Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 221
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 221
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Paulus von den falschen Propheten der letzten Zeit redet: „Sie
verführen und werden verführet.“ Erst betrügen sie andere,
dann glauben sie selber der Lüge. Sie werden nach Aussage
von Ärzten meistens nervenkrank, sind Leute, wie Paulus sie
beschreibt, „mit zerrütteten Sinnen“, deren Urteil aber schon
gefällt ist und am Jüngsten Tage offenbar werden soll: „Sie
werden es die Länge nicht treiben; denn ihre Torheit wird
offenbar werden jedermann, gleichwie auch jener war“, näm—
lich die Torheit des Jannes und Jambres, die vor Pharao
ihre Teufelskünste trieben. (2 Tim. 3, 8. 9.)
6. Die Theosophie.
Was heißt das: Theosophie? Das heißt „göttliche Weis—
heit“. Und unter diesem Namen, „göttliche Weisheit“, lehrt
Frau Blavatsky ihre Anhänger die wahnwitzigste Religion
unter all den falschen Religionen, die in unserer Zeit ent—
standen sind. Der Prediger Talmage sagte ganz richtig von
dieser Sekte: „Das Merkwürdigste an ihr ist, daß ihre An—
hänger nicht alle im Irrenhaus sitzen.“ Die Theosophie lehrt,
jeder Mensch habe drei Seelen, von denen eine imnier von
einem Leibe in den andern wandert! Es gebe gelbe, rote und
violette Seelen. Frau Blavatsky leugnet das Dasein eines
persönlichen Gottes, nennt ihn eine Unmöglichkeit. Gebet,
Glaube, Vergebung kommen in ihrer Religion nicht vor. Aus—
drücklich sagt sie, daß kein göttliches Gesetz für ihre Anhänger
Geltung habe. Nach dem Tode irre eine unferer Seelen in
der Sternenwelt herum, um sich von Fehlern zu reinigen!
Im Jahre 1909 verkündigte diese Frau, daß bald Christus
wieder erscheinen werde. Ein Jahr später stellte sie einen
jungen Hinduknaben, Krishnamurti, als den erschienenen Chri—
stus vor, und ihre Anhänger fielen vor dem Knaben zu Boden
und verehrten ihn als göttliches Wesen. Die Theosophie hat
viele Anhänger in unsern Großstädten.
„So alsdann jemand zu euch wird sagen: „Siehe, hie ist
Christus oder da!' so sollt ihr's nicht glauben.“
7. Die Mormonen.
Diese greuliche Sekte lehrt Vielgötterei und praktiziert
Vielweiberei. Auf die Frage: „Gibt es mehr als einen Gott?“
antwortet der Mormonenkatechisnius: „Ja, viele.“ Adam sei
der Gott dieser Erde. Der SErr JEsus soll eine ganze Anzahl
von Eheweibern gehabt haben. Wer viele Kinder zeugt, wird
nach diesem Leben ein Gott auf einem der Sterne, auf dem
er mit seinen Nachkommen ewig herrscht. Ihre Führer üben
eine Tyrannei über ihre Jünger aus, die nicht einmal in der
Papstkirche übertroffen wird. Und dieses Ungeheuer aus dem
Abgrund nennt sich „Kirche IEsu Christi, Heilige der letzten
Tage“!
Die Mormonen sind ungemein rührig. Sie haben mehr
als 2000 „Missionare“ in allen Teilen der Welt, die es vor
allem darauf abgesehen haben, die Weiber für ihren Irrtun
zu bekehren. Hier sind also Leute, wie sie Paulus beschreibt:
„die mehr lieben Wollust als Gott . . ., die hin und her in
die Häuser schleichen und führen die Weiblein gefangen, die
mit Siinden beladen sind und mit mancherlei Lüsten fahren“.
