Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 186
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 186
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8 Der VutßeraneES. ö
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1900 waren es schon etwa §120,000. Jetzt berichtet uns unser
Allgemeiner Kassierer, daß er im vergangenen Jahre 5436,000
ausgegeben hat. Ist es ein Wunder, daß wir kaum mitkommen
konnten? Wir haben jedes Jahr mehr getan und mußten am
Ende des Jahres immer wieder erkennen, daß uns die Be—
dürfnisse wieder um rund §50,000 vorangeeilt waren. Wir
strengten uns noch mehr an und blieben doch zurück. Man
vergleiche einmal, wie die Gesamteinnahme in unserer Synode
in den letzten Jahren gewachsen ist. Im Jahre 1900 kamen
ein §246,645.72, im Jahre 1904 8310,557.47, im Jahre
1908 8443,205.26, im Jahre 1910 8608,671.74, im Jahre
1912 8696,613.56 und im Jahre 1914 8871,819.30. Wir
haben in den letzten vier Jahren jährlich 550,000 mehr gegeben.
Wir meinen, darauf muß man auch einmal hinweisen. Das läßt
selbst unsere Schulden in einem ganz andern Lichte erscheinen.
Es steht nicht so unter uns, daß es immer schwieriger würde,
Geld aufzubringen. Wir sind nicht einer Gemeinde gleich, die
Jahr für Jahr so §700 für Gehalt aufbringen muß, aber nur
5600 zeichnet und dann jedes Jahr Schwierigkeit hat, den Rest
zusammenzubringen. Würden die Bedürfnisse der Synode nur
ein oder zwei Jahre einmal stille stehen, wir würden ohne
Zweifel bald mitkommen. Wer von uns aber hätte den Mut,
Gott um solchen Stillstand zu bitten?
Wir haben letztes Jahr rund §77,000 mehr aufgebracht
als im vorhergehenden Jahr. Davon sind aber §47,000 für
Europa bestinnnt, so daß wir im Verhältnis zu unsern Be⸗
dürfnissen jetzt wohl nicht besser dastehen als letztes Jahr.
Dazu kommt Arbeitslosigkeit in den Städten und Verteurung
der Lebensmittel, die uns der Krieg gebracht hat.
Daß es aber gerade Kassen der Allgemeinen Synode sind,
die am schwersten unter der gegenwärtigen Notlage zu leiden
haben, läßt sich dadurch erklären, daß wir noch vor wenig
Jahren für diese Kassen nur wenig zu sammeln hatten, und
daß uns die Not im eigenen Distrikt vielfach am nächsten liegt.
Was wollen wir nun tun?
Vor allen Dingen wollen wir uns nicht grämen oder
darüber klagen, daß die Bedürfnisse der Kirche so gewachsen
sind.. Wir freuen uns wie ein Farmer, dessen Feld wohl ge—
tragen hat, der erst vor kurzem eine neue, große Scheune gebaut
hat und nun schon wieder ans Anbauen denken muß. Wir
wollen uns freuen über die Freigebigkeit unserer Christen, die
von Jahr zu Jahr mehr tun.
Sodann müssen wir uns aber daran gewöhnen, daß wir
die Synodalkasse mit als unsere Hauptkasse ansehen. Sie
sollte auf keinen Fall Not leiden. Es wäre für uns kein feiner
Ruhm, wenn wir nach außen hin große Opfer bringen, während
unsere wichtigste Kasse bittere Not leidet. Das wäre geradeso,
wie wenn ein Geschäftsmann, der viele Arbeiter hat, Tausende
von Dollars für Mission oder Wohltätigkeit verschenkt, während
seine Arbeiter den Lohn nicht erhalten können und darüber in
große Verlegenheit kommen. Niemand würde das wollen. —
Wir haben im Jahre 1914 etwa §32,000 mehr für Bauten
aufgebracht als das Jahr vorher. Die Folge davon war, daß
die Synodalkasse darunter leiden mußte. Sie bekam §5600
weniger.
