Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 217
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 217
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HZerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
71. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 8. Zuni 1915.
Nr. 12.
„Gebt, so wird euch gegeben.“
Sät nicht kärglich eure Gaben,
Nicht unwillig, nicht aus Zwang;
Frohe Geber will Gott haben,
Die da opfern Gott zum Dank.
Ist nicht Gottes Güte täglich
über uns, den Sündern, neu?
Und verheißt er nicht aus Gnaden
Einen Lohn für alle Treu'?
Eine Lust sei uns das Geben,
Weil uns Gott so hoch geehrt,
Daß er uns in diesem Leben
Gebt im Glauben, in der Liebe,
Nicht aus Selbstgefälligteit;
Folgt des Heil'gen Geistes Triebe,
Der zum Geben macht bereit.
Gleichwie IEsu Wunderhände
Teilten Tausenden das Brot,
So wird Gott auch ohn' Aufhören
Segnen, was die Liebe bot.
Wie die Saat wird auch die Ernte
Einst am Jüngsten Tage sein;
Wer das Säen hier nicht lernte,
Ihm zu geben nicht verwehrt. Trägt dort keine Garben ein.
Gott selbst kann sein Reich wohl Mach' uns williger zum Geben,
bauen Lieber Heiland JEsus Christ,
Ohne unser Scherflein klein; Der du als die höchste Gabe
Dennoch will er's nicht verschmähen, Uns von Gott gegeben bist!
Wenn wir seinem Dienst es weihn. (Stadtmissionar.)
—— ——
Vom Geben für Gottes Reich.
Auszug aus einem Synodalreferat D. F. Piepers.“)
These: „Wiewohl die alttestamentliche Ord⸗
nung des Zehnten den Christen des Neuen Te⸗
staments nicht auf das Gewissen gelegt werden
darf, so ist und bleibt es doch göttliche Ord—
nung, daß die Christen des Neuen Testaments
sich mit ihrem ganzen irdischen Gut Christo zu
eigen geben und ihm davon jederzeit und wil⸗
lig für seine Kirche so viel zur Verfügung stel⸗
len, als er bedarf.“
*) Das Referat handelt von der „von Gott geordneten ‚Laienbewe⸗
gung“ und kam im Jahre 1913 auf der Versammlung des Süd⸗Illinois⸗
Distrikts zur Verhandlung. Auf vielfach aus der Leserschaft heraus ge—
äußertes Verlangen bringt die Redaktion aus dem Bericht dieses Distrikts
einige Abschnitte des Referats, die vom Geben für kirchliche Zwecke han—
deln, zum Abdruck.
1. Wieviel sollen wir geben?
Man hat die Frage aufgeworfen: Woher kommt es, daß
den Christen des Neuen Testaments nicht das Wieviel ihrer
Gaben vorgeschrieben ist? Manche Glieder unserer Gemeinden
möchten das Wieviel bestimmt haben. Wenn sie sehen, welche
Erfolge die Papisten, Mormonen und Siebententags-Adven⸗
tisten mit ihren Gesetzen in bezug auf das Geben haben, so sind
sie geneigt, es auch mit dem Gesetz zu versuchen. Wir sollen aber
nicht unrecht tun, um Gutes zu erreichen; und unrecht tun wir
jedesmal, wenn wir mit Gebieten über Gottes Wort hinaus⸗—
gehen. Im Alten Testament war der Zehnte von Gott ge—
boten, er mußte gegeben werden. Im Neuen Testament
aber ist das Wieviel der Gaben frei. Der Grund, weshalb
das Wieviel im Neuen Testament den Christen überlassen, und
die gesetzliche Bestimmung von dem Zehnten abgetan ist, ist
Gal. 4, 1 ff. angegeben: „Solange der Erbe ein Kind ist, so
ist zwischen ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl
ein Herr ist aller Güter, sondern er ist unter den Vormündern
und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also
auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter
den äußerlichen Satzungen.“ Im Neuen Testament, nachdem
Christus völlig offenbart ist, sind die Christen nicht mehr
Kinder, sondern geistlich mündige Leute; daher tun die
Christen des Neuen Testaments aus dem willigen Geist
der Kindschaft in finanzieller Beziehung Gottes Willen,
alles das und mehr als das, wozu die Leute des Alten Testa—
ments durch äußere Satzungen gezwungen waren. So sagt
Luther völlig schriftgemäß: „Im Alten Testament war geboten,
daß sie über alle jährlichen Zehnten, so man den Leviten gab,
mußten alle drei Jahr einen sonderlichen Zehnten beilegen für
die Armen, Witwen und Waisen usw. Nun, solches Geben ist
im Neuen Testament mit Namen nicht bestimmt noch mit Ge⸗
setzen verfaßt; denn es ist eine Zeit der Gnade, da jeder—
mann freiwillig solches zu tun ermahnt wird, wie Paulus
spricht Gal. 6, 6: „Wer unterrichtet wird mit dem Wort, der
teile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet“, item V. 10:
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