Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 224
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 224
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
224
SDer „Tutheranedsss
eigenen Pastor anstellen sollten, der seine Arbeit ganz in eng—
lischer Sprache zu verrichten hat, sind viele. Ich hebe nur
einige hervor: Die dortige Gemeinde ist, soweit Menschen—
augen sehen können, unsere eifrigste auf der Insel. Sie hat
die größte lutherische Schule, über dreißig Kinder. Dort ist
Hunger nach der rechten Lehre. Eine Bedienung von Santa
Fe oder Santa Barbara aus ist nicht nur des weiten Weges,
der bis nach Los Indios mit Automobil zurückgelegt werden
muß, sehr kostspielig, sondern vor allem eine ganz ungewisse
Sache. In der Regenzeit können die Wege zwischen Santa
Barbara und Los Indios so schlecht werden, daß überhaupt
nicht durchzukommen ist. Dann hängt die dreißig Meilen lange
Seefahrt, die der Brandung und Klippen wegen sehr gefähr—
lich werden kann, ganz und gar von Wind und Wetter ab.
Es gibt Zeiten, wo niemand zur Südküste reisen oder von da
zurück kann. Sodann gibt es auch keine Postverbindung. Es
befindet sich dort überhaupt keine Poststation, sondern Post⸗
sachen werden nach Los Indios adressiert, von wo aus sie dann
gelegentlich abgeholt werden. So kann die Beförderung eines
Briefes von hier aus ein bis drei Wochen Zeit in Anspruch
nehmen. Man verlangt dort auch Gottesdienst jeden Sonn—
tag und regelmäßige Gemeindeschule. Die Leute sind sehr
opferwillig und wollen versuchen, ihren Gehaltsbeitrag zu er—
höhen. Zuzug von den Cayman-Inseln wird erwartet. Wür—
den wir den Platz nicht regelmäßig bedienen, so würden wir
ihn gar bald an die Sekten verlieren. Zweimal haben es“ ja
schon die Adventisten, denen jedes Mittel recht ist, versucht, dort
einzufallen, aber bis jetzt, Gott sei Dank, ohne Erfolg. Die
Hauptsache ist, daß die Südküste ein ganz besonderes Gebiet
für sich ist, das vom Nordteil der Insel ganz abgetrennt ist
und von einem ganz verschiedenen Menschenschlag bewohnt
wird, der seine eigenen Gebräuche und Sitten hat. Es dauert
eine Zeitlang, bis man sich da einlebt und die rechte Weise des
Verkehrs findet.
Am Sonntagabend machte ich noch Haus- und Kranken—
besuche. Am Montag früh reiste ich gegen 7 Uhr im Kanu
wieder ab. Diesmal fuhren zwei mit. Kokosnüsse und Honig
wurden mitgenommen, um sie in Los Indios zu verkaufen.
Wir sahen die Kinder die Klippen entlang zur Schule wandern.
Die Brandung dröhnte, heller Sonnenschein lag über den Pal—
menwäldern und Hütten längs der Küste; aber die Sonne
briet uns wieder. Um 3 Uhr nachmittags kaniey wir in Los
Indios an, von wo mich ein Automobil heimfuhr. Ich war
ganz steif und zerschlagen und habe dann fast die ganze Woche
krank herumgelegen; aber mein Herz war wieder erfrischt durch
die herrlichen Erfahrungen, die man im Geistlichen dort unten
in der abgeschiedenen Wildnis jedesmal macht. Gott segne
unsere Caymanero-Gemeinde allezeit!
Indien. Am 26. April ist Missionar Theo. Gutknecht
mit seiner Familie glücklich in San Francisco angekommen.
Anfangs Juli hofft er sich so weit erholt zu haben, daß er Ge—
meinden und Konferenzen mit Vorträgen dienen kann. Solche,
die seine Dienste begehren, wollen sich direkt an ihn wenden
unter der Adresse: Rev. Theo. Gutknecht. Binford, N. Dak. —
Missionar Hamann war am 14. April in Nokohama, Japan.
