Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 223

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 223

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Der V„Tutheraned

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Kähne der Brasilianer, die aus einem Baumstamm gehauen
sind, eignet. Auf den Weideplätzen sieht man oft den wilden
Feigenbaum, der eine so ausgedehnte Krone besitzt, daß eine
ziemliche Viehherde darunter Schatten findet. Daß auch
mehrere Palmenarten in Rio Grande do Sul vorkommen, ist
schon gesagt worden. Große Wälder bildet die Pinie, ein
Nadelbaum, der auch recht wohlschmeckende und nahrhafte
Früchte hervorbringt.

Von Obstbäumen sind in Rio Grande do Sul heimisch:
Orangen, Zitronen, Goyaben, Ameixas, Feigen und Pfirsiche.
Für die europäischen Obstarten ist es zu warm. Der Wein-⸗
stock gedeiht vorzüglich, desgleichen die Ba4nane und Ananas.

Der Landmann baut, wie schon erwähnt, sein Feld in der
Waldzone. Zwar erfordert es schwere Arbeit, den Wald urbar
zu machen. Dafür erweist sich aber auch hernach der Wald—
boden als sehr fruchtbar, während sich die brasilianische Prärie
weniger gut für den Anbau von Feldfrüchten eignet, da der
Boden hier überaus kalkarm ist. Die vielfachen Versuche mit
dem Prärieboden haben nicht gerade zur Ansiedelung größerer
Kolonien von Ackerbauern auf der Prärie ermuntert.

Die hauptsächlichsten Feldfrüchte, die in Rio Grande do
Sul gezogen werden, sind: Mais (Milho genannt), schwarze
Bohnen, Zuckerrohr, Mandioka, Reis und Kartoffeln. Der
Anbau von Sommerweizen und Hafer ist nicht besonders
lohnend. Die Hauptfrüchte für Viehfütterung sind Mais und
Mandioka (eine Wurzel, die dort, wo die Kartoffel nicht mehr
gedeiht, an deren Stelle gebaut wird). Das Hauptnahrungs⸗—
mittel für die Menschen sind Reis und schwarze Bohnen.
Letztere kommen vielerorts auf dem Lande täglich dreimal auf
den Tisch. Wo die Kartoffel gedeiht, fehlt auch diese nicht
auf der Speisekarte. Im Norden des Staates vertritt die
zahme Mandioka ihren Platz.

Recht bedeutend im Staate Rio Grande do Sul ist noch
die Kultur des Herva-Mate-Baumes. Die Blätter und dünnen
Zweige des Baumes geben einen vielbegehrten Tee. Dieser
ist sehr bitter und enthält viel Gerbstoff. Man trinkt ihn
zumeist in Extraktform, indem man ihn vermittelst einer
silbernen Röhre, an welcher unten ein feines Sieb angebracht
ist (der Bomba), aus einer Kürbisschale (der Cuya) schlürft.
Er wird aber auch sehr viel in dünnerer Form, wie der
chinesische Tee, getrunken. Der Brasilianer liebt seinen Mate
leidenschaftlich. Auch die Ausländer gewöhnen sich schnell an
dies Getränk. Es ist billig und unschädlich.

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Nachrichten aus unsern Missionen.

Isle of Pines. (Aus einem Briefe Missionar Örtels.)
Wie ich Dir schon mitgeteilt hatte, wollten kubanische Beamte
mit mir zur Südküste reisen, um die dortige Schule, für die
wir immer noch keine staatliche Erlaubnis haben, zu unter—
suchen, vor allem darauf hin, ob sie den Forderungen der Ge—
sundheitsbehörde entspricht. Für den 1. Mai hatte ich für
die Reise alles arrangiert, als ich zu guter Letzt noch Nachricht
durch einen besonderen Boten erhielt, daß sie nach Havana zu
einer Versammlung müßten und darum erst später nach Caleta
Grande mit mir reisen könnten. Allein wollten sie die Reise
nicht unternehmen, weil sie noch nie dort in der Wildnis
waren und die Reise für gefährlich hielten. Da Abendmahl

