Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 12 › Seite 222

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 8. Juni 1915, Seite 222

217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

222

Geschenke, Vermächtnisse und zinsfreie Darlehen. Eine reiche
Kollekte für diese Kasse erwarten wir bei Gelegenheit der großen
Jubelfeier im Jahre 1917. Auf Beschluß der Delegatensynode
in Chicago soll die Jubelkollekte dann der Allgemeinen Kirch⸗
baukasse zugewendet werden. „Da diese Feier auch eine Dank⸗
feier sein soll, wo wir unsern Dank für die uns durch die
Reformation erwiesenen Wohltaten darbringen, der nicht nur
in Worten, sondern auch in der Tat bestehen soll, so empfiehlt
die Synode den Gemeinden, daß bei dieser Feier eine besondere,
der Bedeutung des Festes entsprechende Kollekte erhoben werde,
und daß man jetzt schon durch systematisches Ansprechen der
einzelnen Glieder mit der Sammlung der Gelder beginne,
damit eine möglichst große Summe als Dankopfer dargebracht
werde.“

Weil beständig Bittgesuche kommen, so möge man auch
beständig diese Kasse mit Kollekten bedenken. Wie wäre es,
wenn namentlich unsere begüterten Glaubensbrüder auch in
ihren Testamenten für diese Heilandskasse eine gewisse Summe
bestimmten? Welch ein herrliches Denkmal würden sie sich
damit setzen, besser als ein solches aus Erz oder Marmor!
Daß den Sekten in ihrer Kirchbaukasse zum Teil über 5 bis
6 Millionen Dollars zur Verfügung stehen, kommt hauptsäch⸗
lich daher, daß viele ihrer Leute in ihren Testamenten für
diese Kasse so große Summen bewilligen. So las man zum
Beispiel wieder vor einiger Zeit, daß ein Mann namens Mor⸗
ris K. Jesup der Presbyterianerkirche für ihre Kirchbaukasse
550,000 in seinem Testament vermacht habe. Im Jahre 1844
fingen die Presbyterianer an, einen Kirchbaufonds zu sammeln.
Derselbe hat jetzt die Höhe von mehr als fünf Millionen Dollars
erreicht. Allein im Jahre 1913 erhielten 261 Gemeinden
Unterstützung im Betrage von §233,613 aus dieser Kasse. Die
Kongregationalisten haben einen Fonds von beinahe 6 Millio—
nen Dollars. Seit 1853 haben sie über 4000 Kirchen und
1000 Pfarrhäuser damit bauen helfen. Die Episkopalen haben
seit 1880 einen Fonds von etwa einer halben Million gesam—
melt. Wäre es nicht herrlich, wenn wir ähnliche Erfahrungen
machten, wenn auch unsere Allgemeine Kirchbaukasse mit Ver⸗
mächtnissen reichlich bedacht würde? Wer macht den Anfang?
Wer ist willig, hierzu dem HErrn seine Hand zu füllen?
(1 Chron. 30, 5.) Wir Lutheraner haben noch viel mehr
Ursache, recht dankbar zu sein gegen unsern freundlichen Gott
und Heiland, weil er uns sein lauteres Evangelium geschenkt hat.

Auch durch zinsfreie Darlehen werden unserer Kasse wesent—
liche Dienste geleistet. Neulich war die Kommission einmal
wieder in großer Verlegenheit. Dringende Bittgesuche lagen
vor, und das letzte Geld hatten wir bereits wieder ausgeliehen.
Was nun? Mit unserer Weisheit war es wieder gründlich
zu Ende. Wir seufzten; denn es wird uns so schwer ums Herz,
wenn wir nicht helfen können. Doch, „Weg' hat Er allerwegen,
an Mitteln fehlt's ihm nicht“. Diese glaubenstärkende Wahr⸗
heit haben wir denn auch wieder erfahren dürfen. Ganz un—
erwartet bekamen wir nämlich von einem lieben Glaubens⸗
bruder 54000 und von einem andern teuren Bruder, der uns
schon öfter aus der Not geholfen hat, wieder §1000 zinsfrei
geliehen. O wie haben wir uns darüber gefreut! Der HErr
wolle den lieben Brüdern ein reicher Vergelter sein! Mögen
diese Beispiele auch andern Brüdern und Schwestern zur Nach—
ahmung dienen! Herm. Bartels,

Vorsitzer der Kommission für die Allgemeine Kirchbaukasse.