(2 Tim. 3, 4. 6.) So geht die Weissagung auf die letzte
Zeit vor unsern Augen in Erfüllung! Besonders im luthe—
rischen Norwegen und Dänemark, auch in England und in
der Schweiz, hat dieser Irrtum seine Opfer gefunden. Jähr⸗
lich werden ganze Scharen von Weibern und Mädchen von
diesen Ländern nach Salt Lake City, Utah, exportiert und
Mormonen angeheiratet.
Ganz offenbar fehlt es nicht an Anzeichen dafür, daß wir
in der Zeit des letzten, großen Abfalls leben. Es ist eben in
unserer Zeit das eingetreten, was Christus vorausgesagt hat,
daß Leute, die in Lügen gefangen sind, aufstehen werden und
sagen, sie führten die Lehre Christi. Das tut die Loge. Nie—
mals zeigt ein Logenglied größere Entrüstung, als wenn man
ihm sagt, seine Religion stimme nicht. mit der Lehre Christi.
Besonders die Freimaurer behaupten ja, ihre Lehre gebe ein
besseres, höheres Verständnis der Religion der Bibel, ja in
der Loge erhalte man eigentlich das „Licht“; wer ihre Lehre
nicht kenne, wandle in Finsternis.
Ferner ist gerade in unserer Zeit die Verführung groß,
die von Irrlehrern getrieben wird, die von den letzten
Dingen — dem Kommen Christi, vom Jüngsten Tag und
Gericht — falsch lehren oder gar die Wiederkunft Christi,
Gericht und Höllenstrafen frech leugnen, ihre Anhänger in
fleischlicher Sicherheit dahinwandeln lassen und ihren bösen
Lüsten freien Raum geben. Da haben wir ein Bild des Abfalls
in der letzten Zeit, wie es der Heiland und seine Apostel uns
vor die Augen gemalt haben.
Doch haben wir noch nicht alle Merkmale dieses Abfalls
nachgewiesen. Dazu gehört zun Beispiel, daß in der letzten
Zeit der Welt sich die Zahl der falschen Propheten und
Lügenapostel ungemein steigern werde. Der Heiland legt
ein besonderes Gewicht hierauf. Er sagt, der Verführer und
falschen Christusse werde viel sein. Und weil ihrer so viele
sein werden, deshalb werde der Abfall auch so groß sein, so
daß, wenn nicht Gott die Zeit verkürzte, kein Mensch selig
würde. Wie, ist diese Zeit nun vorhanden? Leben wir in
einer Zeit, da sich die Zahl der falschen Lehrer und Verführer
ganz besonders vermehrt hat? Oder sind es nur ein paar
recht eifrige Sekten, die ihr böses Werk unter den Christen
treiben? ‚
Unser Artikel ist schon reichlich lang. Wir wollen der
Beantwortung dieser Frage einen besonderen Abschnitt widmen.
G.
Ein Wort über unsere Allgemeine Kirchbaukasse.
Durch unsere Allgemeine Kirchbaukasse ist schon viel Segen
gestiftet worden. Manche arme Missionsgemeinde ist mit Hilfe
dieser Kasse schon in den Besitz eines eigenen Gotteshauses ge⸗
kommen, indem ihr aus dieser Kasse eine Summe Geldes zu
dem nötigen Bau zinsfrei geliehen wurde. (Siehe Jahres—
bericht auf Seite 152 des gegenwärtigen Jahrgangs.) Das
Geld fließt dann im Laufe der Zeit zurück in diese Kasse.
Die Bestimmung unserer lieben Synode in bezug auf diesen
Punkt lautet: „Die Gemeinden, welche Geld aus der Kasse
geborgt haben, sollen gehalten sein, jährlich 10 Prozent davon
zurückzuzahlen, und zwar fünf Jahre lang. Im sechsten Jahre
soll die noch übrige Summe zurückerstattet werden.“ Freilich
würde der Segen noch viel größer sein, wenn wir immer die
Mittel hätten, die einlaufenden Bittgesuche zu befriedigen.
Diese Geldmittel fließen der Kasse zu durch Kollekten,
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