Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 226
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 226
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weib 2 · Weib 8
226
Beamten desselben tun, macht sich also fremder Sünde teilhaftig.
Der Fall ist ähnlich so, als wenn eine katholische Geineinde sich
von den Lehren und Zeremonien des Papsttums lossagte, aber
noch gliedlich der Papstkirche angehören wollte. Dürfte sich wohl
ein lutherischer Christ einer solchen Gemeinde anschließen? Doch
gewiß nicht, sondern er würde sagen: Erst wenn diese Gemeinde
sich ganz und gar lossagt von aller Verbindung mit dem Papst⸗
tum, kann ich ihr gliedlich beitreten. Denn es steht der Befehl:
„Gehet aus von ihnen, sondert euch ab, rühret kein Unreines an!“
Bis der Gesamtverein der Farmers' Union das „Unreine“, näm⸗
lich den Logencharakter, abgelegt hat, wollen wir auch nicht in⸗
direkt die Werke der Finsternis unterstützen helfen. G.
„Was für ein Evangelium mag es wohl sein“, fragt ein
östliches kirchliches Blatt (Our Hope), „das manche dieser re—
vivalists predigen?“ und schließt an diese Frage eine Betrachtung
über die „Bekehrungen“ eines Evangelisten, der zurzeit viel von
sich reden macht. Aus dem Bericht über diese Bekehrungen in
einer östlichen Stadt ging nämlich hervor, daß von den „Be—
kehrten“ 104 in die katholische Kirche und vier in eine jüdische
Synagoge eintraten! „Was für ein Evangelium mag das sein,
das Leute bewegt, der abgefallenen römischen Kirche sich anzu—
schließen oder gar einer jüdischen Synagoge, in der unser HErr
geschmäht, und sein Blut verleugnet wird, beizutreten? Ganz
gewiß ist es nicht das Evangelium von der Gnade Gottes, das
Paulus verkündigte.“ Was die Standhaftigkeit der „Be⸗
kehrten“ solcher Erweckungsprediger anlangt, so haben wir dar—
über schon manchmal unsere Zweifel kundgegeben. Aus Deca—
tur, Ill., wird jetzt von einem presbyterianischen Geistlichen, der
sonst viel auf Billy Sunday hält, berichtet, wie die „Bekehrten“
dieses Evangelisten in dieser Stadt die Probe bestanden haben.
Der Presbyterianer schreibt: „Die Aussichten waren vielver—
heißend, aber die Resultate enttäuschend. Eine Zeitlang haben
die Bekehrten die Gottesdienste besucht, aber die meisten kamen
nach Verlauf eines Jahres nicht mehr. Nach drei Jahren waren
nur noch wenige von ihnen in kirchlicher Verbindung. Die Er—
fahrung, die wir mit Billy Sunday in Decatur gemacht haben,
beweist, daß eine Aufsehen erregende Versammlung nicht die
Stelle der ruhigen Arbeit, die die Kirchen tun, einnehmen kann.
Diese großen „‚Bewegungen“ scheinen immer mehr erreicht zu
haben, als wirklich der Fall ist.“ Das ist ein nüchternes Urteil,
und zwar das Urteil eines Mannes, der Herrn Sunday für
einen großen Prediger der Wahrheit hält. Er betont ausdrück⸗
lich, daß Sundah gerade auch die Leute, die man durch die
Kirchen nicht erreichen kann, nicht erreicht habe. Zwar habe
es anfangs den Anschein gehabt, aber jetzt, nach sieben Jahren,
sind die wenigen Sunday-⸗„Bekehrten“, die sich noch zur Kirche
halten, fast ohne Ausnahme Leute, die in der Jugend eine christ⸗
liche Erziehung genossen hatten. Welch ein überzeugender Grund
ist diese letzte Beobachtung doch für die Aufrechterhaltung unserer
christlichen Gemeindeschulen! G.
