Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 10 › Seite 189
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Mai 1915, Seite 189
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2— r
die es noch ernst nehmen mit dem Bekenntnis.
Mer „Tutheranste
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tiziert. Ihre Pastoren gehören zum Teil der Freimaurerloge an
und nehmen ganz allgemein an Logenbegräbnissen teil. Ihre
Gemeinden bestehen zum großen Teil aus Logenleuten. Betreffs
Abendmahlsgemeinschaft hat das bedeutendste in der General—
synode erscheinende Blatt, der Lutheran Observer, erst in letzter
Zeit wieder gerühmt, daß in der Generalsynode auch Reformierte
(Methodisten, Baptisten usw.) zum Abendmahl gehen können.
Auch wird sehr allgemein von reformierten Geistlichen auf Kan⸗
zeln der Generalsynode und wiederum von Pastoren der General—
synode in reformierten Kirchen gepredigt, also genau der verwerf—
liche Unionismus getrieben, den P. Wessinger und seine Synode
— wie auch wir — verurteilen. G.
Freimaurer legen den Eckstein einer „lutherischen“ Kirche.
Tye Kansas Cit) Freemason (Jahrg. 4, Nr. 338) bringt auf der
ersten Seite einen Bericht, aus welchem wir übersetzen: „Eine
der herrlichen Begebenheiten, die zum Wohl aller Beteiligten
diente, war die Ecksteinlegung der First English Lutheran Church
an der 38. Straße und Troost-Avenue am Samstagnachmittag
gegen 3 Uhr, vollzogen durch das eindrucksvolle Freimaurer⸗
zeremonial unter der Leitung des Most Worshipful Brother Tol⸗
man W. Cotton, Großmeisters von Missouri, und unter Mit⸗-
wirkung anderer hervorragenden Freimaurer in Gegenwart von
etwa 100 Gliedern des Ordens und vieler Glieder der Kirche.“
Der Bericht ergeht sich dann in aller Breite über die Versamm⸗
lung der Loge in ihrem Lokal, nennt die anwesenden Freimaurer⸗
größen, beschreibt den Marsch zum Bauplatz der Kirche und die
Handlung der Ecksteinlegung. „Das Getreide, der Wein und das
Ol, welche auf den Stein gegossen wurden, weihten das Gebäude
auf ewig dem Dienst und der Anbetung des Supreme Architect
of the Universe“ (das heißt, dem Götzen der Freimaurer im
Gegensatz zum dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiligem
Geist), „der Brüderschaft menschlichen Dienstes und der Anbetung
der göttlichen Vaterschaft Gottes.“ Dann schildert der Bericht
die Festrede des großartigen Freimaurers, der sich abmühte, Kirche
und Freimaurertum zu vereinigen. Diese Rede, lesen wir, „sollte
eingerahmt und in jeder Freimaurerloge in Amerika aufgehängt
werden“. Nach der stärksten Belobung dieser Rede wird noch kurz
bemerkt, daß auch der Ortspastor, ein Rev. Dr. Andreas Bard,
eine ähnliche Rede hielt. Nach feierlichst vollbrachtem Götzendienst
zog die Loge zurück in ihr Lokal. Das Dickste an der Sache ist
ein Paragraph, in dem es als unfortunate bezeichnet wird, daß
die Loge nicht viel öfter herbeigeholt wird, um solche Handlungen
für die Kirche zu vollziehen; sie sei ja stets bereit dazu, aber es
liege an der Kirche usw. Natürlich, wer von dem Logenschwindel
nicht verblendet ist, der sieht hier wieder, was die Loge stets aufs
beste besorgt. Die ganze Handlung läuft auf eine Verherrlichung
der Loge hinaus; die Kirche dient nur als Mittel dazu. Offen
gesteht der Logen-Berichterstatter, daß die Loge gerne mehr solche
Gelegenheiten erhalten möchte. In dem ganzen Bericht fehlt der
eine Name, in dem allein Heil zu finden ist — Christus.
Die Art dieser Loge tritt hier also sehr deutlich zutage. Und
dies soll eine lutherische Kirche werden? Das ist schwer
zu glauben, trotzdem die Gemeinde zur Generalsynode gehört,
und ihr Pastor in der Jowasynode einstmals studiert hat. Vom
Luthertum ist hier nur der Name übrig. Aber selbst der Name
verdammt das ganze Vorgehen. Hier zeigt sich wieder sehr deut⸗
lich, was diese Synode von uns und allen andern Synoden trennt,
Hier sollten auch
selbst die Leute, die für die Vereinigung aller lutherischen Syno—
den hierzulande schwärmen, einsehen, daß die Sache ein Ding der
Unmöglichkeit ist. Wie kann noch einer unter uns nach einem
solchen Bericht meinen, daß wir bei Festlichkeiten, Missionskon⸗
ferenzen und dergleichen mit Leuten dieser Art zusammengehen
dürfen? Das zu tun, hieße sie in ihrer Verleugnung nicht nur
„
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des Lutherischen, sondern auch des allgemein Christlichen be⸗
stärken und uns ihrer Sünde teilhaftig machen. Wehe denen, die
den Götzendienst der Freimaurer in die Kirche schleppen, und
auch denen, die es ohne ernstlichen Protest geschehen lassen! Wird
Gott sie nicht zur Rechenschaft ziehen? Wahrlich, er wird es!