— Wie Missionar Küchle berichtet, brach am 27. Februar die
Cholera in Yerigutti, einem fünfzehn Meilen von Ambur ge—
legenen Sudra- und Pariadorfe, aus. Wir haben dort in der
Tagschule 20 und in der Abendschule 30 Schüler, von denen
1
eine ganze Anzahl sich taufen lassen will. Unser Lehrer Jakob
arbeitet da mit seiner Frau. Auch einer unserer Christen,
Visuvasam, wurde von der Seuche befallen. Da Lehrer Jakob
gerade in Ambur war, konnte den Kranken keine Arznei ver—
abreicht werden. Als der Zustand Visuvasams sich rasch ver—
schlimmerte, betete er zu seinem Heilande. Seine Verwandten
aber schrien zu ihren alten Götzen und wollten ihre heidnischen
Zeremonien veranstalten. Da kam ein im Dorfe wohnender
treuer Jünger JEsu, Devapiriam, zu dem Sterbenden und
wies ihn auf seinen Erlöser. Visuvasam hatte bald aus—
gelitten. Schon am nächsten Morgen mußte man ihn schlen—
nigst beerdigen. Die Verwandten wollten ihm ein heidnisches
Begräbnis geben, aber Devapiriam sagte kurz: „Nein! Visu—
vasam war ein Christ und wird christlich beerdigt.“ Nun ist
aber Devapiriam des Lesens nicht besonders kundig, obwohl
er fleißig in der Abendschule lernt; aber er wußte sich zu
helfen. Am Grabe sagte er nämlich die Worte, die Gott im
Garten Eden nach dem Sündenfall sprach, her, sprach die
Formel „Erde zur Erde“ usw. und betete ein kurzes freies
Gebet aus dem Herzen. Missionar Küchle bemerkt hierzu:
„Es ist doch eine Freude bei aller Traurigkeit, wenn man.
sieht, wie das Christentum sich so den Weg bahnt in die
Herzen der armen Parias, daß sie in der Todesstunde stand—
halten.“ Etliche Tage später besuchte der Missionar das Dorf,
in dem die Seuche sich rasch ausgebreitet hatte. Die Siidras
hatten die Toten um Rat gefragt, was sie tun sollten, um der
Seuche zu wehren. Die hatten ihnen angeblich die Antwort
geben lassen, sie sollten an den vier Ecken des Dorfes große
Feuer anzünden lassen, dadurch würde die Cholera auf das
Pariadorf beschränkt werden. Der Missionar benutzte die Ge—
legenheit und hielt einer großen Menge Heiden, die sich im
Mondschein um den Dorftempel versammelt hatten, eine ernste
Bußpredigt. Ganz erschütternd muß die Totenklage der armen
heidnischen Witwe gewesen sein. In dem Dorfe wurden etwa
vierzig von der Cholera befallen; davon starben zehn, und
zwar drei im Glauben an den SErrn JEsum. Einer von
diesen, ein Jüngling, rief, als sein Ende nahte: „Hebt mich
auf, ich will zum HErrn!“ — Neulich wurde Missionar Küchle
eingeladen, vor dem Hause eines reichen Grundbesitzers
in einer angesehenen Sudrastraße eine Heidenpredigt zu halten.
Natürlich folgte der Missionar dieser Einladung mit Freuden.
Jul. A. Friedrich.
Zur kirchlichen Chronik.
Ein canadischer Pastor schreibt über
die Lage in den Städten: „Es gibt noch immer keine Arbeit.
Letzte Woche sind 1000 Arbeitslose, meist OÖsterreicher und
Deutsche, von Winnipeg nach der Grenze der Vereinigten Staaten
marschiert, eine Strecke von 65 Meilen, in der Hoffnung, daß
sie in den Staaten Aufnahme finden würden. Aber die Grenz—
beamten gestatteten ihnen nicht, die Grenze zu überschreiten. Die
canadische Regierung sandte ihnen Soldaten nach und ließ sie in
Brandon, Man., internieren. In R. sind 1300 Familien außer
Arbeit. Die Stadt wird den Leuten drei Tage die Woche Arbeit
geben, um dem schlimmsten Elend abzuhelfen.“ Auf dem Lande
sieht es aus, als ob eine bessere Ernte zu erwarten sei. Doch ist
der Herbst noch fern und die Notlage immer noch so dringend, wie
Die Lage in Canada.
*
English translation
Not yet translated.