Unsere Mission in Südamerika.

3.

Nachdem wir den Freunden unserer südamerikanischen
Mission ihre Frage nach dem Klima in Südbrasilien be—
antwortet haben, wollen wir nun auch noch auf die weiteren
naturwissenschaftlichen Fragen kurze Auskunft geben.

Was wächst in Südbrasilien, sonderlich in dem Staat
Rio Grande do Sul? ö

Wir sagten schon, daß das Klima dort halb tropisch ist.
Das bedeutet, daß der heiße Tropensommer durch eine kühlere
Jahreszeit abgelöst wird, daß solcher Temperaturwechsel aber
doch auch wieder nicht in unsern strengen Winter mit Eis und
Schnee ausartet.

Demgemäß ist nun auch die Pflanzenwelt halb tropisch.
Das bedeutet, daß die Pflanzen das ganze Jahr hindurch ihr
grünes Blätterkleid tragen, und daß die charakteristischen
Pflanzen der heißen Zone, wie Palmen und Zitrusbäume,
noch gedeihen. Einzelne Baumarten werfen doch im Winter
das Laub ab. So haben besonders die eingeführten Bäume,
wie die europäischen Eichen, ihre alte Gewohnheit des Winter⸗
schlafs auch in Brasilien beibehalten, haben sich aber dem bra—
silianischen Winter angepaßt und verlieren also ihr Laub in
den Monaten Juni bis August.

Wir haben auch schon gesagt, daß der Staat Rio Grande
do Sul die Grenze bildet zwischen dem brasilianischen Hoch—
land und der argentinischen Ebene und in seiner Nordhälfte
gebirgig und in der Südhälfte flach ist. Die Berge sind von
riesigen Urwäldern bedeckt; in der Ebene dehnen sich die
weiten Grasfluren aus. So herrscht im Norden der Urwald
vor, im Süden die Steppe.

Ein brasilianischer Urwald ist schwer zu beschreiben. Ein
richtiges Bild bekommt man nur durch das Leben im Walde.
Das feuchtwarme Klima im Verein mit dem ununterbrochenen
Wachstum entwickelt die Urwaldbäume zu wahren Riesen nach
Länge und Umfang. Die mächtigen Baumkronen bilden ein
Laubdach, das Sonne und Luft aus dem Innern des Waldes
ausschließt. Die schattige, feuchte Schwüle lockt nun immer
neues Wachstum aus deni fruchtbaren Urwaldboden hervor.
Der junge Baumnachwuchs bildet im Verein mit unzähligen
Farnen und Blütensträuchern, mit Dornenhecken und kraut—
artigen Pflanzen ein undurchdringliches Unterholz. Dies dichte
Unterholz ist mit dem Geäste der Bäume durch armdicke Schling—
gewächse oder Lianen zu einem Gewirre verbunden. Ja, die
Pflanzenwelt des Urwaldes findet auf dem Boden nicht Platz
genug. Oben auf den Asten und Zweigen der Bäume haben
die sogenannten Schmarotzerpflanzen und Moose ihren Stand—
ort; da macht sich eine ganz eigene herrliche Blumenwelt breit.
Viele unter den Lesern haben wohl niemals Gelegenheit ge—
habt, die wundersamen und wunderbaren Orchideen, deren
Heimat die Urwälder Brasiliens sind, zu sehen. Die starken,
weit auslangenden Aste der Urwaldriesen sind oft über und
über von diesen herrlichen Blumen bedeckt.

Zahlreich sind die im brasilianischen Walde vertretenen
Holzarten. Da finden sich kostbare Möbelhölzer, wie Cedro,
Louro, Cabriuva, Jacaranda; ferner sehr gute Bauhölzer, wie
Canjeirana, Taruma, Ipe. Der Timbauva liefert ein Holz,
das dreimal leichter als Wasser und dabei doch dauerhaft ist,

das sich deshalb sehr zum Bau der Canoas, jener leichten
2*

English translation

Not yet translated.