Als ein Argument für das Frauenstimmrecht wird oft
geltend gemacht, daß durch Verleihung des Stimmrechts an die
Frauen viele übel, die in unserm Lande bestehen, abgetan wür—
den, da die Frauen „die Politik reinigen“ und eine „sittliche
Erweckung“ herbeiführen würden. Auf dieses Argument der
Frauenrechtler antwortet ein von dem „Verein gegen Verleihung
des Stimmrechts an Frauen“, der in Boston seinen Sitz hat,
herausgegebenes Pamphlet. Es wird da das Wort des Richters
Lindsay in Denver angeführt: „Wer da glaubt, daß das Frauen—
stimmrecht alle übelstände im politischen Leben heilen wird, der
weiß nicht, was diese übel sind. Frauen sind so frei wie Männer
von Gemeinheit und Bosheit, aber auch nicht freier.“ Das
heißt also, Frauen wie Männer sind sündliche Menschen; und
das stimmt. Auch die Erfahrung beweist keineswegs, daß die
Politik durch den Eintritt der Frau eine Wandlung zum Bessern
erfahren hat. Hören wir, wie in der CRic⁴aνο Tribune eine kurz
vor der diesjährigen Mayorswahl abgehaltene Versammlung be⸗
schrieben wurde: „Die erste Mayorswahl, an der Frauen teil⸗
nehmen, liefert keinen Beweis dafür, daß die Frauen veredelnd
auf die Politik einwirken werden. Frauen haben in einer
down-town-Versammlung, die beinahe in Aufruhr ausartete, den
größten Spektakel gemacht, so daß kein Redner auf der Bühne
verstanden werden konnte. Wenn man sieht, wie eine ehrwürdig
aussehende Dame mit einem Sturm von Zischen und Belei⸗
digungen, sowohl von Frauen wie von Männern, bei ihrem Auf⸗
tritt auf die Rednerbühne empfangen und schließlich von der
Bühne gejagt wird, ehe sie ein Wort hat reden können, möchte
man fragen, was das eigentlich zu bedeuten hat. Eine ältliche
Frau schwang eine Fahne und tanzte dazu, während eine wütende
Menge von 1200 Frauen und Männern sie anbrüllten und
schließlich zum Rückzug zwangen.“ Eine Beurteilerin der
Frauenbewegung, Octavia Hill, sagt ganz richtig, daß Frauen
dann am ehesten noch einen guten Einfluß auf das Land und
seine Politik ausüben würden, wenn sie ihre Zeit und ihr In⸗
teresse immer mehr der Pflege der Kranken, der Alten, der Kinder
und der Irrenden zuwenden würden, anstatt an dem wilden
Kampf um politische Amter teilzunehmen; denn nur dann füllten
sie den Platz aus, an den sie Gott gestellt hat. Man sieht, es
gibt auch in andern Kreisen als den unsrigen Leute, die erkennen,
daß die Teilnahme des Weibes an der Politik gegen die Schöpfer⸗
ordnung ist, die der Frau ihren Platz für alle Zeiten angewiesen
hat. Wir können die Welt um uns her nicht überzeugen, daß
der Eintritt der Frau in das politische Leben, weil es dem Zweck
und der Bestimmung des Weibes widerspricht, nur Unsegen und
neue übelstände im Gefolge haben wird. Die Erfahrung zeigt
aber, daß man auch in diesem Stück nicht von der Naturordnung,
wie sie Gott festgesetzt hat, abweichen kann, ohne die Folgen zu
tragen. G.
Allerdings nicht erst durch übernahme des allgemeinen
politischen Stimmrechts ist die Frau aus der Stellung heraus⸗
getreten, die ihr von Gott zugedacht ist. Es ist das vielmehr nur
ein weiterer Schritt, die Grenze zwischen Mann und Weib, die
Gott bei der Schöpfung der ersten Menschen gesetzt hat, zu ver⸗
wischen. Sowohl nach Körperbau wie nach den Kräften der Seele
sind Mann und Weib verschieden. Der Mann ist körperlich stärker
und hat auch sonst Gaben, die ihn kennzeichnen als natürlichen
Ernährer und Beschützer des Weibes, als den Schützer des Heimes
und des Vaterlandes. Die Frau dagegen hat Eigenschaften der
Seele und des Körpers, die sie weniger für den rauhen Kampf des
Lebens, gar des öffentlichen Lebens, der Politik, des Regierens,
der Kriegführung, als vielmehr für die Arbeit im Familienkreise
befähigen. Das hat, ehe die Frauenbewegung in Gang gekommen
ist, auch die ungläubige Welt nicht anders angesehen. Für die
allermeiste Arbeit in der Industrie, im öffentlichen Leben über⸗
haupt, vor allem im Regierungshandwerk, ist die Frau nicht ge⸗
schickt, und daß sie das nicht ist, darf man nicht als eine Folge
fehlerhafter Entwicklung bezeichnen, ist auch nicht eine Schmach
für das Weib, sondern das ist ein vom Schöpfer selbst gemachter
Unterschied zwischen den Geschlechtern. Vor allem aber kommen
der Frau diejenigen Pflichten zu, die sie als Gattin, als Mutter,
als Erzieherin der Kinder und Leiterin des Hauswesens zu ver⸗
sehen hat. Wo sie irgendeine dieser Pflichten nicht übernimmt,
da steht es übel im Hause, im Staate und auch in der Kirche.
Das Gewissen auch des unbekehrten Menschen, wo es durch die
Hirngespinste der Frauenrechtler nicht verwirrt und verkehrt wor⸗
den ist, erkennt, daß dieses die eigentliche Stellung der Frau ist,
sowohl nach ihrer leiblichen wie auch nach ihrer seelischen Be⸗
schaffenheit: dem Manne als Gehilfin zu dienen und die Pflichten
English translation
Not yet translated.