen; jetzt aber sind ihnen
diese genommen.“
16. „Da der Krieg Industrie und Handel sehr beeinträch—
tigt hat, so bekommen unsere Leute in den meisten Fällen keine
Arbeit; folglich haben sie auch kein Geld. Jetzt schon haben
Hunderte von Familien in W. kein Geld, um sich zu kleiden,
Brennmaterial, Nahrungsmittel usw. zu kaufen und Hausmiete
zu zahlen. In letzter Zeit sind unsere Familienväter bei mir
gewesen und haben mir ihre Not, ihre traurige Lage, ge⸗
schildert. Man weiß wirklich nicht, was man für die armen
Leute tun soll.“
Die Ernte ist völlig fehl—
7
——
17. „Die Preise mancher Lebensmittel sind in erstaun⸗
licher Weise gestiegen.“
18. „Viele Bauten mußten wegen Mangels an Geld ein— 2
Fabriken wurden geschlossen, und andere &
Tausende, meistens Ein-
Viele sind aufs
Land zu Freumden gezogen, um Unterkunft und Nahrung zu 4
haben. Viele sind noch in den Städten, weil sie nicht wissen,
gestellt werden.
Arbeitgeber beschäftigen nur wenige.
wanderer, sind dadurch arbeitslos geworden.
wohin sie sich wenden sollen.“
Etwa dreißig weitere Briefe reden fast durchweg dieselbe — ö
Sprache, wenn sie die Lage in den westlichen Provinzen +
Canadas in den Monaten nach dem Ausbruch des Krieges be. 4
7
schreiben. Meistens sind ja unsere canadischen Glaubensbrüder
neue Ansiedler oder doch erst einige Jahre im Lande, so daß
sie keine Ersparnisse haben. Nun steht es nicht so, daß wir
alle diese Missionare im westlichen Canada aus unserer Kasse
erhalten. Die meisten werden teilweise von ihren Mis⸗
sionsplätzen und Gemeinden und teilweise aus der Kasse für
Allgemeine Innere Mission erhalten. Eben diese Beiträge von
seiten der canadischen Gemeinden sind nun durch die allgemeine
Notlage stark verringert worden, dagegen sind die Ausgaben ö
für Lebensmittel gestiegen, so daß ganz klar ist, daß unsere
Pastoren in diesem Gebiet in die größte Not geraten müssen.
wenn nicht wenigstens die fehlenden §8144 aufgebracht werden,
die unsere Synode diesen Missionaren an Gehalt noch schuldig ist.
In einer andern Spalte wird von einem Einsender daran 4
erinnert, daß durch öfteres Geben, wenn auch von kleinen
Gaben, und durch das Heranziehen möglichst aller Ge—
meindeglieder zum Geben für äußere Zwecke bald überfluß
an Geldern in unsern Kassen wäre statt Mangel. Leiden
unsere Missionare in Canada jetzt Not, so liegt hauptsächlich
hier das Versehen: man hat in so vielen Gemeinden noch
keine Ordnung in der Sammlung von Gaben für das Werk, ö
das unsere Gemeinden als Synode gemeinschaftlich treiben.
Solche Ordnung kann nicht bis zum 1. Juli eingeführt werden.
Bis zum 1. Juli sollten aber so viele Herzen und Hände durch
die große Not unserer canadischen Brüder willig gemacht wor⸗
den sein, daß nicht nur die 58 144, sondern noch ein guter Teil
der fürs nächste Jahr versprochenen 550,000 für Allgemeine
Innere Mission in den Händen der Distriktskassierer ist.
Sollte es nicht möglich sein, daß der Leser gleich am Sonn—
tag, nachdem er diese Notlage unserer Glaubensbrüder erfahren
hat, seinem Pastor in der Kirche eine Gabe überreicht „für die
Allgemeine Innere Mission“? Lies noch einmal den Brief
des Vorsitzers unserer Kommission. G.
Unsere Finanzen.
Wieviel haben wir letztes Jahr für auswärtige Zwecke
aufgebracht?
Im Auftrag des Concordia Publishing House hat der
Unterzeichnete sich in den letzten Wochen mit obiger Frage be⸗
Die Gesamtsumme an Beiträgen und Kollekten, die
schäftigt.
im Jahre 1914 in unserer Synode aufgebracht wurde, beträgt
5871,819.30. Eine große Summe!
Synode noch mehr gegeben als das.
tätigkeitsanstalten gehen nicht durch die Hände unserer Distrikts-
kassierer, sondern werden in Privatblättern quittiert, deren es
Und es wird in unserer
Viele Gaben für Wohl⸗
———
English translation
Not yet translated.