*

angesagt war, und die Zeit zur Benachrichtigung fehlte (ein
Brief an die Südküste wird oft erst in ein bis drei Wochen
an seine Adresse befördert), so mußte ich mich nun allein auf
den Weg machen. Das Automobil, das mich um 7 Uhr mor—
gens abholte, brach aber schon in der Nähe von Santa Fe zu—
sammen, so daß ich warten mußte, bis ein anderes besorgt
wurde. Dann ging es in schneller Fahrt die vierzig Meilen
nach Los Indios zur Flußlandung, wo ein Kanu von der Süd⸗
küste mit einem lieben jungen Mann aus der dortigen Ge—
meinde auf mich wartete. Der kleinen launch, die früher fuhr,
war aus gewissen Gründen von der Regierung das Fahren
verboten worden. So ruderten wir nun in der heißen Mittags⸗
zeit den Los Indios-Fluß hinunter, bis wir an dem großen
Werft ankamen, wo wir bei einem Kubaner eine Tasse Kaffee
tranken. Derselbe meinte, wir würden eine schwere Fahrt
haben, denn die Wellen klatschten ganz bedenklich an das Land.
Wir setzten aber unsere drei kleinen Segel und hatten guten
Wind; nur röstete uns die Tropensonne ganz gehörig, die
grell von den Wellen zurückschimmerte. Bald aber ließ der
Wind fast ganz nach. Schließlich kam eine Brise auf, die
gegen uns war. Es wurde dunkel, ehe wir um die Südwest⸗
spitze der Insel herumkamen, und Nacht, ehe wir die Brandung
der Südküste erreichten. Der Mond schien, und auf unser
Signal hin, das mit einem Muschelhorn gegeben wurde, wurde
hier und da in der Hütte eines Caymanero am Strande ein
Licht im Haus angezündet, so daß wir wußten, wo wir uns
befanden. Erst nach 12 Uhr nachts kamen wir an. Wir hatten
also 12½ —Stunden im schwanken Kanu gesessen, in dem man
kaum ein Bein rühren kann.

Ain Strande erwarteten uns einige unserer lieben Cay⸗
maneros mit Laternen, vor allem unser treuer Vikar Prokopy,
die uns halfen, die Handtaschen die hohen Klippen hinaufzu—
tragen. Am Sonntag rüstete sich an unserm Teil der Küste
ein Kanu, das bald vollbesetzt wurde, zur Kirchfahrt. Wir
hatten feinen Wind und kamen bald an dem Teil der Küste an,
wo eine Landung für unser Schulhaus möglich ist. Gegen
eine Meile hatten wir noch zu Fuß zu gehen. Gegen 35 Cay—
maneros (Kolonisten, die von den Cayman-Inseln im Kari—
bischen Meer kommen) in den verschiedenen Schattierungen
ihrer Hautfarbe, alle erfahrene Fischer und Seeleute, waren
im Gottesdienst gegenwärtig und gingen zum heiligen Abend—
mahl. Unsere lutherischen Choräle gehen schon recht gut, und
die allgemeine Beteiligung am Gottesdienst ist eine sehr auf—
merksame und ernste. Wir haben hier schon über 100 Zuhörer
gehabt; da aber jetzt hier kein Verdienst ist, arbeiten viele
Männer auswärts. In der folgenden Versammlung wurde
mit großer Eimnütigkeit beschlossen, die Synode um einen
eigenen Pastor zu bitten, der zugleich auch Schule halten soll.
Vikar Prokopys Zeit geht ja eigentlich zu Ende. Am liebsten
würde man ihn ganz an der Südküste behalten, aber man
erkennt auch, wie unter der aufreibenden Arbeit seine Gesund—
heit schon gelitten hat, und er hat noch keinen Tropensommer
mit durchgemacht. Die Leute dort sind blutarm, und doch
tragen sie regelmäßig 30 Dollars zum Gehalt bei. Oft borgen
sie ihren monatlichen Beitrag voneinander, um nicht im Rück—
stand zu sein. So viel versprechen sie nun auch zum Gehalt
eines Pastors, bitten aber um Beihilfe für den Bau eines
Pfarrhauses.

Der Gründe, warum wir dort schon dieses Jahr einen

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