Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 219
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 219
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weib 2 · Wiederkunft · Zeit 3
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sal da? Was für Trübsal mag das sein, von der unser HErr
redet?
Von Trübsal, von übergroßer Trübsal, die keines Men—
schen Mund ausreden, und keines Menschen Sinn ausdenken
kann, berichten die Tageszeitungen. Noch brennt der große
Weltkrieg, und nachdem so viel Ströme Bluts geflossen sind,
so viel Jammer und Elend in so viel Tausenden von Woh—
nungen der Menschen eingezogen ist, scheint das Ende des
furchtbaren Ringens noch ferne zu sein, ja es mehrt sich die
Zahl der Völker, die daran beteiligt sind. Auf fünf Kriegs-—
schauplätzen wird jetzt von den Millionenheeren gekämpft. Seit
die Welt steht, ist das noch nicht geschehen.
Zwar auch „Krieg und Kriegsgeschrei“ nennt der HErr
als Zeichen seiner Zukunft. Und doch sind die Trübsale des
großen Krieges nicht die Trübsale, von denen er in den oben—
stehenden Worten redet. Er fügt nämlich die Worte hinzu:
„So alsdann jemand zu euch wird sagen: Smiehe, hie ist Chri—
stus oder da!“ so sollt ihr's nicht glauben. Denn es werden
falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große
Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum
(wo es möglich wäre) auch die Auserwählten.“
Das also ist die Not, die sich in der letzten Zeit wie nie
zuvor erheben wird. Es werden Verführer aufstehen, so viele
und so gefährliche, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, und
große Scharen werden ihnen anhangen. Sie werden mehr
Verderben anrichten als Krieg, Hungersnot und Pestilenz;
denn sie werden Seelen morden. Eindringlich spricht der
HErr: „Es werden sich viele falsche Propheten erheben und
werden viele verführen.“ Und noch einmal: „Sehet zu, daß
euch nicht jemand verführe! Denn es werden viele kommen
unter meinem Namen und sagen: „Ich bin Christus“ und
werden viele verführen.“ Mit den zuletzt angeführten Worten
beginnt der HErr seine Antwort auf die Frage der Jünger:
„Welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und der Welt
Ende?“ und kommt noch zweimal darauf zurück. Ganz offen—
bar ist das Aufstehen einer Unzahl von falschen Propheten eins
der allerwichtigsten Zeichen des Jüngsten Tages.
Darauf haben auch die Apostel IEsu hingewiesen. Von
einem großen Abfall in der letzten Zeit redet zum Beispiel
Paulus, wenn er an Timotheus im ersten Brief schreibt: „Der
Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche
von dem Glauben abtreten und anhangen den verführerischen
Geistern und Lehren der Teufel.“ Und 2 Tim. 4, 3: „Es wird
eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht leiden werden, son⸗
dern nach ihren eigenen Lüsten werden sie ihnen selbst Lehrer auf—
laden, nachdem ihnen die Ohren jücken; und werden die Ohren
von der Wahrheit abwenden und sich zu den Fabeln kehren.“
Was sind nun die Anzeichen, die wir haben, daß wir in
der Zeit leben, in der diese Worte in Erfüllung gegangen sind?
Das ist keine müßige Frage, denn auch für uns hat der Geist
Gottes diese Reden IEsu aufschreiben lassen, und was der
Heiland von den Verführern der letzten Zeit redet, leitet er
ja ein mit der Aufforderung: „Sehet zu, daß euch nicht jemand
verführe!“ Wir sollen, so lieb uns unserer Seelen Seligkeit
ist, achthaben auf diese Gefahr und scharf Umschau halten, ob
die Zeit vorhanden ist, in der Satan morden wird wie nie
zuvor und alle Künste und Gewalt seines höllischen Reichs auf—
bieten, um das Reich Christi zu zerstören, ehe er gebunden wird
in ewiger Finsternis.
I.