Zum dritten aber müssen wir nun auch versuchen, mit
den Bedürfnissen Schritt zu halten. Alles andere hilft uns
nichts. Wir mögen Komiteen einsetzen, die die Gelder in die
wieder auf.
richtigen Kassen leiten und anderes mehr, aber bleiben wir
nun §50,000 hinter den Bedürfnissen zurück, so wird irgendwo
ein Loch bleiben, wir mögen uns drehen und wenden, wie wir
wollen. Stopfen wir das eine Loch zu, so reißt es woanders
Welche Kasse würde die Schulden gern auf sich
nehmen? Einrichtungen, Systeme, die nur eine solche Ver⸗
schiebung zur Folge haben, sind fast wertlos.
Mittel und Wege der Abhilfe.
Alle Mittel, die wirklich Abhilfe schaffen, laufen darauf
hinaus, daß wir oder andere zu unsern drei Cents, die wir
wöchentlich für auswärtige Zwecke geben, noch eine Kleinigkeit
hinzulegen. Aber gäbe es eine Weise, wie wir mehr Geld zu⸗
sammenbrächten, ohne daß wir es recht fühlen oder merken,
und wo außerdem alles recht evangelisch zugeht, wie wir es von
Jugend auf gewohnt sind, so wäre uns diese Weise überaus will—
kommen. Und es gibt solche Weisen, die aber in letzter Zeit
schon so oft im „Lutheraner“ genannt worden sind, daß man
kaum noch einmal darauf hinweisen mag. Wir wollen es aber
dennoch tun.
Die eine Weise ist, daß wir regelmäßige monatliche
Kollekten halten. Regelmäßiges, oftmaliges Geben ist biblisch.
1 Kor. 16, 2 heißt es: „Auf je der Sabbater einen lege bei
sich selbst ein jeglicher unter euch und sammle, was ihn gut
dünkt.“ Unsere Brüder in Canada haben uns den Beweis eines
herrlichen Erfolges geliefert. Sie beschlossen, monatliche Kol⸗
lekten zu halten, und haben ihre Einnahme letztes Jahr um
51760 vermehrt. Welchen Erfolg müßte es haben, wenn wir
alle in ihre Fußtapfen träten! Alle Kassen wären voll. Es
liegt eigentlich auch nicht gerade an der Regelmäßigkeit,
sondern an dem oftmaligen Geben. Eine Gemeinde,
die zwölf Kollekten im Jahre hält, wenn dabei auch die Regel—
mäßigkeit etwas leiden würde, bringt noch immer mehr zu—
sammen als eine Gemeinde unter denselben Verhältnissen mit
nur sechs regelmäßigen Kollekten. Wir machen uns gar keinen
rechten Begriff davon, was ausgerichtet wird, wenn etwas oft,
oft geschieht. Selbst ein Stein wird zuletzt von Wassertropfen
gehöhlt.
geben, wenn wir oft sammeln, nicht so große Gaben auf einmal,
aber wenn man am Ende des Jahres die kleinen Gaben alle
zusammenzählt, so ist es doch mehr, als wir sonst je gegeben
haben. Man könnte ja einmial den Versuch machen.
Eine andere Weise, Abhilfe zu schaffen, wäre diese, daß
wir versuchten, bei unsern Kollekten an alle Glieder heran⸗
zukommen. Wird bei einem Missionsfest im Freien eine Reihe
Bänke von den Kollektoren übersehen, so fällt die Kollekte zu
kurz aus. Würden wir nächsten Sonntag in allen unsern.
Gemeinden eine Kollekte sammeln, so möchten vielleicht 850,000
zusanimenkommen. Wenn aber hunderttausend im Gottes—
dienst fehlen, gibt es etwa bloß 840,000. Die Fehlenden sind
auch nicht vom Gottesdienst weggeblieben, weil sie nichts geben
wollten. Sie sind wohl ebenso willig wie wir. Andere Gründe
haben sie abgehalten. Gäbe es eine Weise, bei unsern Kol⸗
lekten immer alle zu erreichen, so wäre uns viel geholfen.
Am schönsten wäre es, wenn die Fehlenden ihren Beitrag nach—
träglich ablieferten. Im Alten Testament ging der Hohe—
priester nicht herum, die Opfer zu holen, sie wurden von den
Leuten gebracht. Auch der Staat schickt keine Leute aus, um
die Steuern einzusammeln; jeder bringt sie von selbst. Das
Und das Gute dabei ist, man merkt es kaum. Wir =
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