Und auch uns, wenn wir in unserm Zeugnis gegen diese Greuel
nachlassen. (Kirchenzeitung.)
Der Leser entsinnt sich, daß ein förmlicher Freudenrausch
die Temperänzleute unsers Landes ergriff, als sie vernahmen, daß
Zar Nikolaus bald nach Ausbruch des Krieges im ganzen russischen
Reiche die Prohibition eingeführt hatte. Man sehnte sich beinahe
nach Zarenherrschaft in unserm Lande, als man hörte, wie mit
einem Federstrich Rußland alkoholfrei geworden sei. Wie es sich
nun herausstellt, waren auch diese Berichte, wie fast alles, was
man über das Kabel bekam, zum guten Teile erlogen. Märchen⸗
haft mutete allerdings schon die Beschreibung des Wechsels an,
den die Prohibition in dem körperlichen Befinden der Russen her—⸗
vorgebracht haben sollte; man las da mit Staunen, daß schon
nach zwei Wochen die gewaltsam ernüchterten Süͤffel in ihrem
Aussehen wie umgewandelt waren und nun nicht Worte finden
konnten, um ihren Dank auszudrücken dafür, daß sie vom Sauf⸗
teufel erlöst worden seien. Es verhielt sich aber anders, ganz
anders. Erstens ist zu keiner Zeit während des Krieges voll⸗
ständige Prohibition in Rußland eingeführt worden. In neunzig
Prozent der Städte war allerdings in den ersten Monaten des
Krieges das Getränkeverbot in Kraft. Doch kann jetzt in den
größeren Städten wieder in allen Restaurants Wein und Bier
verkauft werden. Sodann hatten viele Privatleute genug Ge⸗
tränk auf viele Monate im voraus eingelegt. Ganz bestimmt
erwartet man, daß im Frühjahr die Brauereien wieder in Be—
trieb gestellt werden. Nur in bezug auf den russischen Brannt⸗
wein (Vodka) besteht noch das Verbot in aller Strenge. Ob es
dabei bleiben wird, ist höchst unsicher. Es hat nämlich das Ge⸗
tränkeverbot zur Folge gehabt, daß man sich sonst zu helfen
suchte, weil man den lieben Vodka nicht mehr bekommen konnte.
Von Tag zu Tag wächst die Zahl der in den russischen Groß—
städten wegen Trunkenheit festgenommenen Personen. Von die⸗
sen haben 95 Prozent denaturierten Spiritus (wood alcohol)
getrunken! Die Arbeiter bekommen eine Flasche dieses Stoffs
für 18 Kopeken (12 Cents), gießen die dreifache Menge Wasser
hinzu und haben dann eine Mischung, an der sich fünf oder sechs
Personen vollständig berauschen können. Bei St. Petersburg flog
letzten Monat eine Branntweinbrennerei in die Luft, die man im
geheimen betrieben, und die doch für ihre Ware sicherlich Absatz
gehabt hatte. So klein kann die Fabrik auch nicht gewesen sein,
denn es kamen bei der Explosion zwanzig Menschen ums Leben.
Sogar im Heere tragen die Offiziere Branntweinbonbons (Candy)
bei sich, wie das bei Gefangennahme solcher sich herausgestellt hat.
In St. Petersburg sollen täglich bis zu dreihundert Betrunkene
festgenommen werden, obwohl Trunkenheit mit Gefängnis von
einem bis zu drei Monaten bestraft wird. Zehn Prozent darunter
gehören den gebildeten Ständen an. Die öffentliche Unsicherheit
nimmt in entsprechendem Maße zu, und alle Bemühungen der
Behörden, Wandel zu schaffen, sind erfolglos geblieben. Der
Verbrauch von Spiritus nimmt erschreckend zu, und zwar finden
sich ähnliche Zustände auch in den andern Gegenden Rußlands.
— Eine Sache ist es, zu entscheiden, ob das Verbot des Ge—
nusses gewisser Getränke dem Volke zum Wohle gereicht, eine
andere, ob ein Volk durch gesetzliche Maßregeln sittlich gebessert,
nüchtern gemacht werden kann. Geradezu lächerlich wirkte es,
wenn man in amerikanischen Zeitungen das so dargestellt fand,
als ob die russische Regierung plötzlich in sittlicher Ent⸗
rüstung über die im Volk herrschende Trunksucht die Pro⸗
hibition eingeführt habe. Ein reformiertes Blatt verstieg sich so
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