Falsche Propheten hat es nicht nur zur Zeit des Alten
Bundes, sondern auch zur Zeit der Apostel gegeben. Schon
Paulus warnt in einem der frühesten seiner Briefe vor den
Irrlehrern, die aufgestanden waren und den Christen zu Thessa⸗
lonich sagten, „die Auferstehung sei schon geschehen, und haben
etlicher Glauben verkehret“, und fordert die Gläubigen auf,
sich „von solchen Leuten zu reinigen“.
Auch nachdem durch Luthers Werk die Kirche Christi von
den Irrlehren des Papsttums wieder gesäubert worden war,
standen alsbald wieder falsche Propheten auf, die in der Kirche
der Reformation greuliche Verwirrung und Spaltung anrich—
teten und viele ins Verderben brachten.
Auch seither hat es nie an Leuten gefehlt, die in der Chri⸗
stenheit mit allerhand neuen Lehren aufgetreten sind und vor—
gaben, sie hätten erst den rechten Verstand der Schrift entdeckt.
Vergleichen wir aber unsere Zeit mit den früheren Zeit—
altern der christlichen Kirche, so ist ganz offenbar, daß in
unserer Zeit sich die Zahl der falschen Propheten, Schwarm⸗
geister, Lügenapostel und falschen Christusse ins Ungeheuer—
liche vermehrt hat, und der Abfall größer ist als je zuvor.
Sowohl um dies dem Leser recht vorzuführen, als auch, um
ihn vor dem seelenverderblichen Treiben dieser Sekten⸗ und
Rottengeister zu warnen, sei nun einmal etwas ausführlicher
gehandelt von dem Abfall, der durch falsche Lehre
in unserer Zeit angerichtet wird, und der ein
deutliches Vorzeichen des Jüngsten Tages ist.
Wir wenden unsere Aufmerksamkeit erst einigen alten Be⸗
kannten zu.
1. Die Loge.
Da ist vor allem die große Lügenmacht der Loge, die in
unserer Zeit Tausende ins Verderben zieht. Gewiß gibt es
nächst dem Papsttum keine Erfindung Satans, die solch un⸗
ermeßliches Verderben in der sichtbaren Christenheit angerichtet
hat wie die Loge. Schenke jenen unwissenden Leuten kein Ge⸗
hör, lieber Leser, die dir einreden wollen, man „müsse doch
auch das Gute an der Loge anerkennen“. Was ist noch Gutes
auszusagen von Vereinen, die mit der großen Lüge, ein Mensch
könne gar wohl ein aufrichtiger Christ und ein „gutes“ Logen—
glied sein, an unsere Christen herantreten und sie so zur Teil—
nahme an ihren heidnischen Gottesdiensten heranlocken? die
mit der Lehre, daß der Mensch durch seine Tugenden sich die
Seligkeit verdienen kann, das Blut IEsu mit Füßen treten?
die mit Eidschwüren, zum Teil greulicher Art, ihre Glieder
zu Stillschweigen verpflichten? die ihre Glieder, wenn diese
Verbrechen begangen haben, vor der verdienten Strafe und
dem weltlichen Gericht schützen? die sich blähen und brüsten,
sie täten „viel mehr gute Werke als die Christen“, während
doch alle ihre „Wohltätigkeit“ im voraus längst bezahlt ist?
Wie kann die Loge, möchte man fragen, auch nur einen
Christen in ihre Gemeinschaft ziehen? Gewiß, das ist eine
jener Gewalten der Finsternis, die in den letzten Zeiten der
Welt Macht haben sollen, im Leibe der christlichen Kirche zu
wüten. Hüte dich vor ihrem Treiben, lieber Leser! „Sehet
zu, daß euch nicht jemand verführe!“ Frech behauptet die
Loge, bei ihr sei eigentlich die Wahrheit zu finden, bei ihr
sei die wahre Religion, sie habe Christum. Aber der Heiland
sagt: „Wenn sie zu euch sagen werden: „Siehe, er““ — näm—
lich Christus — „ist in der Kammer! so glaubet es
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